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Ein «Ja, aber» zum Spitalstandort Saanenmöser

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Christoph Remund hat als Präsident der Dorforganisation Saanenmöser demissioniert, zu seiner Nachfolgern wurde Brigitte Hoefliger-von Siebenthal gewählt (Foto: Anita Moser)

Von einem Spitalneubau in Saanenmöser ist man in Saanenmöser zwar nicht begeistert, dennoch wehrt man sich nicht grundsätzlich dagegen – sofern das Spital am richtigen Standort gebaut wird. Und der sei im Umbehri und nicht auf der Bergmatte, so der Standpunkt der Mehrheit der Bevölkerung und des Vorstandes der Dorforganisation.


Düpiert fühlen sich die Saanenmöser Bevölkerung und die Chaletgäste vor allem deshalb, weil man sie nie um ihre Meinung gefragt hat bezüglich Spitalstandort Saanenmöser. Bei einem Entscheid von solcher Tragweite dürfe man in der betroffenen Bäuert davon ausgehen, dass der Gemeinderat auf die lokale Bevölkerung zugehe, so die Kritik an die Adresse der Saaner Gemeindebehörde. Um den Puls in der Bäuert zu fühlen, hat die Dorforganisation deshalb eine Umfrage gestartet. Mehrheitlich verstehe man nicht, weshalb in Saanenmöser ein neues Spital gebaut werden soll, wo doch in Saanen und Zweisimmen die Infrastruktur vorhanden sei, fasste Brigitte Hoefliger, frisch gewählte Präsidentin der Dorforganisation, die Auswertung der Umfrage zusammen. Unter dem Aspekt der Alternative «kein Spital» hätte sich jedoch die Mehrheit für ein Spital in Saanenmöser ausgesprochen, aber gegen einen Standort mitten im Dorf und damit auch gegen die Bergmatte. Dieser sei der «ungünstigste Standort aller denkbaren Standorte». Das Dorfbild würde massiv beeinträchtigt, die unvermeidlichen Lärm-Emissionen befänden sich an exponiertester Lage und auch die Erschliessungskosten wären sehr hoch. Ein Fragezeichen machen die Saanenmösner auch hinter dem zweiten von der Begleitgruppe favorisierten Standort, jenem bei der Talstation Saanerslochbahn. Der ohnehin beschränkt verfügbare Platz wäre ohne verkehrstechnische Neuerschliessung nicht tragbar. «Warum will man zwei Pferde an den Start schicken, die nachweislich lahmen und das Ziel mit ziemlicher Sicherheit nicht erreichen?», fragte ein Anwesender. Er könne nicht sagen, dass der Standort schlecht sei, vom Ortsbild her sollte es kein Problem sein, sagte Landeigentümer Peter Lanz. Man habe den Platzbedarf abgeklärt und als ausreichend empfunden. «Wenn das Spital hier kommen soll, sind wir offen», so Lanz. Die Begleitgruppe habe alle Standorte angeschaut und anhand der vorgegebenen Kriterien geprüft, erklärte Andreas Grünig, Geschäftsführer der Bergregion Obersimmental-Saanen. «Wir haben versucht, nach bestem Wissen und Gewissen alles aufzunehmen.» Eine Delegation mit Heinz Brand und Jean-Pierre Beuret habe mit den Grundeigentümern die Gespräche geführt. «Die Information war, dass die Landeigentümer der beiden Parzellen die Absichtserklärung unterzeichnet haben und dass alle Grundeigentümer der Zufahrtsparzelle damals ihr Einverständnis gegeben und sich kooperativ gezeigt haben», sagte Grünig zur Kontroverse um die Einverständniserklärungen der betroffenen Landeigentümer. «Es ist schade, dass es sich so entwickelt hat – ich bedaure das sehr», so Grünig. Die Begleitgruppe habe sich sehr wohl Gedanken gemacht zum Standort «Umbehri». Nicht möglich sei der Standort wegen einem Gemeinderats-Entscheid, wonach ein Standort nicht an eine Brücke gebunden werden dürfe, so Grünig weiter. «Wir haben ein Luxusproblem», sagte Grünig als Privatperson, als Saanenmösner. «Die STS AG muss hier kein Spital bauen, sie will ein Spital bauen.»
«Ein Spital ist – auch wenn es nur 50 Betten hat – ein mittelgrosser Betrieb und gehört in eine Gewerbezone», betonte ein weiterer Votant und ergänzte: «Ein Spital wird das Dorf verändern, nicht gerade jetzt, aber in 20, 30 Jahren. Das muss man wollen.» In Saanenmöser ist man überzeugt, dass  nur der Standort «Umbehri» in Frage kommt, was auch schon am Informationsanlass am 29. Januar kommuniziert wurde (siehe AvS vom 2. Februar).

Ein Berg für ein Spital
Der Vorstand der Dorforganisation hat sich mit einem Brief an den Gemeinderat gewandt, mit dem er unter anderem den Antrag stellt, dass der Gemeinderat den Standort «Umbehri» wieder aufnimmt und den Gemeindeversammlungsbeschluss aus dem Jahr 2000, wonach die Gemeinde keinen Berg verkaufen darf, nochmals überdenkt, respektive dem Volk nochmals vorlegt. «Es geht hier um übergeordnete Wichtigkeit», betonte Hoefliger. «Man gibt einen Berg und erhält dafür ein Spital für die Region.» Mit dem Standort «Umbehri», respektive mit der für die Zufahrt notwendigen Brücke, könnten auch die verkehrstechnischen Probleme gelöst werden, die im Zusammenhang mit dem Ausbau der Kapazitäten in naher Zukunft auf die Bergbahnen zukämen, argumentiert der Vorstand weiter. Deshalb sollen in die Gespräche neben den Gemeindebehörden und dem Landbesitzer auch die Bergbahnen einbezogen werden.
Er möge die Anliegen aus Saanenmöser weitertragen und im Gemeinderat mit Vehemenz vertreten, bekam Gemeinderat Hans Schär den Auftrag von der Versammlung. Betreffend Standort sei noch nichts entschieden und aus seiner Sicht sei es noch nicht zu spät, den Standort «Umbehri» als dritte Variante wieder aufzunehmen, sagte Hans Schär. Bezüglich der Abtretung eines Berges an einen Einzelnen vertrat er die Ansicht, dass man das Volk so rasch wie möglich entscheiden lassen sollte. Gemeinderat Aldo Kropf bestätigte auf telefonische Anfrage, dass Gespräche stattfänden und dass man alle möglichen Varianten, inkl. «Umbehri», diskutieren werde. «Wir werden eine breite Auslegeordnung machen», so Kropf.

Hoefliger folgt auf Remund
Weniger zu reden gaben die ordentlichen Traktanden. Unbestritten war die Wahl von Brigitte Hoefliger-von Siebenthal als neue Präsidentin. Sie löst Christoph Remund ab, der sechs Jahre im Vorstand – wovon drei Jahre als Präsident – gewirkt hat. Für eine weitere Amtsdauer von drei Jahren wiedergewählt wurden die Vorstandsmitglieder Susanne Schwenter-Wolff und Jürg Tschanz.
Einstimmig verabschiedeten die 66 Anwesenden die von Brigitte Hoefliger erläuterte Rechnung, die mit einem Gewinn von Fr. 1852.20 abschliesst. Einstimmig genehmigt wurde auch das Budget 2010, das mit einem kleinen Gewinn von rund 180 Franken rechnet.

Silvester-Feuerwerk wird weiterhin gezündet
Zu Diskussionen führte die Frage, ob das Silvesterfeuerwerk weitergeführt oder abgeschafft werden soll. Der Vorstand sprach sich für eine Weiterführung aus – nicht nur will man der Bevölkerung und den Gästen etwas bieten, sondern man hofft auch, dadurch die private «Knallerei» zu reduzieren. Oder anders gesagt, man befürchtet, dass bei einem Verzicht auf ein grosses Feuerwerk vermehrt kleinere Feuerwerke von Einzelpersonen gezündet werden. Für einen Verzicht votiert wurde vor allem aus Rücksicht auf das Wild oder aus Gründen des Umweltschutzes. Umwelttechnisch seien Feuerwerke eine Katastrophe und die Feinstaubbelastung sei nie so hoch wie an Silvester, meinte ein Anwesender. Auch die Lautstärke war Thema. Letztlich einigte man sich auf einen «Vermittlungsvorschlag» nach dem Motto «Tut Gutes und sprecht darüber»: Man soll für das dorfeigene Feuerwerk werben und gleichzeitig die Bevölkerung bitten, auf die private Knallerei zu verzichten. Mit grossem Mehr und einigen Enthaltungen stimmten die Anwesenden in der Folge für die Weiterführung des Silvesterfeuerwerks (mit viel weniger Lärm).
Ein Bancomat in Saanenmöser rechtfertige sich für die Saanen Bank aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht, antwortete Jürg von Allmen, Direktor der Saanen Bank, auf eine entsprechende Frage. Kreditkarten würden praktisch überall akzeptiert, begründete er. Jenen Betrieben, die noch keine Kreditkartengeräte besitzen, riet er, eine Anschaffung zu überdenken. Ihm kämen bald die Tränen, meinte darauf ein Hotelier und mahnte, nicht nur geldorientiert zu denken, sondern in erster Linie auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

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