Erliegt die Alterspolitik der bürokratischen Arterienverkalkung?
15.05.2007 Gemeinde, Saanen, Kanton, GstaadEs wird viel gebaut in unserem Land. Die öffentliche Hand scheint in Spendierlaune und stampft unzählige Kulturbauten, Megastadien und sonstige Gebilde aus dem Boden. Alles wichtig und richtig, zweifellos. Und doch geht in all diesem Schaffenseifer etwas vergessen: Was passiert mit den Alten, die an diesem produktiven Prozess nicht mehr teilhaben können? Nun, da verschliesst sich die gebende Hand zur Faust. Investieren in ein Altersheim will keiner; jedenfalls noch nicht. Das könnte sich jedoch rasch ändern, denn unsere Gesellschaft wird innert Generationenfrist massiv überaltert sein. Bereits heute ist jeder sechste Einheimische über 65 Jahre alt.
In den nächsten Jahrzehnten wird diese Generation sogar ein Viertel der gesamten schweizerischen Bevölkerung ausmachen. Die verbliebene Kaufkraft wird sich in den Händen der Greisen und Weisen konzentrieren, und diese werden sich Komfort und Zuneigung auch etwas kosten lassen. Doch um diesen künftigen Grossandrang aufnehmen zu können, fehlt ganz einfach die Infrastruktur. Dass nun aber das seit längerem projektierte Alterszentrum unterhalb des Spitals Saanen innert nützlicher Frist realisiert wird, scheint so unwahrscheinlich wie Schnee im Sommer (wobei selbst dies bei den Klimakapriolen auch nicht mehr ausgeschlossen werden kann). Das Altersheim Pfyffenegg in Saanen nimmt nun sein Schicksal selbst in die Hand und trennt sich von der Pro Senectute, welcher es seit 2001 angehört hat. Die Zusammenarbeit war nicht reibungslos verlaufen und der administrative Aufwand zu kompliziert geworden. So wurde übereinstimmig beschlossen, das Altersheim Pfyffenegg dem Verein Pro Senectute auszugliedern und auf eine juristische Person zu übertragen. So erhofft es sich mehr Handlungsfreiheit, um die Betreuung der Betagten optimal gestalten zu können. Ja, das sind ja schöne Aussichten, wenn selbst die Pro Senectute (oder sollten wir sie künftig lieber Contra Senectute nennen?) die optimale Betreuung der Alten nicht mehr als oberstes Credo betrachtet und stattdessen derselben bürokratischen Krankheit erliegt wie die öffentliche Hand. Dann schlafen wir künftigen Alten dereinst halt eben in den wunderschönen Sporthallen und Kulturzentren unseres Landes. Wäre doch mal was anderes, oder? Das wäre dann effektive geistige und körperliche Förderung der Betagten, ganz im Sinne der „Pro Senectute“...

