Unterstützung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche
11.06.2011 Gesellschaft, Obersimmental, SaanenlandDer Gotthelfverein ist eine gemeinnützige Institution, welche Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien unterstützt. Gegenwärtig sind es 13 Kinder und Jugendliche im Obersimmental und Saanenland, die einen finanziellen Zustupf bekommen.
Der Gotthelfverein ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, es ist aber nicht etwa ein Trachten- oder Folkloreverein, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sondern ein Verein, der im ganzen Kanton verwurzelt ist und sozial Schwächere finanziell unterstützt. Einzelne Sektionen sind vor über 125 Jahren gegründet worden, die Sektion Obersimmental-Saanen gibt es auch schon seit Dutzenden von Jahren. Die Ideologie des gemeinnützigen Vereins gründet auf dem Engagement seines Namensgebers Jeremias Gotthelf. Gotthelf, alias Albert Bitzius (4. Oktober 1797 bis 22. Oktober 1854) hat sich zu Lebzeiten für die Ärmeren und Schwächeren eingesetzt, er kämpfte gegen die Ausbeutung der Kinder aus armen Familien als billige Arbeitskräfte und war massgeblich an der Gründung der Armenerziehungsanstalt Trachselwald beteiligt.
Engagement für sozial Schwächere
«Der Gotthelfverein Obersimmental-Saanen ist ein gemeinnütziger Verein, er fördert und unterstützt Kinder und Jugendliche, welche in familiären und finanziellen Schwierigkeiten aufwachsen, und versucht sie in christlicher Verantwortung zu begleiten», steht in den Statuten, die vor zehn Jahren grundlegend überarbeitet wurden. Im Vorstand des Vereins vertreten sind die sieben Gemeinden des Verwaltungskreises Obersimmental-Saanen, die regionalen Mütter- und Väterberatungen sowie die Sozialdienste beider Regionen. Der Verein unterstützt auf Gesuch hin Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz
im Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen. Wer Fürsorgegelder bezieht, hat gemäss Statuten keinen Anspruch
auf Unterstützung.
Patenschaften
Die Anfragen für Unterstützungen und Patenschaften werden durch die Sozialdienste, die Pfarrämter oder direkt von hilfesuchenden Familien an den Verein gerichtet. «Sehr wichtige Bezugspersonen sind die Mütter- und Väterberaterinnen. Von ihnen kommen die meisten Gesuche, denn sie haben den Draht zu den Familien, sie wissen, ob und wo der Schuh drückt», erklärt Vereinspräsidentin Esther Bossard. In der Regel erhalten die Kinder und Jugendlichen zweimal im Jahr einen Betrag von 350 Franken. Das Geld ist gedacht für besondere Zwecke, für die das Familienbudget nicht ausreicht – etwa für ein Skiabonnement, für die Musikschule, für ein Velo, für Kleider – für Sachen also, die für viele Familien selbstverständlich sind. «Die betroffenen Familien leben meist knapp am Existenzminimum. Das Geld reicht gerade für das Allernötigste, für mehr nicht», so Bossard.
Die Kinder und Jugendlichen werden durch eine Patin oder einen Paten betreut, welche der Familie nicht nur das Geld überbringen, sondern auch das ganze Jahr über mit Rat und Tat zur Seite stehen. «Diese persönliche Betreuung erachten wir als sehr wichtig», betont Bossard, die wie ihre Vorstandskolleginnen und -kollegen ehrenamtlich arbeitet. Die Regel sind längerfristige Patenschaften, nach Ermessen des Vorstandes sind aber auch einmalige Beiträge – zum Beispiel für eine Zahnarztrechnung – möglich. Geht ein Gesuch ein, werden die finanziellen Verhältnisse überprüft sowie abgeklärt, ob die betreffende Familie keine Bezüge von der öffentlichen Fürsorge erhält. Mindestens drei Vorstandsmitglieder beschliessen über eingegangene Gesuche und längerfristige Unterstützungen werden halbjährlich neu beurteilt.
Schicksalsschläge, Scheidungen, Working Poor
Gegenwärtig sind es 13 Kinder und Jugendliche im Verwaltungskreis Obersimmental-Saanen, die vom Gotthelfverein finanziell unterstützt werden. Manche Familien sind durch einen Schicksalsschlag, durch den Tod eines Elternteils oder durch die Trennung der Eltern in finanzielle oder soziale Engpässe geraten. Oder es sind so genannte Working Poor, also Familien, wo Vater oder Mutter oder beide arbeiten und trotzdem nicht genügend Geld verdienen, dass es bis zum Monatsende ausreicht.
Mitgliederbeiträge und Spendengelder
Die Kasse des Gotthelfvereins wird ausschliesslich durch Mitgliederbeiträge (25 Franken pro Jahr für Einzelpersonen) und Spendengelder gespiesen. Im vergangenen Jahr sind 13 780 Franken eingegangen.
Von Anita Moser
Foto: pixelio.de/Gerd Altmann
