Gottlieb von Siebenthal auf Abschlusstour

  30.11.2009 Gstaad, Landwirtschaft, Lauenen

 
Gottlieb von Siebenthal gibt Ende Juni 2010 sein Amt an. Nachfolger werden Paul Indermühle vom Inforama und Jürg Romang.


33 Jahre war Gottlieb von Siebenthal als landwirtschaftlicher Berater im Saanenland tätig. Vieles hat sich geändert in diesen Jahren. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist stark zurückgegangen, Vorschriften und administrative Aufgaben haben sich vervielfacht. «Wir Bauern werden eines Tages wieder begehrte Nahrungsmittelproduzenten sein», sagte von Siebenthal. 

Die Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung sei ein grosses Problem. Jeder siebte Mensch leide an Hunger. Hauptthema war das an diesem Abend allerdings nicht. «Ein landwirtschaftlicher Berater gibt im Auftrag des Kantons und des Bundes einerseits wichtige Informationen weiter und berät die Landwirte andererseits in allen beruflichen und betriebswirtschaftlichen Belangen», umreisst Gottlieb von Siebenthal das Aufgabengebiet eines Beraters. Seine Spezialgebiete waren nebst dem Weitergeben von Informationen und den neuesten Vorschriften das Boden-/Pacht- und Steuerrecht sowie die Finanzen. Für seine Abschlusstour hat der Gstaader unter anderem zur aktuellen Milch(preis-)politik und zur Lohnregelung in der Familie im Hinblick auf die Erbteilung referiert. Letzteres ist dem Landwirt, der seinen Hof vor einigen Jahren an den Sohn übergeben hat, ein besonderes Anliegen. «Die Hofübergabe beginnt, wenn man den Betrieb übernimmt – oder noch früher, nämlich bei der Berufswahl der Kinder», betonte von Siebenthal. Als er vor 32 Jahren als Berater in Lauenen begann, gab es dort noch rund 100 Bauernbetriebe. Heute sind es keine 60 mehr. Und im ganzen Amtsbezirk habe die Zahl der Bauernbetriebe von 650 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf heute noch 280 abgenommen. Von Siebenthals grösste Sorge gilt deshalb auch der Zukunft seines Berufsstandes – und das nicht nur wegen dem wirtschaftlichen Druck, der auch vor den Landwirten nicht Halt macht. «Der Preisdruck, der durch die Marktöffnung auf uns lastet, ist immens, dazu kommen laufend mehr Vorschriften und auch der administrative Aufwand steigt ständig.» Ein weiteres Problem sei, dass viele Landwirte keinen Nachfolger mehr fänden und wenn doch, werde es für die Jungbauern immer schwieriger, eine Frau zu finden.

Foto: Anita Moser/Anzeiger von Saanen


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