Die Schopfers: Seit 30 Jahren auf der Walliser Wispile
14.10.2009 Feutersoey, Landwirtschaft, Natur, Tradition
200 Laib Käse produziert Fritz Schopfer pro Sommer auf der Walliser Wispile.
Seit 30 Jahren betreiben Fritz und Beatrice Schopfer einen Alpbetrieb auf der Walliser Wispile. In all den Jahren waren sie die einzigen Bauern auf dem Berg. Über die Eigenarten ihrer Walliser Kollegen haben sie zwar einiges zu erzählen, aber sie verstehen sich gut mit den Leuten jenseits des Sanetschpasses. «Die Besitztümer auf der Wispile haben für die Walliser eine ganz besondere Bedeutung. «Die Länderein zu verkaufen oder auch nur die Besitztümer als Ferienwohnung zu vermieten, käme für sie auf keinen Fall in Frage. «Sie sind stolz auf den Besitz, den sie von Generation zu Generation weitervererben. Vor allem anderen aber auf den Käse, den sie hier produzieren.»
Schopfer erinnert sich, wie er einmal einem Walliser Nachbarn geholfen hat, seinen Käse ins Tal zu transportieren. Nachdem ein Laib Käse vom Traktor gefallen war und vollkommen plattgedrückt worden war, hatte Schopfer kaum seinen Augen getraut: Der Walliser kratzte seinen Käse vom Boden zusammen und nahm ihn mit, obwohl er sicher mit Erde und Steinchen vermischt war. «Der Wispile-Käse ist im Wallis geradezu ein Heiligtum», schmunzelt Schopfer. Seit 1979 ist er auf der Wispile. Frotz Schopfer wollte schon immer Landwirt werden, doch zuerst arbeitete er als Zimmermann. «Holz ist meine zweite Leidenschaft», sagt er. Doch 1976 wurde er mit schweren Lungenproblemen ins Spital gebracht. Die Ärzte erlaubten ihm von nun an nicht mehr in der Kälte zu arbeiten. Ein Jahr lang hat Schopfer durchgehalten und sich an die Ratschläge der Ärzte gehalten, länger hat er es nicht ausgehalten. Wenn er nicht draussen in der Natur sein kann, geht es ihm nicht gut. Als sich ein Walliser Bauer auf der Wispile ein Bein brach und seinen Alpbetrieb nicht weiterführen konnte, konnten Fritz und Beatrice Schopfer dessen Alpbetrieb in Pirtschaft nehmen. Nach sechs Jahren unterschrieben sie einen Pachtvertrag. Heute kommen Schopfers jeden Sommer mit ungefähr 26 Kühen und 30 Stück Jungvieh auf die Alp. Sie leben übers Jahr auf vier verschiedenen Höhenstufen: Den Winter verbringen sie in Feutersoey, im Frühling rücken sie auf die erste, später auf die zweite Vorsass vor, und von Ende Mai bis Ende September leben sie auf 1800 Metern. Ohne Strom, elektrisches Licht und warmes Wasser. In den vier Monaten, die sie auf der Wispile verbringen, verarbeiten sie rund 18 500 Liter Milch und stellen 200 Laib Käse her.
Foto: Nicole Maron/Anzeiger von Saanen

