Das Flugzeug, ein einmotoriges Propeller-Flugzeug des Typs Pilatus PC-12, war am Freitagabend auf dem Rückflug von Antwerpen nach Saanen. Das Flugzeug sei um 18 Uhr in der Nähe der Stadt Montbéliard, etwa 80 Kilometer westlich von Basel, abgestürzt, sagte Pierre Clavreuil, Generalsekretär der Präfektur vom Doubs, gegenüber Nachrichtenagenturen.
Unfallursache noch nicht bekannt
Die Unfallursache ist noch nicht bekannt. Zum Zeitpunkt des Unglücks hat es geregnet, laut Wetterradar gab es vereinzelte Gewitterzellen in der Region. Ob das Flugzeug tatsächlich in ein Gewitter geflogen ist und allenfalls von einem Blitz getroffen wurde, wie offenbar Augenzeugen gesehen haben wollen, ist nicht bestätigt. Ebensowenig bestätigt ist, dass der Pilot einen Notruf abgesetzt hat. Bestätigt ist einzig, dass der Pilot in Funkkontakt stand – entweder mit der französischen Luftraumüberwachung oder bereits mit der Schweizer Skyguide – bevor das Flugzeug vom Radar verschwunden ist und Alarm ausgelöst wurde. Über den Funkverkehr gebe es jedoch noch keine gesicherten Aussagen. «Dieser Flugzeugtyp ist weder mit einem Flugschreiber noch mit einem Cockpit-Voice-Recorder ausgerüstet», erklärt Stefan Hänseler, Managementmitglied der Air Sarina, drei Tage nach der Tragödie. Alles, was deshalb über die Unfallursache gesagt oder geschrieben werde, basiere auf reiner Spekulation. «Wir rechnen mit einer relativ langen Untersuchungszeit. Bis die genaue Unfallursache bekannt ist, kann es erfahrungsgemäss Jahre dauern», betont Hänseler. Die Unfalluntersuchung sei Sache der französischen Behörden, die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle SUST stehe jedoch in engem Kontakt mit den französischen Kollegen.
Flugzeug der Air Sarina
Halter und Betreiber des Flugzeuges war die Air Sarina, eine Familienunternehmung. Sie wurde 2005 gegründet, betreibt den Flugplatz Saanen, vermittelt Charterflüge und bietet auch selber Flüge an. Die Unglücksmaschine sei vorschriftsgemäss regelmässig von der Herstellerfirma gewartet worden, teilt die Air Sarina mit. Der Pilatus PC-12 wird serienmässig hergestellt und gilt als sehr zuverlässig. Seit Mitte der Neunzigerjahre wurden weltweit mehr als 1300 Flugzeuge dieses Typs verkauft, in der Schweiz sind derzeit rund 20 PC-12 zugelassen.
Bei dem Flug am Freitag handelte es sich um einen Privatflug. Am Donnerstag war das Flugzeug in Saanen Richtung Belgien gestartet, auf dem Rückflug einen Tag später passierte das tragische Unglück.
Opfer noch nicht identifiziert
Gemäss Passagierliste befanden sich vier Personen aus der Gemeinde Saanen an Bord: der Flugplatzleiter (57) sowie ein einheimischer Geschäftsmann (36) mit zwei seiner Angestellten, einem Mann (51) und einer jungen Frau (19). Die Opfer sind noch nicht identifiziert, deshalb werden von offizieller Seite keine Namen kommuniziert oder bestätigt.
Der Flugplatzleiter sei ein sehr erfahrener Pilot gewesen mit mehreren Tausend Flugstunden und weit über 20 000 Landungen, hält Stefan Hänseler auf Anfrage fest.
Angehörige von Care-Team betreut
Die Angehörigen werden seit Freitagabend von einem Care-Team betreut. Man werde den Familien auch weiterhin bei der Bewältigung der Katastrophe beistehen, betont Bruno Bader, Gemeindepfarrer und Mitglied des Care-Teams.
Flugplatz teilweise wieder offen
Schwierig waren die vergangenen Tage auch für die Verantwortlichen des Flugplatzes. Einerseits trauern sie um einen engen Freund und Angehörigen, andererseits muss der Flugbetrieb neu geregelt werden. Vorstandsmitglieder der Flugplatzgenossenschaft Gstaad-Saanenland haben die Mitarbeitenden unterstützt und mit Mark Balsiger hat man einen extermen Kommunikationsspezialisten beigezogen.
«Alle sind persönlich betroffen», betont Andrea Scherz, Vizepräsident der Flugplatzgenossenschaft Gstaad-Saanenland. «Die Mitarbeitenden stehen und standen unter einer grossen emotionalen Belastung.» Unter anderem sei der Flugbetrieb deshalb auch vorübergehend geschlossen worden. Die Sicherheit habe oberste Priorität, betonen die Verantwortlichen. Seit gestern Montagmorgen ist der Flugplatz für lokale und stationierte Partner (wie die Air Glaciers) wieder offen.
«So schlimm die Tragödie ist, wir müssen vorwärtsschauen. Das wäre sicher auch im Sinn der Verstorbenen», sagt Walter Egger, Präsident der Flugplatzgenossenschaft Gstaad-Saanenland. Sobald als möglich soll der Flugplatz wieder freigegeben werden. «In einem nächsten Schritt wählen wir die verantwortliche Person, den Leiter des Flugplatzes sowie dessen Stellvertreter», informiert Walter Egger. Die Nominierung und Wahl erfolgt durch die Flugplatzgenossenschaft. «Wir haben dem Vorstand bereits einen Wahlvorschlag unterbreitet.» Sobald die Personen gewählt sind und das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL seine Zustimmung erteilt hat (der Betriebsleiter braucht eine Lizenz/Anm. der Redaktion) wird der Betrieb wieder aufgenommen.
Grosse Bestürzung und Betroffenheit
Die Bestürzung bei Eltern, Partnern, Kindern, Verwandten und Freunden ist gross und unermesslich. Doch auch bei der nicht direkt betroffenen Bevölkerung sitzt der Schock auch Tage nach dem tragischen Unglück immer noch tief und man spürt grosse Anteilnahme. Die Tragödie hat die ganze Gemeinde Saanen, die ganze Region erschüttert. Wir entbieten den Familien unsere herzliche Anteilnahme.
Anzeiger von Saanen











Kommentare
DECO-LINE, Ursu...
31/08/2012-12:01
Teuscher
28/08/2012-21:45
Fam. Reichenbach
27/08/2012-12:38
Familie Widmer....
27/08/2012-07:03
Neuen Kommentar schreiben