Das Vereinsziel ist erreicht, der Verein wurde aufgelöst

  23.02.2010 Kanton, Saanen

Gegründet wurde der «Verein für eine ökologisch sinnvolle Tunnel-Umfahrung in Saanen» vor 14 Jahren. Gewehrt hat er sich – mit Erfolg – gegen eine offene Nordumfahrung Saanen hinter der Kirche.

Mit der Realisierung der teilüberdeckten Nordumfahrung wurde das Vereinsziel erfüllt. Einstimmig haben die anwesenden Vereinsmitglieder deshalb am Samstag der Vereinsauflösung zugestimmt.
Mit 300 Unterschriften im Rücken haben Gegner der offenen Nordumfahrung Saanen 1997 eine Resolution eingereicht und den «Verein für eine ökologisch sinnvolle Tunnel-Umfahrung in Saanen» gegründet. 14 Jahre später ist das Vereinsziel mit der Realisierung der teilüberdeckten Nordumfahrung gemäss den Statuten erreicht. Bei der Vereinsauflösung am Samstag war denn auch das Interesse entsprechend kleiner, knapp ein Dutzend Vereinsmitglieder hat an der letzten Generalversammlung teilgenommen und einstimmig der Vereinsauflösung zugestimmt. Ein Baum und eine Erinnerungstafel beim Friedhof Saanen sollen künftig an die Geschichte der Saaner Umfahrung erinnern.
In seinem letzten Jahresbericht ging Präsident Markus S. Bach noch einmal ein auf die Geschichte zur Umfahrung Saanen und sparte dabei nicht mit Kritik an Behörden und Entscheiden. 1999 hätten der Kanton Bern und der damalige Kantonsoberingenieur zusammen mit dem Bundesamt für Strassen den Saanern an einer Orientierungsversammlung einen Basistunnel von der Spitalkreuzung bis zur Stockermatte für 30 Millionen Franken versprochen. Gemäss damaligem Kostenverteiler hätte sich die Gemeinde Saanen mit 300 000 Franken beteiligen müssen. Der Baubeginn sei auf 2002 festgelegt worden – überglücklich und richtig zufrieden seien die Saaner damals gewesen, so Bach. 2000 habe der damalige Gemeinderat beschlossen, die Realisierung der Umfahrung Saanen um vier Jahre hinauszuschieben und prioritär die Bergbahnen zu unterstützen. «Dies sollte sich seit vielen Jahren als der grösste Fehler der damaligen Saaner Behörde erweisen», schreibt Bach im Jahresbericht. Die sehr kalte Dusche kam drei Jahre später aus Bern. «Das Bundesamt für Strassen und der Kanton Bern wollten den Basistunnel aus finanziellen Gründen nicht mehr unterstützen und auch keine Subventionen mehr bezahlen. Die Umfahrung sollte wieder in offener Linienführung ohne Tunnel nördlich der Kirche gebaut werden. Die Saaner standen erneut vor einem Scherbenhaufen.» Nach einer erneuten starken Opposition durch den Verein und eine weitere Unterschriftensammlung schwenkte man dann ein auf eine teilüberdeckte Variante. «Diese sollte 2003 7 Millionen Franken kosten, ein Jahre später 11 Millionen, ein weiteres Jahr später 18 Millionen und wie man weiss, kostet sie nach der Fertigstellung voraussichtlich 33 Millionen Franken», so Bach.

Bevölkerung ist unzufrieden
Trotz des Erfolges mit der teilüberdeckten Variante seien viele Bewohner des Dorfes und auch die Vereinsmitglieder enttäuscht, ja sogar aufgebracht, betonte Bach. Aufgebracht darüber, dass «momentan nichts mehr läuft mit der Realisierung des Parkhauses und des Dorfzentrums». Die Saaner Bevölkerung fühle sich gegenüber den Gstaadern benachteiligt, so Bach. «In Gstaad waren zwei Parkhäuser und die Promenade bereits fertig, als die Umfahrung eröffnet wurde. Dafür haben die damaligen Gemeinderäte mit grossem Einsatz gekämpft. Die Nordumfahrung Saanen wird Ende August eröffnet und Saanen hat noch kein Parkhaus.» Die Geschäftsinhaber befürchten, dass nach der Schliessung der Dorfdurchfahrt viele Kunden die Saaner Dorfgeschäfte wegen fehlender Parkplätze im Zentrum nicht mehr berücksichtigen werden. Die sofortige Realisierung eines Parkhauses auf der von Grünigenmatte mit Ausgang auf den Molkereiplatz müsse deshalb oberste Priorität haben. «Im Dorf werden momentan Unterschriften gesammelt für eine Beschwerde an die Gemeindebehörde», informierte Markus S. Bach und rief dazu auf, vermehrt und vehement für das Dorf Saanen zu kämpfen.
Nach der einstimmig beschlossenen Auflösung des Vereins waren sich die Anwesenden auch über die Verwendung des restlichen Vereinsvermögens von 6140 Franken einig: 2000 Franken werden zurückgestellt für den Baum und die Erinnerungstafel, mit 1500 Franken werden Vereinssekretärin und -kassierin Käthi Matti und Präsident Markus S. Bach für ihren grossen und ehrenamtlichen Einsatz entschädigt und der Rest (nach Abzug von Spesen und Kosten für den Apéro nach der GV) kommt je zur Hälfte der Brass Band «Harmonie» Saanen und der Musikgesellschaft Gstaad zugute.

Ein Dorffest zur Eröffnung
«Ein Mensch mit Courage ist so gut wie eine Mehrheit.» «Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.» Mit diesen beiden Zitaten und dem Hinweis auf die offizielle Einweihungsfeier der Umfahrungsstrasse Saanen – «es gibt ein Riesendorffest mit allem Drum und Dran» – am Freitag, 20. August schloss der Vorsitzende die letzte Generalversammlung.

Parkhaus wird zusammen mit ÜO im Frühling zur Mitwirkung aufgelegt
«Es wird im Dorf Saanen kein öffentlicher Parkplatz aufgegeben, so lange es keinen Ersatz gibt», sagt Gemeindepräsident Aldo Kropf auf Anfrage des «Anzeigers von Saanen». Im Herbst (etwas nach der Eröffnung des Tunnels und damit der Umfahrung) werde der Poller im Bereich Sportgeschäft Schneeberger gesetzt, ergänzt Bauverwalter Claudio Schmidt. «Die Zufahrt ins Dorf wird dann nach wie vor von beiden Seiten möglich sein und die Dorfparkplätze werden nicht entfernt.» Da im Sommer der Spitalkreisel umgebaut und das Teilstück zwischen Spitalkreisel und Gemeindeverwaltung saniert wird (u. a. Kanalisation), diene der Tunnel in einem ersten Schritt für einen besseren Verkehrsfluss während dieser Bauarbeiten. Mit der Setzung des Pollers werde der Durchgangsverkehr durch das Dorf Saanen dann nicht mehr möglich sein.
«Aufgrund von Grundwasserproblemen war man gezwungen, die Angelegenheit nochmals eingehend zu untersuchen», informiert Aldo Kropf zum Parkhaus Saanendorf. Im Moment sei man daran, eine definitive Variante auszuarbeiten. «Das Parkhaus Saanendorf wird zusammen mit der Überbauungsordnung Flüeli im März zur Mitwirkung aufgelegt. Lage und Grösse sind definiert, die Feinabstimmung mit den privaten Grundeigentümern steht noch aus, ist jedoch für März geplant. Gleichzeitig werden die planerischen Schnittstellen geklärt und ein Vor- und Bauprojekt des Parkhauses ausgearbeitet», bestätigt Bauverwalter Claudio Schmidt. Das Vorprüfungsdossier der Überbauungsordnung Sanona werde aufzeigen, welche Massnahmen in der Übergangszeit bis zur Erstellung des Parkhauses getroffen werden sollen. Diesbezüglich verweist Schmidt auf die Aktivitäten der Dorfmarketinggruppe Sanona unter Leitung von Gemeinderat Arthur Reuteler. «Diese Gruppe wird bemüht sein, alle Interessen der lokalen Bevölkerung und der Geschäfte zu berücksichtigen und mit Aktivitäten die schwierige Übergangszeit zu bewältigen, aber auch die Chancen der neuen Situation des Dorfes Saanen herauszustreichen und schlussendlich zu nutzen.»

von Anita Moser

Foto: Die Versammlung beschloss einstimmig die Auflösung des Vereins (von links): Käthi Matti, Ueli Matti, Markus S. Bach, Will Brand, Fredy Wälti und Marcel Reichenbach. (Foto: Anita Moser)


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote