Johnny Hallydays Umzug nach Gstaad löst Diskussionen aus

  15.02.2007 Gemeinde, Kanton, Gstaad

Der Umzug des französischen Entertainers Johnny Hallyday nach Gstaad gibt Anlass zu vielen Diskussionen rund um die Pauschalsteuerabkommen mit reichen Ausländern. Hallyday hat sich in die Schweiz, genauer, in unsere idyllische Talschaft abgesetzt, um dem französichen Fiskus zu entkommen. So zahlt der Rockstar in seiner Heimat über 60% seines stolzen jährlichen Einkommens von rund 10 Millionen Franken an den Fiskus... da kommen ja selbst uns armen Schluckern die Tränen. Aber Mitleid haben wir trotzdem nicht mit ihm, denn er hat eine Debatte und einen Medienrummel ausgelöst, wie wir ihn hier gar nicht mögen.

Sensationsgierige Journalisten klopfen nämlich zur Zeit regelrecht Haus um Haus ab, um Aussagen zu den Superreichen zu bekommen. In einer Zeit, wo 100 Millionen-Chalets in den Medien zur Diskussion stehen (obwohl diese Spekulationen wohl jeglicher Realität entbehren), sind solche Indiskretionen bei uns verschwiegenen Berglern unerwünscht. Doch nicht nur hier erhitzt diese Debatte die Köpfe, im Berner Kantonsparlament stand letzte Woche die Abschaffung dieser Steuer für nicht erwerbstätige Ausländer zur Diskussion. Die Hauptargumente der Gegner waren, dass eine Pauschalbesteerung ungerecht sei und dem Grundsatz, Bürger nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu besteuern, widerspreche. Vor allem die bürgerlichen Parteien widersetzten sich aber dem Antrag. Die wohlhabenden Ausländer würden sonst anderswo Steuervergünstigungen geniessen und seien bald weg. So würdendem Kanton etliche Steuermillionen verloren gehen, um von den volkswirtschaftlichen Schaden nicht zu reden. Eine korrekte Besteuerung der Gutbetuchten, deren Einkommen und Vermögen aus jeder erdenklichen Ecke der Welt fliessen, sei sowieso nicht möglich. So gesehen sei eine Pauschalbesteuerung nach Aufwand eine akzeptable Lösung. Der Antrag, welcher von den Grünen im Rahmen der Steuergesetzrevision gestellt worden war, wurde denn auch mit 87 zu 59 Stimmen bei 5 Enthaltungen abgelehnt. Die Gemeinde Saanen profitiert sehr wohl von diesen Steuerabkommen, welche dem Fiskus jährlich rund 3,6 Millionen Franken einbringen. Diese Einnahmen machen zwar nur einen kleinen Teil (ca 5%) der gesamten Steuereinnahmen der Gemeinde aus, der volkswirtschaftliche Nutzen dieser Anwohner ist jedoch weit grösser und lässt sich nur schwer quantifizieren. Immerhin hat die Gemeinde Saanen seit Jahrzehnten eine der tiefsten Arbeitslosenquoten des Kantons, denn die Aufträge der Gutbetuchten lassen ganze Gewerbezweige florieren. Ausserdem zahlt Saanen jährlich 5 Millionen Franken an den kantonalen Finanz- und Lastenauslgeich; das wiederum kommt so ärmeren Gemeinden zu gut. Also, liebe Sensationsgierige, ruhig Blut: obwohl hier oben tatsächlich vieles Gold ist, was glänzt, ist das noch lange kein Grund, um die Neider der gesamten Nation auf den Plan zu rufen. Denn Gstaad ist, und das ist unser Geheimnis, vor allem DISKRET. Und das soll auch so bleiben.


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