Schiessanlage Dorfrütti kostet 4 Millionen mehr als geplant
01.03.2010 Pays-d'Enhaut, Saanen, Saanenland, SportDie Genossenschaft sieht sich mit finanziellen Problemen konfrontiert. Der Bau der Schiessanlage Dorfrütti soll 4,17 Millionen mehr kosten als ursprünglich geplant – insgesamt 12,11 Millionen Franken.
Nun steht zur Debatte, ob trotzdem Möglichkeiten zur Realisierung bestehen oder ob das Vorhaben komplett aufgegeben werden muss.
Am 4. Dezember hat die Gemeindeversammlung Saanen die Überbauungsordnung für die Schiessanlage Dorfrütti genehmigt. Die Vorprüfung durch Gemeinde und Kanton ist abgeschlossen, zurzeit liegt die Baueingabe mit dem Überbauungsplan beim Kanton Bern zur Überprüfung. So weit wäre die Realisierung der unterirdischen Schiessanlage eigentlich auf gutem Wege.
Wie nun aber die Genossenschaft unter dem Präsidium von Rudolf Stauffer mitteilte, haben sich bei der Weiterentwicklung des Projekts finanzielle Probleme ergeben. Gemäss der Machbarkeitsstudie wurden die Kosten in einer Grobschätzung auf 7,94 Millionen Franken veranschlagt. Nach einer detaillierten Berechnung wird diese Schätzung nun um 4,17 Millionen überschritten – die Gesamtkosten betragen demnach 12,11 Millionen Franken. Zudem hat sich herausgestellt, dass die Anlage anders als ursprünglich angenommen nicht kostendeckend betrieben werden kann.
Bauvergabeverfahren sistiert, bis neuer Finanzierungsplan vorliegt
Nun muss die Genossenschaft die Finanzierung des Projekts neu überprüfen. Gemäss Medienmitteilung steht sogar zur Debatte, das Bauvorhaben komplett aufzugeben. «Die Genossenschaft muss zusammen mit der Gemeinde und den anderen Beteiligten nach Lösungen suchen. Allenfalls muss das Projekt so abgeändert werden, dass es insgesamt kostengünstiger wird – sowohl in Bezug auf den Bau als auch in Bezug auf den längerfristigen Betrieb», erklärte Stauffer gegenüber dem «Anzeiger von Saanen». «Ansonsten müssen wir mehr Geld auftreiben – entweder durch zusätzliche Geldgeber oder durch höhere Investitionen der bestehenden Geldgeber.»
Sparpotenzial besteht beispielsweise beim geplanten Schiesskino, das von Anfang an bloss eine Option zur besseren Vermarktbarkeit der Anlage war. Durch den Verzicht auf das Kino könnten rund 845000 Franken gespart werden. Dennoch fehlen noch über 3 Millionen Franken. Bis ein neuer Finanzierungsplan vorliegt, wird nun das Bauvergabeverfahren sistiert.
Behördliche Auflagen führen zu höheren Kosten
Gründe für die veränderte Kostensituation gegenüber der Machbarkeitsstudie gibt es verschiedene. Walter Egger von der Firma Egger Ingenieure AG, die die Machbarkeitsstudie in Zusammenarbeit mit den Firmen Sabert SA und Brünig Indoor ausgearbeitet hat, erklärte auf Anfrage: «Die höheren Kosten ergeben sich teilweise aus Projekterweiterungen – geplant sind unter anderem ein grösserer Raum für Schiessvereine, eine Erweiterung der Garderobe und der WC-Anlageund ein erweiterter Technikraum. Zusätzliche Kosten haben sich auch infolge behördlicher Auflagen im Bereich Sicherheitstechnik ergeben. Weiter wird zur Bewirtschaftung des angrenzenden Waldes die Überfahrbarkeit der Anlage mit Lastwagen von bis zu 28 Tonnen gefordert. Auch die geologischen Gegebenheiten führen in gewissen Bereichen zu Mehrkosten.»
Gleichzeitig wie die Ausarbeitung von Vorprojekt und Kostenvoranschlag in Auftrag gegeben wurden, wurden auch aufwändige Untersuchungen des Baugrunds vorgenommen. «Der vorliegende Kostenvoranschlag widerspiegelt nun die Kosten, welche für das erweiterte Projekt zu erwarten wären», so Egger.
von Nicole Maron

