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Skilehrer zwischen zwei Welten

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Max Cook – Skifahrer aus Leidenschaft (Foto: Christine Eisenbeis)


Zwischen seinen beiden Arbeitsorten liegen rund 150 00 Kilometer. Max Cook arbeitet im Winter als Skilehrer in Gstaad bei Gstaad Snow Sports und im Sommer als Skilehrer in Australien. So kann er fast das ganze Jahr über seiner grössten Leidenschaft nachgehen.


Der kleine Junge stand laut weinend vor seinem Skilehrer. Er machte nicht den Eindruck, als stünde er freiwillig so wackelig auf den Skiern. Und er war durch nichts dazu zu bewegen, mit Weinen aufzuhören. «Das war schrecklich. Er hat eine ganze Stunde lang nur geweint», sagt Max Cook.  Das war vermutlich die schlimmste Stunde, die er als Skilehrer in Gstaad erlebt hat. Max Cook, 20, hat wirklich überhaupt nichts auszusetzen an seinem Beruf. Schwierige und spezielle Gäste habe wohl jeder Skilehrer, meint er achselzuckend. Das gehöre dazu. «Ich sage immer, ein schlechter Tag auf Skiern ist immer noch ein ziemlich guter Tag», sagt er schmunzelnd. Max Cook weiss es eben zu schätzen, dass er für sein grösstes Hobby bezahlt wird: Er kann anderen sein Wissen auf den Skiern weitergeben, verbringt den ganzen Tag auf der Skipiste und das sogar fast das ganze Jahr über. Denn wenn der Brite nicht in Gstaad ist, dann arbeitet er in einer Skischule in Mount Selwyn, Australien. So hat er das ganze Jahr über Winter. Und das findet er nicht mal schlimm. «Wenn ich einen freien Tag in Australien habe, bin ich schnell in Sydney und geniesse dort die Sonne.» Einen besseren Arbeitsplatz als Gstaads und Mount Selwyns Skipisten kann er sich nicht vorstellen.

Verrückt nach Skifahren
Und da in seiner Heimat Skigebiete Mangelware sind, pendelt er eben durch die Welt. Verbringt den ganzen Winter in Gstaad, fliegt dann wieder nach England, um ein paar Wochen bei seiner Familie und seinen Freunden zu sein, und setzt sich dann in den Flieger nach Australien. Dort verbringt er die Zeit von Mai bis Ende Oktober. Wenn er dann wieder zu Hause in Bath, Südengland, ist, vermisst er die Berge ziemlich bald wieder. Max Cook ist süchtig nach Skifahren. Nach dem College begann er zuerst ein Sportstudium, dann brachte ihn ein Freund auf die Idee, als Skilehrer zu arbeiten. Er begann an der Ski Academy Switzerland in Château-d’Oex zu lernen. Nun kommt er seit drei Jahren nach Gstaad und ist begeistert. Selbst seine Mutter sei mittlerweile ein grosser Gstaad-Fan geworden. «Sie war nie eine Skifahrerin, im letzten Winter war sie hier, stand das erste Mal auf den Skiern und hat sich völlig in die Region verliebt.» Im Februar kommt Max Cooks Familie zum zweiten Mal nach Gstaad. Einerseits sei es schon verrückt, ein solches Leben zu führen, gibt er zu. «Ich sehe meine Freunde in Australien ein halbes Jahr nicht, dafür aber meine Freunde in Gstaad und dann ist es wieder umgekehrt, ich bin ein halbes Jahr in Australien und sehe die Leute aus Gstaad nicht», er lacht. «Im Moment», sagt Cook, «kann ich mir vorstellen, mein ganzes Leben lang so zu arbeiten.» Doch noch ist er schliesslich auch jung und unabhängig. Dass in Grossbritannien das Klischee vorherrscht, als Skilehrer mache er den ganzen Tag «Après-Ski» und lerne ständig Frauen kennen, nimmt er mit Gelassenheit. Max Cook sieht sich auch als Entertainer. «Wenn die Kinder mal keine Lust auf Skifahren haben oder das Wetter schlecht ist, dann denken wir uns eben etwas anderes für sie aus», sagt er. Wenn er selbst frei hat, steht er am liebsten auf den Skiern. «Ich trainiere, will besser werden und irgendwann würde ich gerne selbst Skilehrer ausbilden», sagt er. Besonders grosse Freude bereitet ihm der Skiunterricht mit den Kindern einer Privatschule aus der Region. «Die sind motiviert, haben Spass und jedes Mal haben sie ein Lächeln im Gesicht, wenn wir sie zurück zur Schule bringen. Das macht dann besonders viel Freude.»

«Australier fahren bei jedem Wetter»
Während er allerdings hier meistens einen Gast den ganzen Tag über betreut, fährt er in Australien mit drei oder vier verschiedenen Kunden am Tag. «Dort habe ich einen strengen Zeitplan und am Wochenende trainiere ich die Schüler eines Sportcolleges.» Der grösste Unterschied sei allerdings neben den Bergen – in Mount Selwyn beginnt das Skigebiet auf 1200 Metern und hat seinen Gipfel bereits auf 1600 Metern – die Tatsache, dass im Saanenland vor allem bei schönem Wetter Ski gefahren wird. «Wenn es ein bisschen bewölkt ist, geht man hier eigentlich nicht Ski fahren. In Australien gehen die Kunden bei jedem Wetter», sagt er lachend.
Irgendwann wolle er mal einen Sommer in Gstaad verbringen. Denn wie die Berge aussehen, wenn sie grün sind, das könne er sich gar nicht richtig vorstellen. «Und meine Skilehrer-Kollegen arbeiten dann als Landwirte. Das möchte ich wirklich gerne mal sehen», sagt er begeistert.


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