17 000 Portionen Rösti pro Jahr
28.01.2010 GstaadDaniela Hubacher hat die Rösti-Pfanne in der Rössli-Küche voll im Griff. (Foto: Nicole Maron)
Über 360 Gäste werden im Rössli in der Altjahreswoche bedient – pro Abend. Die Beilagen auf den Tellern, die die Rössli-Küche verlassen, werden von der 22-jährigen Emmentalerin Daniela Hubacher zubereitet, die seit gut zwei Jahren in Gstaad wohnt und arbeitet. Die beliebteste Beilage, die Rösti, verarbeitet sie im grossen Stil: 17000 Portionen sind es, die pro Jahr die Hotelküche verlassen.
Eigentlich wollte Daniela Hubacher nur einen Winter im Saanenland verbringen, als sie im November 2007 in der Hotelküche des Rössli angefangen hat. Ursprünglich aus dem Emmental, zog es sie ins Tessin, und Gstaad sollte nur eine Zwischenstation sein, ein erster Schritt hinaus in die Welt. «Einen Winter in den Bergen, dachte ich, und dann weiter. Doch irgendwie passte hier alles – die Arbeit, die Kollegen, die Umgebung, und dann bin ich einfach geblieben.» Dass alles passt, sieht man Daniela Hubacher an – sie strahlt, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, sie strahlt, wenn sie hinter dem Herd steht und die Röstipfanne schwingt. Als Entremetière erstreckt sich ihr Zuständigkeitsbereich auf den Beilagenteil aller Teller, die die Rössli-Küche verlassen.
Das Team besteht aus sechs Hauptköchen und drei Hilfsköchen, und dies das ganze Jahr über. «Seit ich hier bin, wurden keine Saisonniers eingestellt», erzählt Daniela Hubacher, «wir bewältigen die Altjahreswoche mit dem gleichen Personal wie die ‹flaueste› Zeit im April und Mai.» Und in der Altjahreswoche geht ganz schön was ab in der Küche: Über 360 Gäste pro Abend werden im Durchschnitt bedient, und gut 150 Portionen Rösti halten Daniela Hubacher auf Trab. 17000 Portionen sind es pro Jahr, die Daniela Hubacher und ihre Kollegen zubereiten.
Auch Palace-Gäste essen im Rössli
Die Mischung der Gäste im Rössli deckt die ganze Bandbreite ab, wie Hubacher erzählt: «Es kommt nicht selten vor, dass Gäste, die im Palace logieren, zu uns zum Essen kommen. Das merkt man dann auch an den Bestellungen – es gibt da ganz verschiedene Mentalitäten beim Essen.» Doch Daniela Hubacher verfolgt diese Dinge am liebsten aus der sicheren Distanz ihrer Küche. «Den direkten Kontakt zu den Gästen suche ich eigentlich nicht – sonst würde ich ja im Service arbeiten», lacht sie.
Gestresst ja, aber nicht genervt
Als sie nach Gstaad gekommen ist, war dies ein Schritt in unbekannte Gefilde: «Ich konnte mir überhaupt keine Vorstellung davon machen, wie es hier ist. Einer der Gründe, warum ich hierher gekommen bin, war, dass ich in ein Skigebiet wollte, aber wie es sein würde, hier zu leben, wusste ich nicht.» Nach gut zwei Jahren zieht sie aber eine positive Bilanz: «Es ist schon ein ziemlich spezieller Ort, mit den ganzen Touristen aller möglichen Nationalitäten, aber es gefällt mir gut – ich fühle mich wohl hier.» Nicht zuletzt liegt dies auch daran, dass sie in ihrem Team gut aufgehoben ist. Mit einem grossen Teil ihrer Arbeitskolleginnen und -kollegen zusammen wohnt sie im Personalhaus des Rössli, und auch in der Freizeit unternimmt die Rössli-Crew viel gemeinsam. Dass sie in einem Skigebiet wohnt, kann Daniela Hubacher auch trotz der vielen Arbeit im Winter gut ausnützen: «Dafür gibt es ja zum Beispiel die Zimmerstunde», lächelt sie. «Und wir im Rössli haben das Glück, dass wir den ganzen Winter über Ski Fahren dürfen – da gibt es viele Hotels, bei denen das anders ist, die Sperrzeiten verhängen, in denen die Mitarbeiter wegen der Unfallgefahr gar nicht auf die Piste dürfen.»
Doch es ist nicht so, dass die Köche ein Flohnerleben führen und sich auf den Pisten tummeln, während alle anderen arbeiten müssen – durch die ca. dreistündige Pause am Nachmittag verlängert sich die Arbeitszeit am Abend. «In der Hochsaison kann die Schicht da gut einmal bis Mitternacht dauern. Die beiden Restaurants füllen sich an solchen Abenden zwei Mal hintereinander, da kommt man in der Küche kaum zum Atemholen.» Gestresst ist sie in der Küche schon mal, ja, aber genervt über den Stress eigentlich nicht. «Dafür ist man ja schliesslich da, oder? Und wenn man dann einen besonders grossen Ansturm bewältigt hat, kann man am Schluss des Abends auch ein bisschen stolz auf sich sein, dass man alles geschafft hat.»
Aus dem Emmental über Gstaad ins Tessin
Die Emmentalerin fühlt sich in Gstaad so wohl, dass sie gar nicht recht weiss, wie ihre Zukunftspläne aussehen sollen: «Mindestens einen oder zwei Winter möchte ich auf jeden Fall noch hier verbringen – danach gehts dann vielleicht tatsächlich weiter ins Tessin, wie es ja schon vor zwei Jahren geplant war», lacht sie. Für immer hier zu bleiben, kann sie sich dagegen auch nicht vorstellen: «Irgendwann will ich schon weiter, noch etwas anderes sehen. Später, wenn man eine Familie hat, kann man schliesslich nicht mehr so herumziehen.»

