Landi Saanenland: Wachstum trotz Umsatzeinbusse
29.04.2010 Gstaad, Landwirtschaft, SaanenlandVor allem infolge gesunkener Brenn- und Treibstoffpreise ist der Umsatz der Landi Saanenland um fast eine Million Franken gesunken. Trotzdem ist das Geschäft auch 2009 weiter gewachsen.
So paradox es klingen mag, die Landi Saanenland ist auch 2009 weiter gewachsen, obwohl der Umsatz um fast eine Million Franken gesunken ist. Der Umsatzrückgang sei fast ausschliesslich auf die gesunkenen Brenn- und Treibstoffpreise zurückzuführen, betonte Geschäftsführer Mario Cairoli an der GV am Montagabend. Im gleichen Zeitraum um gut 340'000 Franken gestiegen ist der Umsatz im Laden.
«Alle reden von der Krise oder dass sie nun überwunden sei. Die Landi Saanenland spürte von der Krise nicht viel», betonte Landi-Geschäftsführer Mario Cairoli an der Generalversammlung vom Montagabend. Die Strategie mit dem Laden-Umbau und der Auslagerung der Agrarprodukte hat sich für die Landi Saanenland bewährt. «Der Umsatz im Laden ist seit dem Umbau 2006 um 26 Prozent gestiegen. Da die Preise tendenziell eher rückläufig waren, kann man gar von einem Mengenzuwachs von rund 30 Prozent sprechen.» Im Berichtsjahr generierte der Laden 4,78 Millionen Franken Umsatz (+ 7 Prozent), was 34,9 Prozent des Gesamtumsatzes entspricht. In Litern gemessen ist auch der Verkauf von Brenn- und Treibstoff gestiegen, allerdings ist der Umsatz wegen den tieferen Preisen gegenüber dem Vorjahr um gut 1,1 Millionen Franken auf rund 4,4 Millionen Franken gesunken. Mit 35,6 Prozent des Gesamtumsatzes ist der Verkauf von Brenn- und Treibstoff nach wie vor der wichtigste Geschäftszweig der Landi Saanenland. In den anderen Bereichen konnte der Umsatz in etwa gehalten werden. Leicht zurück gingen die Lieferungen an die Hotels.
Trendwende bei den Personalkosten
Auf der Ausgabenseite schlagen die Personalkosten mit 1,415 Millionen Franken am meisten zu Buche. Gegenüber dem Vorjahr konnten sie um 41'000 Franken reduziert werden. «Die Personalkosten sind nach wie vor zu hoch, aber wir sind auf dem richtigen Weg», so Cairoli. Es sei eine ständige Gratwanderung
zwischen zu viel und zu wenig Personal, was speziell in einem Betrieb mit sehr stark schwankendem Besucherandrang schwierig zu händeln sei. Waren bis 2005 die meisten Mitarbeitenden im
Monatslohn angestellt, arbeite heute gut die Hälfte der Mitarbeiter im Stundenlohn mit relativ flexiblen Arbeitszeiten. «Dadurch können wir die Spitzen besser abdecken und die Mitarbeiter dann einsetzen, wenn wir sie nötig haben», so Cairoli. Im Weiteren wurden Arbeitsläufe vereinfacht und weitere Optimierungs- und Sparmassnahmen umgesetzt. «Mit all diesen Massnahmen konnte die Arbeitszeit im vergangenen Jahr um rund 1000 Arbeitsstunden reduziert werden.»
Einstimmig genehmigten die 70 anwesenden Genossenschaftsmitglieder die Rechnung, die – bei einem Umsatz von 12,478 Millionen Franken – dank ausser-ordentlichen Erträgen von gut 175000 Franken mit einem Gewinn von rund 2000 Franken abschliesst.
Klima wird rauer
Das Klima im Detail- und Futtermittelhandel werde zusehends härter und rauer, betonte Genossenschaftspräsident Toni Reichenbach. Auch stünden weitere – politisch bedingte – Herausforderungen an. So sei nicht abschätzbar, wie sich das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union auswirken werde. «Die Grossverteiler zum Beispiel befürchten, dass bei einem Nein zum Freihandelsabkommen der einheimische Markt beträchtlich schrumpfen würde. Laut Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre, führt der Freihandel nicht zum befreiten Bauern, sondern zur ‹Befreiung der Schweiz von Bauern›», so Reichenbach.
Von der Region, für die Region?
Auch die Milch- und Viehpreise hätten sich nicht erholt, so der Vorsitzende. «Hoffentlich wird die zentrale Milchverarbeitung bald Tatsache und damit die Erfüllung des grossen Wunsches, dass für die gesamte Region ein besserer Milchpreis generiert werden kann.» «Dies bedingt auch die Bereitschaft jedes einzelnen Landwirtes, sich für die Region einzusetzen, damit der umgesetzte Franken über die Arbeitnehmer wieder im Saanenland ausgegeben werden wird.» Man müsse sich doch fragen, ob ein Produkt nicht manchmal ein paar Franken mehr wert sei, wenn dafür Arbeitsplätze in der Region erhalten werden könnten. Schliesslich investiere die Landi ihren Ertrag auch in Arbeitsplätze und Anlässe im Saanenland.
Diese Aussage wollte der im vergangenen Jahr von der Kündigung betroffene Mitarbeiter so nicht stehen lassen. Trotz Rekordergebnis sei ihm aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt worden. «Von vielen Kunden und von Mitarbeitern ist dies nicht verstanden worden», betonte der ehemalige Mitarbeiter und appellierte an die Landi-Verantwortlichen, mit dem «Gut» Mensch, mit dem Personal, sorgfältiger umzugehen. Der betroffene Mitarbeiter habe einerseits zwar gute Arbeit geleistet, im Hintergrund habe es aber auch viel Wirbel gegeben, rechtfertigte Toni Reichenbach die Kündigung. Im weiteren wollte er vor der Generalversammlung nicht näher darauf eingehen.
Ihm gehe im Saanenland der Gemeinschaftsgedanken etwas verloren, sagte Cairoli. «Zwar reden alle davon, dass man für die Region schauen muss, dass die Wertschöpfung in der Region bleiben soll. In Tat und Wahrheit wird die Ware wegen ein paar Franken Preisdifferenz oft von irgendwoher bezogen.» Für ihn sei dies unbegreiflich, denn er sei überzeugt, dass «wir gute Waren zu fairen Preisen anbieten».
Drei Dienstjubiläen
Drei Mitarbeiter wurden für ihre Treue zur Landi Saanenland geehrt (Foto). Liselotte Reichenbach für 25 Jahre (Laden), Fritz Reichenbach für 20 Jahre (Chauffeur) und Jimmy Coulter für 5 Jahre (Laden). Sehr zum Bedauern der Verantwortlichen, wird Coulter den Betrieb in Kürze verlassen und sein Hobby zum Beruf machen und in die Computerbranche einsteigen. «Wir werden immer wieder Wechsel beim Personal haben», sagte Cairoli zur immer wieder diskutierten Personalfluktuation. Er ermunterte, Personalwechsel auch als Chance zu sehen. «Durch Abgänge geht zwar einerseits viel Knowhow und Zeit verloren, da neue Leute erst eingearbeitet werden müssen. Andererseits eröffnen sich auch immer wieder neue Chancen, neue Ansichten und neue Möglichkeiten, die unseren Betrieb weiterbringen können.»
von Anita Moser

