Elisabeth Leonskaja – Magie im Kirchenraum
| Donnerstag, 4. Februar 2010
Die Weltklasse-Pianistin verzauberte in der Kirche Rougemont das zahlreiche Publikum mit ihrem Spiel – mit Franz Schuberts Sonaten D 845 und der «Wanderer»-Fantasie (Foto: Miguel Bueno)
Auch in diesem Jahr begeisterte die Grand Dame unter den Pianistinnen unserer Zeit, Elisabeth Leonskaja, das Publikum mit ihrem Konzert in der Kirche von Rougemont. Ihr Konzert, das sie nun schon zum wiederholten Mal während der Sommets Musicaux de Gstaad in der Kirche Rougemont gibt, jeweils als verstecktes Highlight zu bezeichnen, wird Elisabeth Leonskaja wahrscheinlich gefallen. Denn die für ihre Bescheidenheit bekannte Weltklasse-Pianistin braucht ganz offensichtlich kein Rampenlicht, um brillant zu sein.
Obwohl sich die Tatsache, dass die grosse Leonskaja einmal im Jahr in Rougemont in ganz intimer Atmosphäre spielt und aus nächster Nähe zu bewundern ist, herumgesprochen hat und die wenigen Plätze in der Kirche immer gleich ausverkauft sind, wenn das Konzert ansteht, versucht sie sich schon beim Betreten des Raums gezielt in den Hintergrund zu stellen. Sie erscheint, dezent gekleidet, schnell auf der Bühne und beginnt sofort zu spielen, als wolle sie Beifallsstürme erst gar nicht aufkommen lassen. Es geht um die Musik, nicht um mich, signalisiert sie, doch es hilft nichts. Wenn sich die zierlichen Finger der faszinierenden Frau auf die Tasten des Flügels legen und ein liebeswürdiges und zugleich geheimnisvoll entrücktes Lächeln ihr Gesicht überzieht, entsteht Magie im Kirchenraum. Und mit dem ersten Tastenschlag scheint sie eins mit dem Werk zu werden, das sie spielt – und das Publikum mit ihr.
























Das Konzert vom 4. Febr. 10 war für mich eine Sternstunde: Die kraftvoll durchsichtige, sensible und intelligente Interpretation der Musik Schuberts in diesem wunderschönen, warmen Raum ist für mich unvergesslich. Frau Leonskaja erfüllte mit ihrer Musik die Kirche dermassen wunderbar, dass jegliches Husten oder Räuspern unterblieb.
Das Bild der schön beleuchteten verschneiten Kirche mit der herrlichen Musik begleitete mich auf der Heimreise ins Unterland. Herzlichen Dank!
Kommentiert von: Marianne Pfister | 06. Februar 10 um 14:03 Uhr