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Skiclub Saanen fieberte mit – «Wier si stolz ufs Fränzi!»

Fans_1672 Der Traum von Olympia ging für Fränzi Steffen zwar in Erfüllung, im Achtelfinal war dann aber Endstation – zu schwierig waren die Umstände für die Saanerin nach der kurzfristigen Nachnominierung.


Für einen Spitzenplatz hat es zwar nicht gereicht – dennoch sind Skiclubkameraden und Familie stolz auf Olympia-Teilnehmerin Fränzi Steffen. «Sie hat das Beste aus der Situation gemacht. Die Voraussetzungen mit der kurzfristigen Nachnominierung waren alles andere als einfach», so das einhellige Fazit.
Der Anruf für das Olympiaaufgebot – ihre Teamkollegin Emilie Serain hatte sich im Training verletzt – erreichte Fränzi Steffen erst am Samstagmorgen um 6 Uhr. Wenige Stunden später sass sie im Flugzeug nach Vancouver. Nur gerade eine Trainingsfahrt hat sie auf der technisch anspruchsvollen Piste absolvieren können, bevor es am Dienstagabend mit dem Qualifikationslauf losging. Fans wie Athletin blieben ob diesen schwierigen Voraussetzungen realistisch-optimistisch. Ein gutes Dutzend Skiclubmitglieder sowie die Eltern von Fränzi Steffen und Bruder Res hatten sich im Skiclubhüttli eingefunden, um Fränzi Steffen gemeinsam die Daumen zu drücken. Weil nur der «finale Finallauf» direkt übertragen wurde, musste man sich mit Computern behelfen und die Läufe im Internet verfolgen. In der Quali werde sie nicht so schnell sein, danach sei alles möglich, meinte Bruder Andreas. Mucksmäus-chenstill wurde es im Clubhaus, als Fränzi Steffen mit Nummer 22 startete, gross die Erleichterung, als klar war, dass sie sich für die besten 32 qualifiziert hatte.

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Im Achtelfinal geschlagen: Fränzi Steffen (rechts aussen)
Foto oben: Gebannt verfolgen Angehörige und Skiclubmitglieder die Fahrt von Fränzi Steffen.
(Fotos: Anita Moser)

Kein optimaler Start

Vor den Finalläufen stieg die Spannung im Skiclubhüttli – nicht nur wegen Fränzi Steffen. Parallel zur Entscheidung im Skicross fand auch jene im Riesenslalom der Herren statt – eine echte Herausforderung für die Wintersportfans. Den Fokus auf den Laptop gerichtet, verfolgten sie mit einem Auge am Fernsehen auch Cuche und Co.
Fränzi Steffen gelang kein optimaler Start, schon früh geriet sie in Rückstand, riskierte viel, um diesen wettzumachen, und wäre beinahe noch gestürzt. Die Enttäuschung bei den Fans und den Angehörigen hielt sich nach dem frühen Ausscheiden in Grenzen – die Umstände, der Trainingsrückstand, der Jetlag hätten eine bessere Platzierung verhindert, so die einhellige Meinung.

«Super, het si chönne ga»
Ein olympisches Diplom oder gar eine Medaille «wäri schön gsi», meinte Mutter Regina, blieb aber realistisch: «Die Welt geht nicht unter – es isch eifach so im Läbe.» Es sei schon eine Riesenüberraschung gewesen, dass Fränzi überhaupt habe teilnehmen können, sagte Vater Oswald. Und es habe auch gar nicht viel gefehlt. «Hätte sie den Fehler am Start nicht gemacht …» Aber die Hauptsache sei, dass ihre Tochter gesund und zwäg nach Hause komme. «Sie hets probiert», kommentierte der Fachmann am Tisch, Andreas Steffen, das Abschneiden seiner Schwester. «Sie hat den Start nicht richtig erwischt, und das wäre wichtig gewesen auf dieser Piste.» Der Skiclub sei stolz, dass ein Mitglied an den Olympischen Spielen dabei war, freute sich Skiclub-Präsident Beat Mösching. «Im Sport sind Erfolg und Niederlage so nahe beieinander.» Mit Applaus von allen Anwesenden quittiert wurde die Aussage eines anderen Skiclubmitgliedes: «Wier si stolz ufs Fränzi!»

Doch noch Jubel im Skiclubhüttli
Nach dem Ausscheiden von Fränzi galt die ganze Aufmerksamkeit ihrer Teamkollegin Fanny Smith, die es unter die letzten acht geschafft hatte. Nachdem sie sich mit dem siebten Schlussrang begnügen musste, lag die ganze Hoffnung auf Carlo Janka. Dieser enttäuschte nicht und gewann die sechste Goldmedaille für die Schweizer Delegation. Und so stiess man auch im Skiclubhüttli einerseits auf die Olympia-Teilnahme von Fränzi Steffen an und andererseits auf den «Iceman» aus Obersaxen.

Zu starke Konkurrenz
Auch Fränzi Steffen schätzte ihre Chancen und ihr Abschneiden realistisch ein: «Es waren ja alles Weltklasseathletinnen am Start, mit optimalen Vorbereitungen und Trainingsvorsprung – und ich mit Jetlag.» Sie habe unter diesen Voraussetzungen ihr Möglichstes gegeben, aber «auf diesem anspruchsvollen Kurs lag schlicht nicht mehr drin – zumal ich mir im Training eine deftige Schienbeinprellung mit blauen Flecken eingefangen habe», wie sie gegenüber dem «Anzeiger von Saanen» sagte. Bereits im Training habe sie gemerkt, dass es wohl nicht reichen werde. Sie sei froh gewesen, die Quali zu schaffen, und habe dann neue Hoffnung geschöpft. «Bei den Finalläufen fängt alles bei null an.» Sie habe dann aber einen schlechten Start erwischt. «Ich bin kaum die zweite Welle hochgekommen.» Sie hat zwar wieder etwas aufholen können, in der Steilwandkurve jedoch Schwein gehabt, «dass es mi nid tischet het. Danach war aller Speed weg und die anderen weit voraus.» Den Sieg gesichert hat sich mit der Kanadierin Ashleigh McIvor die Lokalmatadorin und eine der Favoritinnen.

Kein Olympia-Feeling
Fränzi Steffen hat sich jahrelang auf den «Traum von Olympia» vorbereitet. Nun wurde ihr Traum wahr. «Es ist extrem blöd», meinte sie am Mittwochabend auf die Frage, wie es denn nun war, das Olympia-Feeling, «aber im Moment habe ich es nicht. Ich war ja nur kurz da und schon wieder am Packen.» Seit ihrer Ankunft am Samstagabend habe sie sich auf den Wettkampf fokussiert und mit dem Kurs beschäftigt. Die Zuschauerkulisse – normalerweise finden die Skicrossrennen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, in Vancouver waren über 4000 Zuschauer vor Ort – habe sie gar nicht wahrgenommen. «Ich hatte eine Art Tunnelblick und habe gar nicht realisiert, dass die Tribüne voll besetzt war.» Fränzi Steffen kommt heute Freitag in die Schweiz zurück.
Das Saanenland hat noch ein Eisen im Feuer. Am Samstagabend gilt es ernst für den Schönrieder Roland Haldi. Auch ihm drücken wir die Daumen.   


von Anita Moser


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