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Porträt: Armin Hauswirth – Küchenabfälle für die Schweine

Hauswirth_Armin_0020 Der Gstaader Armin Hauswirth verwertet die Küchenabfälle der Hotels im Saanenland für seine Schweinezucht. Im Porträt im «Anzeiger» vom 5. Februar erzählt er von seinen Erlebnissen.


Armin Hauswirth befreit die Hotels von dem, was eigentlich keiner sehen – vor allem aber nicht riechen will. Berge von Küchenabfällen landen täglich in den blauen Tonnen mit den schwarzen Deckeln. Diese entsorgt Armin Hauswirth. Er bringt sie zu seinem Schweinestall. Dort landet, was der Gast im Restaurant auf dem Teller übrig lässt oder in der Küche als Rüstabfall zurückbleibt, im Schweinetrog. Bevor die Abfälle den Tieren verfüttert werden dürfen, müssen sie während mindestens 20 Minuten gesotten werden. Für Armin Hauswirth ist das ein völlig normaler Beruf. Die Arbeit macht ihm sogar Spass. Zu den Hotelmitarbeitern pflegt er einen guten Kontakt. Seine Familie entsorgt die Küchenabfälle der Hotels im Saanenland in der dritten Generation. «Und davor», sagt er, «haben die Hotels das noch selbst in die Hand genommen. Früher hatte jedes Hotel Schweine.» Seine Arbeit sei Routine. Manchmal fragen ihn Hotelangestellte,  ob sie mit anpacken sollen, dann winkt er ab. Er mache das lieber alleine. «So geht es fast schneller.»

Kein Silberbesteck für die Schweine
Die meisten allerdings, die Armin Hauswirth bei seiner morgendlichen Tour begegnen, treten lieber ein paar Schritte zurück. An den Geruch von Speiseresten muss man sich – obwohl sie kühl gelagert sind – erst einmal gewöhnen. Die leeren Kübel tauscht er gegen die vollen aus. Das geht schnell; er stemmt die 60-Liter-Kübel, als wäre es nichts. Jeden Morgen fährt er bis zwölf Hotels oder Restaurants an. Dann geht es weiter zu seinem Stall in der Oey. Bei der Futteraufbereitung muss er darauf achten, dass keine Fremdstoffe in den Speiseresten sind. Und das kommt nicht selten vor. Armin Hauswirth schmunzelt. «Pro Saison sammelt sich hier bei mir eine ganze Gemüsekiste voll Silberbesteck an.»

Abfall für die Gasproduktion
Die Abfälle müssen aus Hygienegründen auf 80 Grad erhitzt werden. 100 Schweine wollen in Armin Hauswirths Stall satt werden. Zusätzlich zum gesottenen Abfall füttert Armin Hauswirth noch ein spezielles Kraftfutter. Vom Stall aus geht seine morgendliche Tour dann weiter zur ARA Saanen. Denn nicht alles wird an die Schweine verfüttert. Aus etwa zwei Drittel der Speisereste wird Gas gewonnen. Dabei werden sie mit Frischschlamm der ARA im Faulturm vergärt. Dadurch kann die Gasproduktion markant gesteigert werden. Mehrmals täglich muss Armin Hauswirth zur ARA. Auch am Wochenende. Mittlerweile gönnen er und seine Frau sich zumindest 14 Tage Ferien im Jahr. In dieser Zeit vertritt ihn sein Sohn. Denn auch in diesen 14 Tagen wollen der Abfall ent- und die Schweine und die ARA versorgt werden. Auf seine tägliche Mittagspause allerdings lässt Armin Hauswirth nichts kommen. «Die muss sein.»

472 Tonnen Küchenabfälle im Jahr
Auf 472 Tonnen im Jahr kommt er zusammen mit seinem Cousin Adolf Hauswirth, der die Hotels in Saanenmöser und Schönried übernimmt. In den Saisonspitzenzeiten steigt die Menge des Abfalls enorm an. Armin Hauswirth führt genau Buch über die zu transportierenden Küchenreste. Beispielsweise hat er im November 360 Liter Speisereste aus dem Palace Gstaad abgeholt. Im Dezember stieg die Menge auf 8200 Liter und im Januar sogar auf 14500 Liter an. So hat auch Armin Hauswirth in der Hauptsaison viel mehr Arbeit. An Spitzentagen bringt er rund 4000 Liter am Tag in seinen Stall.

2011 – ein neues System?

Wann der 65-jährige Armin Hauswirth in den verdienten Ruhestand geht, weiss er selbst noch nicht. Solange er noch fit sei, mache er seine Arbeit gerne. Doch spätestens ab Sommer 2011 darf er die Küchenabfälle aus den Hotels und Restaurants nicht mehr an seine Tiere verfüttern. Dann übernimmt die Schweiz eine entsprechende Verordnung der EU. In Europa dürfen seit November 2006 keine Speiseabfälle mehr verfüttert werden. Mit dem Verbot soll das Seuchenrisiko reduziert werden. Bis dahin wird Armin Hauswirth vermutlich keine Schweine mehr mästen. Vieles müsste sich ändern, die Mastbetriebe müssen dann natürlich auch den Speiseplan der Schweine anpassen. Die aufbereiteten Küchenabfälle müssten komplett durch Kraftfutter ersetzt werden, was die Fleischproduktion verteuert. Mehr Geld aber können die Mastbetriebe für ihre Tiere nicht verlangen. «Auch den Stall in der Oey müsste ich ganz umbauen. Er wurde 1964 erbaut und entspricht den Anforderungen, die 2011 gestellt werden, einfach nicht mehr.» Dass Armin Hauswirth trotzdem noch die Speisereste-Entsorgung für die Hotels übernimmt, kann er sich jedoch vorstellen. «Zurzeit führe ich Gespräche mit den Gemeinden. Letztlich müssen sie entscheiden, wie es 2011 weitergehen soll.»

Vielleicht wird er auch dann frühmorgens, wenn alles noch schläft, die Hotel- und Restaurantküchen von ihrem Abfall befreien. Statt Schweinefutter wird aus den Resten dann vermutlich gänzlich Biogas produziert.

von Christine Eisenbeis


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