Zwei Sitze für den Verwaltungskreis Obersimmental-Saanenland
29.03.2010 Gemeinde, Obersimmental, Saanen, Kanton, Politik, SaanenlandBethli Küng/SVP ist mit 5000 Stimmen für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt worden. Auch der freisinnige Hans-Jörg Pfister wurde in seinem Amt bestätigt.
Mit Freude und Genugtuung nahm Bethli Küng am Sonntagabend die Gratulationen für ihre Wiederwahl entgegen. «Ich bin sehr froh, dass mir die Leute das Vertrauen erneut schenken.» Als selbstverständlich erachte sie die Wiederwahl aber keineswegs. Seit zwei Monaten habe sich abgezeichnet, dass es eng werden könne. Der Knatsch um den Spitalstandort habe sie viele Stimmen – vor allem im Obersimmental – gekostet, ist sie sich bewusst. Doch wegen einer Wahl anders zu politisieren, komme für sie nicht in Frage. «Ich werde auch in Zukunft meine gradlinige und korrekte Art zu politisieren beibehalten», so Küng. Enttäuscht ist sie über die relativ geringe Wahlbeteiligung (37,51 Prozent) im Saanenland. Im Obersimmental gingen im Schnitt 49,12 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne.
BDP besteht Nagelprobe
Die BDP hat die Nagelprobe bestanden. Sie konnte im Kantonsparlament nicht nur den Besitzstand wahren – nach der Abspaltung von der SVP hatte die BDP 17 Sitze – sie legte um 8 Sitze zu und ist neu mit 25 Sitzen vertreten. Zufrieden sein mit dem Wahlergebnis kann jedoch auch die SVP. Trotz dem Wahlerfolg der BDP kommt sie auf 44 Sitze (+ 14) und ist wieder stärkste Kraft im Grossen Rat. Federn lassen mussten die FDP (–9 Mandate) und die SP (–7). Die Grünen und die EVP verloren je drei Sitze, während die Grünliberalen auf Anhieb vier Sitze gewinnen konnten. Das 160-köpfige Berner Kantonsparlament setzt sich neu zusammen aus 44 SVP, 35 SP, 25 BDP, 17 FDP, 16 Grünen, 10 EVP, 5 EDU, 1 CVP, 3 PSA, 4 GLP. Der Wahlkreis Obersimmental-Saanen hat 17 Mandate. Gewählt sind BDP: Peter Eberhart, Erlenbach (bisher); Anita Luginbühl-Bachmann, Krattigen (neu); Enea Martinelli-Messerli, Matten b.I. (neu). EDU: Erwin Burn, Adelboden (bisher). EVP: Markus Grossen, Reichenbach (bisher). FDP: Peter Flück, (bisher); Hans-Jörg Pfister, Zweisimmen (bisher. GBO (Grüne und Junge Berner Oberland): Christine Häsler, Burglauenen (bisher). SP: Christoph Ammann, Meiringen (bisher); Emil von Allmen, Gimmelwald (bisher). SVP: Bethli Küng-Marmet, Saanen (bisher); Hans Rösti, Kandersteg (bisher); Hans Schmid, Achseten (bisher); Gerhard Fischer, Meiringen (bisher); Walter Messerli, Interlaken (bisher); Christoph Berger, Aeschi (neu); Thomas Knutti, Weissenburg (neu).
Regierung bleibt rot-grün – BDP verteidigt ihren Sitz
Im Kanton Bern bleibt die Regierung rot-grün – alle vier Kandidaten von SP und Grünen wurden wiedergewählt. Ebenso schafften die beiden Bisherigen der SVP und FDP die Wiederwahl. Die BDP hat ihren Sitz nach dem Rücktritt von Finanzminister Urs Gasche verteidigt: Zu seinem Nachfolger gewählt wurde Beatrice Simon-Jungi.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Dass die Bisherigen die Wiederwahl schaffen, hat sich relativ früh am Sonntagnachmittag abgezeichnet. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den vakanten Sitz lieferten sich Beatrice Simon von der BDP und Albert Rösti von der SVP. Bis zur Auszählung von 9 der 10 Verwaltungskreise lag Albert Rösti mit knapp 3000 Stimmen vorne. Den Ausschlag zugunsten von Beatrice Simon gegeben hat der Verwaltungskreis Bern-Mittelland. Simons Herausforderer erreichte ebenfalls das absolute Mehr, letztlich fehlten ihm gegenüber der BDP-Kandidatin gut 7500 Stimmen. Der Regierungsrat des Kantons Bern setzt sich neu wie folgt zusammen: Bernhard Pulver (Grüne), Barbara Egger-Jenzer, Andreas Rickenbacher, Philippe Perrenoud (alle SP), Hans-Jüg Käser (FDP), Christoph Neuhaus (SVP) und Beatrice Simon-Jungi (BDP). Mit dem besten Resultat gewählt wurde der Grüne Bildungsminister Bernhard Pulver, gefolgt von der SP-Frau Barbara Egger-Jenzer und ihrem Parteikollegen Andreas Rickenbacher. Dahinter folgen Hans-Jürg Käser, Christoph Neuhaus, Beatrice Simon-Jungi und Philippe Perrenoud. Die Stimmbeteiligung lag bei 31,4 Prozent und damit leicht höher als noch vor vier Jahren (29,68 Prozent).
Stimmungstest für die nationalen Wahlen
In der übrigen Schweiz sind die Wahlen in Bern mit grossem Interesse verfolgt worden, gelten sie doch als Stimmungstest für die nationalen Wahlen 2011. BDP-Bundesrätin Evelin Widmer-Schlumpf zeigte sich in der Tagesschau erfreut über das Abschneiden ihrer Partei. Sie freue sich sehr, vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in den vergangenen Monaten so eingesetzt hätten mit wenigen finanziellen Mitteln. Es sei ein gutes Zeichen für die Demokratie, dass ein Wahlerfolg auch ohne grosse finanzielle Mittel möglich sei, so Widmer-Schlumpf. Ein erster Schritt sei getan, sie hoffe nun, dass die BDP bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr im gleichen Mass vorwärtskomme.
So sehr sich Willi Bach, Präsident der SVP Obersimmental-Saanen, über den Wahlerfolg von Bethli Küng freute, so sehr bedauerte er die Nichtwahl von Albert Rösti in den Regierungsrat. Aus drei Gründen, wie er betonte: Weder seien das Oberland noch die Bauern im Regierungsrat vertreten und die SVP habe es nicht geschafft, den zweiten Sitz zurückzugewinnen. Willi Bach hat als Grossratskandidat der SVP mit 2997 Stimmen für das zweitbeste Resultat im Saanenland gesorgt, der Gstaader BDP-Kandidat Marc Matti kam auf 2717 Stimmen.
Foto: Anita Moser

