Helvetia Nostra: «Rettet Gstaad vor dem Untergang» 

  30.09.2009 Gemeinde, Gstaad


Gstaad soll nicht zu einer Luxus-Shopping-Meile ohne Charme verkommen. Die Helvetia Nostra kämpft dagegen an.

Unter dem Titel «Rettet Gstaad vor dem Untergang» hat der Rechtsanwalt Rudolf Schaller am 24. September im Auftrag der Umweltschutzorganisation Helvetia Nostra bei der Gemeinde Saanen ein Gesuch um Erlass einer Planungszone betreffend das Dorf Gstaad eingereicht. Die Helvetia Nostra will so «retten, was noch zu retten ist». Das gibt sie in einer Pressemitteilung bekannt. In diesem Jahr habe sie vier Einsprachen gegen Bau- und Ausnahmegesuche eingereicht, um den Abbruch von sieben schönen alten Dorfhäusern in Gstaad zu verhindern. Gstaad sei zurzeit Objekt einer massiven Aufkaufaktion.

«Es scheint, dass den einheimischen Hausbesitzern astronomische Offerten für den Kauf ihrer Häuser gemacht werden. Die Käufe erfolgen zum Zwecke der kurzfristigen Gewinnschöpfung: Abbruch, intensive Neuüberbauung, Verkauf von teuren Zweitwohnungen an ortsfremde Personen und von Shopping-Plätzen an internationale Ketten von Luxusartikeln.» Gstaad verliere so unweigerlich den Charme eines ruhigen Bergdorfs mit Läden für einheimische Produkte, typischen Cafés und Restaurants sowie Wohnungen für Einheimische. In Gefahr sei das Dorfbild, insbesondere aber auch das Leben in dem Dorf. Gegen den Sturm der Zerstörung hätten Appelle an die Eigentümer, ihre Häuser nicht zu verkaufen, kaum Wirkung, so Helvetia Nostra in der Pressemitteilung. «Das einzige Mittel zur Rettung Gstaads als typisches Bergdorf ist die Raumplanung, wofür die Einwohnergemeinde zuständig ist.» In ihrer Einsprache vom 24. Januar 2009 gegen das öffentlich aufgelegte Projekt der Ortsplanungsrevision 2005-2008 habe Helvetia Nostra mit Nachdruck verlangt, dass das Dorf Gstaad als solches unter Denkmalschutz gestellt werde. Helvetia Nostra hält weiter fest, dass gemäss dem eidgenössischen Raumplanungsgesetz Planungszonen bestimmt werden können, wenn – wie dies in Gstaad der Fall ist – Nutzungspläne angepasst werden müssen. «Es handelt sich faktisch um eine generelle Bausperre bis zum Inkrafttreten des revidierten Zonenplans.» Nach Meinung der Helvetia Nostra ist dieser Baustopp für das Dorf Gstaad für fünf Jahre zu verordnen. Diese Zeit sei zu nützen, um Schutzbestimmungen in den neuen Zonenplan aufzunehmen. Der Brief der Umweltschutzorganisation sei auf der Verwaltung eingetroffen, bestätigt Vize-Gemeindepräsident Toni von Grünigen. Zusätzlichen Handlungsbedarf gebe es jedoch nicht. «Das Begehren von Helvetia Nostra geht in die gleiche Richtung wie der Erheblichkeitsantrag von Gottfried von Siebenthal an der Juni-Versammlung und deckt sich mit dem Begehren eines Grossteils der hiesigen Bevölkerung und vieler Gäste», sagt von Grünigen. «Wie Bauverwalter Claudio Schmidt an der letzten Gemeindeversammlung erklärt hat, laufen die Abklärungen, wie wir das Begehren umsetzen können, intensiv, auch auf juristischer Ebene», betont von Grünigen.


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