Die Absicht hinter der Käse-Verwechslung

  23.03.2007 Gesellschaft, Hotellerie / Gastronomie, Landwirtschaft, Gstaad

Im Juni 2006 hat die Molkerei Gstaad seiner grössten Kundin, der Migros Aare, 8 Tonnen Bergkäse anstelle des deklarierten, teureren Alpkäses AOC geliefert. Diese liess den zum Teil bereit abgepackten Käse aus dem Verkauf zurückziehen; die Molkerei nahm den Rest zurück (Geschäftsführer Hanspeter Reust holte ihn persönlich ab) und entschuldigte sich für die ach-so-peinliche Verwechslung. Hiermit schien die Angelegenheit erledigt. Weit gefehlt. Der Kantonschemiker, welcher die Falschdeklaration bemerkt hatte, rüffelte die Molkerei für die Falschlieferung. Und was man in der Gstaader Milchverarbeiterzunft hatte zu vertuschen versucht, wurde mit einem Mal zum öffentlichen Drama.

Zur Rede gestellt, gaben verschiedene Mitarbeiter zu, dass die Falschlieferung absichtlich geschehen war (nach dem Sprichwort: mitgegangen - mitgehangen). Allerdings hätten sie davon nichts gewusst; sie seien von der Geschäftsleitung, d.h. von Reust, falsch informiert worden. Dieser hatte nämlich bis zum Schluss an seiner Verwechslungs-Theorie festgehalten. Gegen die Wand gestellt, hat er aber nun zugegeben, dass die Käselaibe absichtlich vertauscht worden sind. Wie kann denn so etwas sein??!! Ausgerechnet Käse-Marketing-Guru Reust, welcher immer von Echtheit und Tradition spricht?? Diese Worte klingen plötzlich gar hohl, denn die "Echtheit" wird hier in ihrer Glaubwürdigkeit massivst untergraben. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, bricht er ausserdem mit der gutschweizerischen Tradition von Aufrichtigkeit, sogar gegenüber seinen engsten Mitarbeitern. Diese nehmen nun kein Blatt mehr vor den Mund und beschweren sich öffentlich über die Missstände, Falschinformationen und Vertuschungen innerhalb der Genossenschaft. Bittere Enttäuschung ist spürbar, Rage gar. So wird Reust vorgeworfen, das Käselager sei in undurchsichtiger Weise organisiert, Käse werde falsch deklariert und nicht "linien- bzw. Reust-treue" Bauern erhielten bei der endsommerlichen Taxierung ihres Käses einen minderen Preis für ihr Produkt. Dies sind happige Vorwürfe, welche entfernt an Kolchose-Zustände erinnern. Der Käse unserer Bergbauern ist das Produkt von langer, mühsamer Arbeit. Mit so etwas spielt man nicht. Dass ausgerechnet Reust dieses miese Spielchen gespielt hat, ist schlicht und einfach ein Erbärmlichkeitszeugnis. Trotzdem will die Molkerei Gstaad die Zusammenarbeit weiterführen und, wie unser Schwesternblatt heute titelt, "aus der Krise gestärkt gemeinsam in die Zukunft gehen" (lesen sie hier den ganzen Artikel). Wenn das nur gut geht...


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