Flugzeugabsturz: Pilot verstarb vermutlich an Herzversagen
| Donnerstag, 28. Januar 2010
Die Ursache für den Segelflugabsturz aus dem Sommer 2008 ist vermutlich geklärt.
Die Ursache für das 2008 auf das Volleyballfeld des Saaner Freibads gestürzte Segelflugzeug konnte nun ermittelt werden. Dem Untersuchungsbericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen, der seit Dienstag vorliegt, ist zu entnehmen, dass der 76-jährige Pilot aller Wahrscheinlichkeit nach während des Fluges an akutem Herzversagen starb und die Maschine nicht mehr kontrollieren konnte. Der Unfall veranlasste das Bundesamt für Zivilluftfahrt unter anderem, die fliegerärztlichen Bestimmungen zu ändern.
Das Flugzeug war am Freitag, 25. Juli 2008, gegen 14 Uhr auf das Beachvolleyballfeld des Freibades gestürzt. Pilot war ein in Zürich lebender Amerikaner, der am Segelfluglager der Rüdlinger Segelfluggruppe Randen teilgenommen hatte. Wie durch ein Wunder gab es keine weiteren Verletzten. Vier Jugendliche, die zuvor zwei Stunden Volleyball gespielt hatten, waren verschont geblieben, weil sie just im Moment des Aufpralls im benachbarten Chouflisbach nach ihrem Ball suchten. Seit letztem Dienstag liegt nun der Untersuchungsbericht des Büros für Luftunfalluntersuchungen (BFU) vor.«Das Segelflugzeug führte brüske Kurvenwechsel aus und geriet in ein Vrille (ins Trudeln), die bis zur Kollision mit dem Boden nicht beendet wurde … die unmittelbar aufeinander folgenden Kurvenwechsel mit grosser Querlage vor dem Absturz lassen vermuten, dass der Pilot die schlechten Flugleistungen mit dem ausgefahrenen Triebwerk nicht mehr wahrgenommen und in dieser Flugphase sein Motorsegelflugzeug nicht mehr bewusst gesteuert hat», heisst es im Bericht. Aufgrund dieser Tatsache beleuchtete die BFU die Vorgeschichte des Amerikaners genauer. Es stellte sich heraus, dass dieser die Validierung seiner amerikanischen Privatpilotenlizenz und seiner Lizenz für Segelflieger in die Schweiz offensichtlich bewusst abgelehnt hatte, weil dann ein medizinischens Tauglichkeitszeugnis fällig gewesen wäre. Der Pilot fürchtete wohl, die Fluglizenz aufgrund seines Gesundheitszustandes entzogen zu bekommen. Er litt an schweren Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefässe, sodass ihm im Laufe des Jahres 2007 mehrmals verengte Herzkranzgefässe erweitert, so genannte Stents eingesetzt und mehrere Bypässe gelegt wurden. Zudem musste er wegen schweren Herzrhythmusstörungen einen Herzschrittmacher tragen. Familiäre Belastungen, Bluthochdruck und Fettsucht waren ausserdem als Risikofaktoren aufgeführt, sodass ihm sein Kardiologe nahe gelegt hatte, nicht mehr zu fliegen. Der Pilot folgte der Empfehlung nicht und reiste statt dessen in die USA, um eine weitere Bypass-Operation durchführen zu lassen. Die Feststellung, dass der Pilot trotz seines medizinischen Befundes in der Schweiz nie fliegerärztlich untersucht worden war, hatte Konsequenzen. « Das Bundesamt für Zivilluftfahrt verlangt unter anderem wegen dieses Unfalls seit 1. März 2009 eine regelmässige fliegerärztliche Untersuchung für Segelflugpiloten über 60 Jahre und eine Informationspflicht bezüglich gewisser medizinischer Ereignisse», heisst es im Unfallbericht. «Der Pilot wäre gemäss der heute geltenden Regelung des BAZL mit seiner stark belastenden Vorgeschichte (....) bis auf unbestimmte Zeit für fluguntauglich erklärt worden. Erst nach erwiesener Stabilität seines Gesundheitszustandes hätte er, wahrscheinlich mit Auflagen, wieder fliegen dürfen.»
Foto: Archiv AvS
























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