Wetterpech und Fliegerfreuden am Ballonfestival
01.02.2010 Event, Pays-d'Enhaut, Gesellschaft
Pilot Franz Killer während der Fahrt. (Foto: Christine Eisenbeis)
Am Sonntag ging das 32. Internationale Ballonfestival in Château-d’Oex zu Ende. Zum Abschluss konnten wenigstens am Morgen noch einmal Ballonfahrten gestartet werden. Eine Saanerin war auch bei der Fahrt durch die Lüfte dabei.
Normalerweise sei der Januar eigentlich ein ziemlich zuverlässiger Monat was das Ballonfliegen betrifft, meinte Olivier Bovet, Tourismusdirektor von Château-d’Oex. In diesem Jahr hat die 32. Ausgabe des Internationalen Ballonfestivals einen grandiosen Start erlebt und dann ein bisschen Pech gehabt. «Wunderschönes Winterwetter zu Beginn des Festivals haben uns alleine am Startwochenende 16000 Besucher beschert. Der Samstag war, was die Besucherzahlen betrifft, der beste Tag seit zehn Jahren», so Bovet. Doch dann konnte einzig mittwochs und am abschliessenden Sonntagvormittag geflogen werden. Schlussendlich kamen insgesamt 22000 Festival-Besucher nach Château-d’Oex. «Dreieinhalb Tage fliegen ist nicht besonders viel», meinte Bovet achselzuckend, doch unzufrieden sei er auch nicht. Es habe schliesslich schon mal ein Festival gegeben, da seien bloss während zweieinhalb Stunden Ballonfahrten möglich gewesen, schmunzelte er. Zu den Highlights der Veranstaltung zählten die Vorführung eines Super Pumas der Armee, die Flugshows der Delta-, Gleitschirmflieger und Fallschirmspringer sowie die Vorführung eines Berufspiloten mit seiner Extra 330 SC. Für viele Besucher war jedoch das grösste Highlight der Fahrt mit einem Heissluftballon. So auch für Ursula Rolli aus Saanen, die zu ihrem ersten Fesselballonflug eingeladen wurde. Der Samariterverein Saanenland hatte zwei Fahrten vom Veranstalter bekommen und Ursula Rolli durfte eine davon wahrnehmen. «Wirklich super, ein ganz tolles Erlebnis», sagte sie. «Ich habe das nie geplant, und nun war es eine einmalige Erfahrung für mich», freute sie sich nach der Fahrt. 40 Minuten dauerte ihre Tour durch die Lüfte mit Ballonfahrer Franz Killer. «Das war eine besondere Fahrt heute», meinte der Aargauer nicht ohne Stolz. Er habe nach dem Start 20 Minuten Richtung Westen talabwärts fliegen können und konnte dann talaufwärts fliegen. «Nach 40 Minuten bin ich genau auf dem Startplatz wieder gelandet. Das klappt nur in den seltensten Fällen», sagte er. Zum zweiten Mal ist Franz Killer beim Festival in Château-d’Oex dabei. Insgesamt kann er in seinem Ballonfahrerleben auf eine beachtliche Bilanz zurückblicken: 1300 Stunden hat er im Korb verbracht und dabei 2800 Passagiere transportiert – «unfallfrei», wie er betont. In seinen 680 Fahrten sei er schon in ganz Europa unterwegs gewesen. Zu seinen persönlichen Highlights zähle mit Sicherheit eine Fahrt in der Sahara. Das besondere an Château-d’Oex sei, dass die Winde hier kehren. «Morgens geht es talabwärts und nachmittags talaufwärts. Das ist perfekt.» Zum Ballonfahren gekommen sei er eher zufällig. Ein Freund von ihm habe vor über 20 Jahren zwei Ballone gekauft. «Er brauchte also einen zweiten Pilot und hat mich einfach gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Ballon zu fahren.» Bevor er sich mit dem Rest seiner Crew wieder zurück auf die Heimreise nach Turgi im Aargau machte, hatte er noch etwas dringendes zu erledigen: «Ich muss Ursula nun in den aeronautischen Adelsstand heben», erklärte er, bestellte ein Glas Champagner und «taufte» Ursula Rolli auf ihre erste Ballonfahrt.

