Avenir Saanenland: Welcher Vertrauensbeweis?
16.12.2008 Gstaad, Leserbriefe, Tourismus, Politik, Sport
Das überparteiliche Komitee «Avenir Saanenland» um Ernst B. Frautschi hat beschlossen, sich auch nach der (äusserst knappen) Annahme des Kredites des Bergbahnen-Projektes "Konzentration" nicht aufzulösen. Es wird weiterhin eine Stimme jener Hälfte der Stimmbürger sein, die an der Gemeindeversammlung mit nur 5 Stimmen unterlag und die sich mit dem Vertrauen in die BDG schwer tun:
Die BDG startet, wie in deren Pressemitteilung zu vernehmen ist, «hochmotiviert» in die Zukunft – in jene Zukunft, die die Stimmbürger in den Gemeinden im Saanenland und Umgebung anvisierten, als sie dem Projekt der BDG zugestimmt haben. Der Mist ist geführt und der Betrag ist gesprochen, legitimiert durch die Demokratie. Es darf also in den erwarteten oder erhofften Cash-Flow investiert werden. «Für diesen Vertrauensbeweis sind wir sehr dankbar», betont BDG-Direktor Armon Cantieni. Welcher Vertrauensbeweis? Bei einem Stimmenverhältnis von 70 zu 30 könnte man das wohl so nennen. Aber bei einem Zufallsmehr von fünf Stimmen? Als Ueli Maurer mit nur einer Stimme Vorsprung zum Bundesrat gewählt wurde, schrieben die Medien anderntags nicht von einem Vertrauensbeweis, sondern von einem «Bundesrat auf Bewährung», dem man sehr genau auf die Finger schauen werde. Genau dies ist auch die Aufgabe der Minderheit, die an der Gemeindeversammlung knapp unterlag.
Das überparteiliche Komitee «Avenir Saanenland» um Ernst B. Frautschi hat deshalb beschlossen, sich nicht aufzulösen. Es wird weiterhin eine Stimme jener Hälfte der Stimmbürger sein, die dieses Vertrauen in die BDG eben nicht einfach «per se» haben. Dazu gehören Bürger jeglicher Couleur, Bergbahnspezialisten, Hoteliers, Gewerbler, Bergführer, Skilehrer, Gäste. Alle, die ein ungutes Gefühl haben, wenn sich die Propaganda-Maschinerie von GST, BDG und der Gemeinde Saanen in Gang setzt. Und bald dazu gehören hoffentlich auch jene, die gar nicht an der Abstimmung teilnahmen. An allzu vielen Stammtischen vernahm man nachher Voten wie «ich gehe an keine Gemeindeversammlung, die machen eh, was sie wollen» oder «was will ich als Einzelner an einer Gemeindeversammlung schon sagen?» Mumpiz. Wir dürfen das Schicksal nicht in die Hände einiger weniger legen, welche – nebenbei gesagt – das Konzept schon wenige Tage nach der Abstimmung relativieren. In einer Demokratie kommt es auf jeden an. Eine Hand ist nicht dazu da, die Faust im Sack zu machen, sondern um mit ihr abzustimmen. Dazu gehört es, Projekte auch zu hinterfragen und allenfalls die andere Seite aufzuzeigen, und zwar unabhängig von politischen Strömungen und kurzweiligen Trends. Es geht uns nur um eines. Nämlich um einen zukunftsgerichteten, nachhaltigen Tourismus unter Berücksichtigung der volkswirtschaftlichen Bedeutung. Danke allen, die nicht nur die Faust im Sack gemacht haben, sondern auf Missstände hingewiesen haben. Es war eine Freude zu sehen, in welch kurzer Zeit sich unser Komitee formierte. Mit derselben Energie werden wir den Tourismus im Saanenland, das uns sehr am Herzen liegt, weiterhin genau verfolgen und unsere Ansinnen einbringen. Auch der Bergbahnen werden wir uns annehmen – auf dass Projekte für die Zukunft verwirklicht werden, hinter denen am Schluss wirklich so viele stehen können, dass man die Inangriffnahme als «Vertrauensbeweis » verstehen kann.
Komitee "Avenir Saanenland"

