Gsteig: Einheimische übernehmen Bergcamping Heiti
25.08.2011 Gsteig, Tourismus, VolkswirtschaftVier Jahre nach der Eröffnung geht der Bergcamping Heiti in einheimische Hände über. Neue Besitzerin ist die Bergcamping Gsteig AG von Kurt Beetschen und Martin Gehret. Das Restaurant wird ab Wintersaison 2011 von Annelies und Andre Brand geführt.
Im Januar 2005 hat das Ehepaar Monika und René Huppuch die Leitung des Bergcampings Heiti übernommen, ein Jahr später haben sie den Platz käuflich erworben und mit der Standortgemeinde Gsteig einen langfristigen Baurechtsvertrag abgeschlossen. In den darauffolgenden Monaten haben die beiden die Idee vom Ganzjahrescampingplatz verwirklicht. Am 30. Juni 2007 wurde er offiziell eröffnet. Ende 2010 haben René und Monika Huppuch kommuniziert, dass sie sich aus gesundheitlichen Gründen beruflich neu orientieren wollen. Zusammen mit der Gemeinde hat man nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht und sie nun gefunden.
Zum Wohl des Dorfes und der Region
«Ich habe viele Leute auf das Projekt angesprochen und Möglichkeiten aufgezeigt, doch das Interesse war klein», erzählt Gemeinderat Kurt Beetschen. Auf offene Ohren stiess der Zimmermann mit eigenem Geschäft schlussendlich bei Martin Gehret. Er, respektive seine Firma hatte seinerzeit die Infrastruktur gebaut und Martin Gehret ist entsprechend mit der Anlage vertraut. Die beiden haben sich zusammengetan und die Bergcamping Gsteig AG gegründet. «Die Firma hatte ich schon verkauft, sonst hätte ich mich nicht auf das Projekt einlassen können», betont Gehret. Nach vielen intensiven Gesprächen mit dem Ehepaar Huppuch ist man sich nun handelseinig geworden und seit dem 1. August ist die Bergcamping Gsteig AG neue Eigentümerin des Ganzjahrescampings. Weder Beetschen noch Gehret sind Camper, ihre Motivation, sich finanziell zu engagieren, ist eher aus einem Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinde, der Region und aus Mangel an weiteren Interessenten entstanden. «Es wäre schade für Gsteig und die Region, wenn die Infrastruktur, die Herr und Frau Huppuch mit viel Enthusiasmus auf eine grüne Wiese haben erstellen lassen, nicht mehr genutzt würde», sagt Beetschen. «Hier haben Feriengäste und Einheimische die Möglichkeit, zu einem vernünftigen Preis ein Ferienhäuschen oder ein Eigenheim zu erwerben.» Von den insgesamt 29 Parzellen sind heute 17 bebaut. «Unser Ziel ist es, auch die restlichen 12 Parzellen zu belegen», sagt Martin Gehret.
Infrastruktur fertigstellen
Zur Infrastruktur gehören der öffentliche Campingplatz, das ebenfalls öffentliche Restaurant sowie ein Beachvolleyballfeld. Grosse Investitionen planen die beiden neuen Besitzer vorerst nicht. «In erster Linie machen wir die Infrastruktur fertig», informiert Martin Gehret. Konkret sind dies die Beleuchtung und die Gehwege. Aus Kostengründen nicht realisiert wird die von den Vorbesitzern ursprünglich geplante Wellnessanlage. Am Restaurant werden vorerst nur wenige bauliche Anpassungen umgesetzt. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten die Räumlichkeiten über dem Restaurant zu Wohnungen oder Zimmern ausgebaut werden. «Es sind über 400 m2 auf eineinhalb Stockwerken, die derzeit noch im Rohbau sind», so Martin Gehret.
Langfristiger Vertrag
Der bestehende Baurechtsvertrag mit der Gemeinde Gsteig wurde von den noch restlichen 36 auf 50 Jahre verlängert. Die Mietpreise für die Mobilhomes wurden neu angepasst, «nach unten», wie Martin Gehret betont. Zurzeit ist ein Anwalt mit der Ausarbeitung eines Vertrages beschäftigt, dieser soll in nächster Zeit den Residenzhaltern abgegeben werden können.
Back to the roots
Noch bis Ende September werden René und Monika Huppuch das Restaurant führen sowie den Campingplatz betreuen. Ab Mitte Dezember werden dann Annelies und Andre Brand die Verantwortung übernehmen. «Das Restaurant werden sie als Mieter auf eigene Rechnung führen, für die Betreuung des Campingplatzes werden sie ebenfalls zuständig sein», erklärt Gehret.
Annelies und Andre Brand freuen sich auf die neue Herausforderung. «Wir haben schon seit Jahren nach so etwas Ausschau gehalten.» Beide haben ursprünglich Koch gelernt und Annelies Brand hat zusätzlich das Wirtepatent erworben. Andre Brand hat unter anderem im Hotel Alpenland, im Bernerhof oder auf dem Eggli gekocht, seine Frau an verschiedenen Stellen im In- und Ausland sowie ebenfalls im Saanenland. In den vergangenen Jahren war Andre Brand als Schulhausabwart in Gsteig tätig, seine Frau hat sich hauptsächlich um den Haushalt und die drei kleinen Kinder gekümmert. Die Liebe zur Gastronomie konnten die beiden aber nie ganz loslassen. «Wir haben Catering gemacht, haben an Anlässen gekocht oder auch bei den Leuten zu Hause für deren Gäste. Wir sind gerne um Leute und tischen gerne etwas Gutes auf», sagt die junge Mutter. Nun freuen sie sich darauf, Gäste in ihrem eigenen Restaurant zu bewirten. «Wir werden uns ausrichten auf Anlässe, grössere Gruppen, Hochzeiten, Taufen, Firmenessen, Geburtstage usw. Und natürlich freuen wir uns auch auf die einheimischen Restaurantbesucher», betont Annelies Brand. Neben einheimischer und regionaler Küche, «Hausmannskost», wie Andre Brand sagt, legen sie den Fokus ihrer Küche auf Hausgemachtes. «Zusätzlich werden wir eine spezielle Rösti-Karte haben», so Andre Brand.
Vom Projekt überzeugt
«Wir sind grundsätzlich froh, dass es eine Lösung gegeben hat. Deshalb hat die Gemeinde auch Hand geboten, den Baurechtsvertrag zu verlängern», sagt Gemeindepräsident Martin Marti. «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass es ein gutes Projekt ist und wir sind froh, dass zwei einheimische Unternehmer dahinter stehen.»
Anita Moser

