Das Kabäuschen am Skilift Hornfluh ist wie ein zweites Zuhause für Hansruedi Schopfer – seit 20 Jahren ist er dafür verantwortlich, dass die Schneesportler auf dem Hornberg problemlos «anbügeln» und sicher zur Bergstation Hornfluh gelangen. Über 380000 Personen sind es durchschnittlich pro Saison, an Spitzentagen bis zu 5800, denen Schopfer den Bügel reicht – und jeder ist ein bisschen anders. «Kinder und ältere Leute brauchen am ehesten Hilfe beim Anbügeln, und sie sind es auch, die einem noch richtig dankbar sind.» Der Kontakt mit den Menschen ist es denn auch, den Schopfer an seinem Job besonders schätzt – abgesehen von der Arbeit draussen, in der Natur. Doch diese kann er auch im Sommer geniessen, in seinem Hauptberuf als Landwirt. «Ich bin nicht der Typ, der mit Kollegen eins trinken geht, ich ziehe mich lieber zurück. So komme ich im Sommerhalbjahr nicht so richtig unter Leute. Deswegen freue ich mich immer, wenn die Wintersaison beginnt. Aber im Frühling habe ich dann auch wieder genug», lacht Schopfer.
«Funi-Fahrer, das wäre etwas gewesen!»
Schon Schopfers Vater war für den Hornfluh-Lift zuständig gewesen, und er war es auch, der ihn dazu motiviert hat, bei den Bergbahnen einzusteigen. «Meinen Traumberuf habe ich mit der Landwirtschaft ohnehin erreicht, und das ‹Bügeln› ist eine gute Arbeit für den Winter. Und wie das halt so geht, je länger man etwas macht, desto mehr wächst es einem auch ans Herz.» Der einzige Wermutstropfen war, dass zu der Zeit, in der Schopfer bei den Bergbahnen angefangen hat, der alte «Funi» nicht mehr in Betrieb war, mit dem pro Fahrt bis zu 50 Personen auf den Hornberg transportiert werden konnten. «Funi-Fahrer, das wäre etwas gewesen!», schwärmt Schopfer. «Das waren noch Zeiten.»
Überhaupt hat sich viel verändert in den letzten zwanzig Jahren. Als Schopfer neu am Hornfluh-Lift war, war noch nicht das ganze Skigebiet von Gsteig bis Zweisimmen einer einzigen Institution unterstellt wie heute der BDG. «Viele Lifte waren in Privatbesitz, der Betrieb war übersichtlicher und irgendwie familiärer», erinnert sich Schopfer. Besonders gerne denkt er an seinen ersten Chef Walter von Siebenthal zurück, einen Patron vom alten Schlag, unter dem im ganzen Betrieb ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie in einer Familie geherrscht hatte. «Ich möchte nicht sagen, dass unsere heutigen Chefs weniger gut sind, im Gegenteil. Herrn Cantieni sieht man oft im Skigebiet, und er hat immer ein offenes Ohr für Mitarbeiter, genau so wie auch unsere technischen Leiter. Es waren einfach andere Zeiten damals.»
«Die Gäste haben höhere Erwartungen als früher»
Doch nicht nur der Betrieb, sondern auch die Gäste haben sich verändert, dies kann Schopfer aus unmittelbarer Erfahrung bezeugen. «Was mir beispielsweise sehr auffällt, ist, dass die Leute morgens viel länger schlafen. Vor 10 Uhr ist eigentlich nie etwas los auf der Piste – das war früher anders. Ausserdem habe ich manchmal das Gefühl, die Gäste haben mehr Erwartungen – es muss immer alles perfekt funktionieren, sonst werden sie sofort ärgerlich.» Wenn beispielsweise der Lift abgestellt werden muss, weil es stark windet, zeigen nicht alle Verständnis. «Es kann einen fast umblasen und sie beharren trotzdem noch darauf, weiter zu fahren. Da sind wir, die an vorderster Front arbeiten, halt manchmal schon das Ventil, an dem sie ihren Ärger ablassen. Aber wir haben schliesslich die Verantwortung.» Obwohl Hansruedi Schopfer schon so lange mit dabei ist, fällt es ihm nicht immer leicht, missmutige Reaktionen gelassen zu nehmen. «Im Grunde weiss ich, dass man solches nicht persönlich nehmen darf, aber das ist manchmal auch leichter gesagt als getan. Der Kontakt zu den Leuten ist schön, ja, aber auf negative Reaktionen könnte ich manchmal gerne verzichten.» Schopfer ist von Natur aus ein umgänglicher, «gmögiger» Mensch, aber gewisse Anforderungen sind nicht in jeder Stimmungs- und Wetterlage einfach zu befolgen: «Dass man freundlich sein soll zu den Gästen, ist klar, aber man kann auch nicht den ganzen Tag lächeln. Ausserdem – manchmal muss man aufpassen, dass man nicht zu sehr lächelt. Wenn Kinder oder Anfänger etwa einmal den Bügel verpassen und lustig hinfallen, darf man ja nicht aussehen, als würde man sie auslachen.»
Doch dann gibt es da noch die Stammgäste, die den ganzen Winter über oder jedes Jahr wieder kommen. Mit ihnen wechselt Schopfer durchaus einmal ein paar Worte beim Bügel-Reichen. «Seit dem neuen System werden bei den Saisonabos sogar die Namen der Gäste angezeigt. So weiss man dann nach Jahren endlich einmal die Namen zu den Gesichtern.»
Überblick über die ganze Strecke bewahren
Meist sind sie zu zweit am Hornfluh-Lift, ein Bügler und ein Patrouilleur, der zwischen seinen Kontrollrunden auch mal am Bügel aushelfen kann. Da auf dem Hornfluh-Gipfel keiner sitzt, der das Abbügeln kontrolliert und notfalls den Lift anhalten kann, überwacht Schopfer von seiner Station aus per Kamera auch das Ende seines Lifts. Auch wenn irgendwo auf der Strecke ein Problem auftaucht, muss er eingreifen. «Wenn Kinder aus dem Lift fallen, rutschen sie oft in die nachfolgenden Fahrer hinein und lösen ein kleineres Chaos aus. Wenn sich das Ganze im obersten Streckenabschnitt abspielt, kann man natürlich nicht gut helfen – bis man dort ist, hat sich das Problem meist schon gelöst. Aber grundsätzlich muss man immer den ganzen Lift im Überblick haben und einschätzen können, wo Hilfe nötig ist.» Doch mit einem Bügler wie Hansruedi Schopfer ist gut vorgesorgt – da wird der Betrieb am Hornfluh-Lift auch die nächsten 20 Jahre lang tadellos laufen.











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