Das Energieholz kommt zu 90 Prozent aus der Region
23.02.2010 Obersimmental, Pays-d'Enhaut, Saanenland«Es gibt keinen Holztourismus, über 90 Prozent des Energieholzes stammt aus der Region», betont Förster Daniel Bütschi und dementiert Gerüchte, wonach das Holz von weither transportiert werde.
Im Saanenland kursieren Gerüchte, wonach das Energieholz für die Fernwärme Saanen-Gstaad von ausserhalb der Region und sogar aus dem Ausland bezogen werde. Daniel Bütschi, Produktionsleiter der Energieholz Saanenland AG (Enhosag), die die Fernwärmeanlagen in Saanen und Schönried mit Schnitzeln beliefert, widerlegt diese Gerüchte mit Fakten: «Wir betreiben keinen Holztourismus. 95 Prozent des Energieholzbedarfs beziehen wir aus der Region.» Aus der Region bedeutet innerhalb des Perimeters Saanenland, Obersimmental und Pays-d’Enhaut. In Zahlen ausgedrückt heisst das: 2009 kamen 52 Prozent des Energieholzes oder 15459 Schnitzelkubik (Sm3) aus dem Saanenland,
20 Prozent (knapp 6000 Sm3) aus dem Obersimmental, 23 Prozent (6800 Sm3) aus dem Pays-d’Enhaut und 5 Prozent (1500 Sm3) von ausserhalb des Perimeters.
«Um Leerfahrten zu vermeiden, bringt beispielsweise die Sorsag auf dem Rücktransport Schnitzel von unserem Lieferanten aus der Region Thun. Und Schnitzel für die Fernwärme Schönried werden nur zum Teil in der Oey zwischengelagert, sondern auch direkt nach Schönried geliefert», erklärt Bütschi.
Wertschöpfung bleibt in der Region
Die Enhosag macht weder Schnitzel noch transportiert sie die Ware selber. «Wir lassen das Holz nicht von hiesigen Transportfirmen abholen oder häckseln selber, sondern wir arbeiten mit Partnern in allen drei Regionen zusammen. Die Wertschöpfung bleibt somit in den Regionen», betont Bütschi.
2009 haben 28 Unternehmungen zusammen knapp 32600 Sm3 Holzschnitzel geliefert. Grösster Lieferant mit über 7000 Sm3 war die Sorsag Gstaad. Die Enhosag übernimmt von der Sorsag das Baurestholz. «Gemäss Vertrag können wir maximal 30 Prozent Altholz in der Anlage Saanen verfeuern», erklärt Bütschi.
Grundversorgung ist gewährleistet
Die Enhosag hatte bisher keine Mühe, Energieholz zu beziehen, wie Bütschi betont. «Im vergangenen Jahr haben wir 30000 m3 eingekauft, nur 16000 m3 davon waren angemeldet. Bis Mitte April sind wieder ca. 6000 Sm3 angemeldet.» Weil die Enhosag nun alles Energieholz übernehme, bzw. kaufe, werde durch die Forstunternehmungen viel mehr Energieholz an die Strasse gerückt und aufbereitet. «Früher blieben zum Beispiel Äste im Wald liegen. Weil die Enhosag nun auch diese nimmt, kann die Produktion von Energieholz massiv gesteigert werden, ohne einen Baum mehr zu fällen», erklärt Bütschi.
«Wir haben im Moment einen Vorrat, der für fünf Monate reicht – für fünf kalte Monate wie der Januar 2010 war», informiert Bütschi. Im Jahresdurchschnitt verbrennt die Fernwärme Saanen-Gstaad pro Tag knapp 39 Sm3 (ein Kubikmeter Festholz ergibt ca. 2,5 Sm3), in kalten Monaten sind es zwischen 84 und 95 Sm3 täglich. Die Fernwärme Schönried verbrennt täglich knapp 22 Sm3.
Vom Preis und von der Baubranche abhängig
Mit dem Ausbau der Fernwärme Saanen-Gstaad steigt jedoch der Energieholzbedarf stetig bis etwa auf das Doppelte bis zum Endausbau 2012. «Die Grundversorgung ist durch verschiedene Lieferverträge gewährleistet», betont Bütschi, «um aber den höheren Bedarf zu decken, braucht es künftig wohl mehr Anstrengungen – mehr Werbung oder einen besseren Preis.» Denn letztlich hänge der Markt weitgehend vom Preis ab, aber nicht nur. Die Energieholzgewinnung sei auch abhängig von der Baubranche. «Einerseits fällt Abbruchholz an, woraus Schnitzel gewonnen werden, andererseits braucht die Baubranche Neuholz, was bedeutet, dass mehr Holz geschlagen wird, was wiederum der Energieholzgewinnung zugute kommt.»
Potenzial für Energieholz wäre in der Region genügend vorhanden, so Bütschi. Die Region Saanenland-Obersimmental verfüge über 12000 Hektaren nutzbare Waldfläche, theoretisch könnte man jährlich 70000 m3 schlagen.
von Anita Moser

