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Alterszentrum Saanen AG stellte Gewinnerprojekt vor

Young@heart_Visualisierung Dachgestaltung Der Projektwettbewerb für den Neubau des Alterszentrums ist abgeschlossen. Am  Freitag präsentierte Bethli Küng den Gewinner des Architekturbüros Heinz Fahrni, Steffisburg.


Küng ist sich immer noch sicher: 2013 sollen die ersten Betagten in das neue Alterszentrum einziehen. 2003 wurde die Alterszentrum Saanen AG gegründet, zehn Jahr später sollen die ersten Betagten endlich in ein neues Alterszentrum einziehen können. Dieses Ziel hat sich Verwaltungsratspräsidentin Bethli Küng gesetzt und dafür kämpft sie. Am vergangenen Freitagnachmittag präsentierte sie im Schulhaus Rütti sichtlich erleichtert das Ergebnis des Projektwettbewerbs. «Ich bin überzeugt, der Ausruf ‹Freude herrscht› passt hervorragend zu dem heutigen Tag», sagte Küng. Man habe sich hohe und anspruchsvolle Ziele gesetzt. So verzögerte sich die Bekanntgabe des Siegers aus dem Architekturwettbewerbs seit Juli 2009. Es bestand die Gefahr, das Projekt könne die baupolizeiliche Genehmigung nicht erreichen. Für die Teilnehmer des Wettbewerbs galt es, eine einladende und warme Ausstrahlung mit einem optimalen Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter zu schaffen und dabei Bauart und Baumaterial zu wählen, die ins Saanenland passen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe.


Projektausstellung bis 7. März
Aus 90 Eingaben wurden 22 Architekturbüros ausgewählt, welche ihre Projektvorschläge einreichten. Nach der Beurteilung der eingegangenen Wettbewerbsprojekte stand allerdings fest, dass noch keines der Projekte die Erwartungen voll erfüllte. So hatte das Preisgericht die Durchführung einer «unvorhergesehenen Überarbeitung» der Projekte «Leporello», «young@heart» und «Gesseney» beschlossen. Nach Überarbeitung der drei Projekte gelangte das Preisgericht zur Überzeugung, mit dem zweitrangierten «young@heart» eine gute, nachhaltige Projektbasis gefunden zu haben. Allerdings bestanden immer noch Zweifel gegenüber der gestalterischen Einpassung ins Orts- und Landschaftsbild. Das Preisgericht empfahl, nach Aufhebung der Anonymität das Projekt nochmals überarbeiten zu lassen. Nach Vorliegen der überarbeiteten Projektgrundlage am 19. Februar 2010 nahm das Preisgericht zustimmend Kenntnis vom Stand des Projektes. Alle Projekte können noch bis 7. März 2010 im Schulhaus Rütti eingesehen werden.

Knackpunkt Dach
Bethli Küng sagte, sie habe sich während ihrer Zeit in der Jury stets vorgestellt, wie sie selbst einmal ihren Lebensabend verbringen wolle. Stolz sei sie, dass Arbeiten von Hamburg über Wien und Innsbruck und durch die ganze Schweiz eingereicht worden seien. Der Sieger schliesslich kommt fast aus der Nachbarschaft. Heinz Fahrni, dessen Architekturbüro in Steffisburg beheimatet ist, sagte, er habe schnell gemerkt, dass Dächer im Saanenland einen besonders hohen Stellenwert hätten. Die Herausforderung sei es gewesen, das grosse Programm, das ein Alterszentrum zu bieten habe, in ein chaletartiges Gebäude zu integrieren. Er habe von Anfang an gesagt: «Unser Projekt kann nicht in ein Chalet gesteckt werden.» Das grosse Anliegen der Bauherrschaft, ein «beschützendes Dach»  über das Gebäude zu bauen, konnte er jedoch umsetzen. «Wir haben versucht,  eine neue mögliche Form für die Dächer zu finden.» Man habe sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. Herausgekommen sind Dächer mit Hang, die man gegen den Schwerpunkt der Gesamtlage hat ansteigen lassen.
«Der Wettbewerb hat die Jury und die Teilnehmer gefordert», sagte Peter Breil, Jurymitglied und Architekt des Büros Atelier 5 aus Bern. Es sei eine sehr grosse Herausforderung, ein Alterszentrum mit  42 Betten und 20 Wohnungen in diese sanfte Landschaft zu integrieren. «Das Gebäude soll ja auch den geschützten Objekten in der Umgebung Respekt zollen. Und dazu kommen die baukulturellen Aspekte, das heisst auch die baugesetzmässigen Aspekte.» Nun sei er der Auffassung, das Gewinnerprojekt sei auf dem besten Weg, sich zu etwas Ganzheitlichem zu entwickeln. «Das Projekt ‹young@heart› hat die Bauaufgabe erfasst und auch erfasst, wie man hier oben leben möchte», sagte Breil. Er gratuliere Saanen zu diesem Projekt.

Zielstrebige Realisierung
 «Mit diesem Dach hat das Gebäude etwas Behütendes bekommen», sagt Bethli Küng. Nun wolle man sich zielstrebig für die Weiterbearbeitung und Realisierung engagieren. Das Neubau-Projekt löst geschätzte Investitionen von zirka 22 Mio. Franken aus. Darin ist kein Landerwerb erhalten. Der Baurechts-Vertrag mit der Gemeinde wird demnächst abgeschlossen, ein allfälliger Zins geht dann zu Lasten der Betriebsrechnung, deren Formalitäten im Mietvertrag mit der Betreiberin zu regeln sein werden. Die Mittel für den Neubau wird die AZS AG bei der Gemeinde Saanen als Hauptaktionärin und via Banken beschaffen müssen, soweit nicht zusätzliche Beiträge von privater Seite zufliessen. Eine genaue Finanzplanung kann erst festgelegt werden, wenn der Kostenvoranschlag vorliegt.
Die Saaner Stimmberechtigten werden am 26. März 2010 über einen Projektierungsbeitrag und an späteren Versammlungen über die ZöN-Vorschriften in Zusammenhang mit der Ortsplanungs-Revision, den Baurechtsvertrag mit der Gemeinde Saanen als Grundeigentümerin und einen Beitrag an die Baukosten Beschluss fassen können. «Wir wollen das Vorprojekt für das Baugesuch so rasch wie möglich vorantreiben», sagte Bethli Küng. Sie sei immer noch überzeugt, dass 2013 die ersten Bewohner/innen in das Alterszentrum einziehen könnten. Die Alterswohnen STS AG mit Sitz in Zweisimmen soll den Betrieb führen.

Ein Thema, das alle angeht
Am hohen Handlungsbedarf in den Gemeinden Gsteig und Saanen habe sich seit der Erstellung des Altersleitbildes im Jahr 2002 nichts geändert. Die Lebenserwartungen des einzelnen werden durch die medizinische Versorgung immer länger. Dass das Thema Alterszentrum auch ein sehr emotionales ist, war am Freitag zu spüren. «Bislang hat sich die Knochenarbeit gelohnt», sagte Bethli Küng. «Ich wünsche mir, dass die zukünftigen Bewohner des neuen Alterszentrums einhellig bekräftigen können: ‹Ja, hier bin ich daheim.›»


von Christine Eisenbeis


Die Ausstellung mit den Ergebnissen des Architekturwettbewerbes kann noch bis Sonntag, 7. März in der alten Turnhalle der Schulanlage Rütti besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag 16 bis 19 Uhr und von Samstag bis Sonntag 10 bis 13 Uhr.

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