Mai 2007

Phönix, bzw. Alpina aus der Asche

Licht am Ende des Tunnels nach zwölfjährigem Rechtsstreit: Das jüngste Urteil des Verwaltungsgerichts vom 22. Mai weist die Beschwerden von vier Nachbarn des Neubauprojektes Hotel Alpina zurück. Diese wollen à tout prix verhindern, dass der projektierte Luxustempel die Aussicht von ihren nicht minder luxuriösen Bleiben verschandelt und der Zufahrtsverkehr ihre wohlverdiente Ruhe stört. Zwei der Beschwerdeführer haben ihre Chalets jedoch zu einem Zeitpunkt gekauft, als der Neubau längst projektiert war. Sie haben also das Lärm- bzw. Aussischtverschandelungsrisiko (wow, was für eine Wortkreation!) praktisch mit ihren Zweitwohnsitzen gekauft. "Selber schuld", würde einer glatt denken; vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Doch was den Nachbarn da zugemutet wird, ist schon happig:

Höllenritt auf teuflischem Gletscher eingeweiht

Letzten Samstag wurde er endlich eingeweiht: der Alpine Coaster, zu gut Deutsch Alpine Achterbahn, auf dem Glacier Les Diablerets, auch Glacier 3000 genannt. Trotz Wind und Schnee liessen es sich Cervelat-Promis, lokale Aushänge-Sportler und Mitglieder unserer schreibenden Zunft (sogar ein Team aus China war vor Ort) nicht nehmen, die 1000 m lange Bahn am eigenen Leib zu testen. Nach einem Höllenritt über einen 520-Grad-Kreisel, zehn Kurven, sechs Wellen, drei Jumps und zwei Brücken waren die Reaktionen der Versuchsschweinchen einstimmig begeisterter Natur.

Steigen Sie ein, die Fahrt geht los... check out the video below!

Das Manifest der sechs

Eben noch Gegenspieler, jetzt verbrüderte Visionäre. Die Milchgenossenschaft unserer Talschaften haben vollbracht, was bis vor kurzem undenkbar schien: sie springen über ihren eigenen Schatten, um sich dem Kampf des sich liberalisierenden Milchmarktes gemeinsam zu stellen. Gemeinsam haben die sechs Präsidenten der Genossenschaften Gsteig, Lauenen, Turbach, Gstaad, Saanen und Schönried nun ein "Manifest für die gemeinsame Milchverwertung" unterzeichnet, in welchem sie ihre Absicht bekunden, auf ein gemeinsam betriebenes Saaner Milchverarbeitungszentrum hinzuarbeiten. Hat sich bis vor kurzem noch jedes Täli buchstäblich um seinen eigenen Käse gekümmert, wird nun gemeinsam in einem "Chäschessi" gerührt. 

Die MOB-Usine wird zum Loft

Die altehrwürdige, hundertjährige Gruben-Usine der MOB wird auf Ende Jahr den Besitzer
wechseln. Das Gebäude soll vom glücklichen Käufer zu einem grosszügigen
Wohnobjekt im Loft-Stil umgebaut werden. Doch der Überraschungen noch nicht genug, denn "unsere kleine Bahn" ist bei weitem nicht so antiquiert, wie dies beim Anblick der veralteten Bahnhöfe scheinen könnte. Im Gegenteil: die Neuerungen sind so innovativ, dass man  gar von Pioniergeist sprechen könnte. So stehen Umbauten der Bahnhöfe Château-d'Oex, Zweisimmen, Saanenmöser und Gstaad bevor, und das Gebäude in Schönried wird in Zusammenarbeit mit dem Tourismusbüro und der Skischule zu einem eigentlichen Dienstleistungszentrum. 

Das SF kommt mit "Bsuech in" nach Gstaad!

Am 2. Juli wird das Schweizer Fernsehen in Gstaad zu Gast sein. Im Rahmen der Sende-Reihe "Bsuech im Berner Oberland" werden zwischen Juli und August sieben Destinationen porträtiert und einem breiten Publikum vorgestellt. Die Vorbereitungen zur Sendung haben bereits im März angefangen und laufen nun bereits auf Hochtouren.

Moderator Nick Hartmann vom SF hat heute morgen Passanten in der Promenade interviewt und sie gefragt, was ihnen an Gstaad nicht gefällt... Seht selbst!

Erliegt die Alterspolitik der bürokratischen Arterienverkalkung?

Es wird viel gebaut in unserem Land. Die öffentliche Hand scheint in Spendierlaune und stampft unzählige Kulturbauten, Megastadien und sonstige Gebilde aus dem Boden. Alles wichtig und richtig, zweifellos. Und doch geht in all diesem Schaffenseifer etwas vergessen: Was passiert mit den Alten, die an diesem produktiven Prozess nicht mehr teilhaben können? Nun, da verschliesst sich die gebende Hand zur Faust. Investieren in ein Altersheim will keiner; jedenfalls noch nicht. Das könnte sich jedoch rasch ändern, denn unsere Gesellschaft wird innert Generationenfrist massiv überaltert sein. Bereits heute ist jeder sechste Einheimische über 65 Jahre alt.

Kampf der Karossen

In unserem papierenen Schwesternblatt hat kürzlich ein langjähriger Gast des Saanenlandes seinem Missmut Luft gemacht und sich über das schlechte Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln beklagt. Es ist nicht zu leugnen: Die Zugverbindungen von und zu unserem Ländli sind nicht die Besten, es müssen mitunter lange Wartezeiten in Kauf genommen werden. Das Bild präsentiert sich nicht anders, will man mit dem Postauto in die Täler fahren. Doch das Problem stellt sich nicht nur für Gäste. Gerade auch das arbeitende Fussvolk, welches der hohen Immobilien- und Mietpreise wegen oft dazu gezwungen ist, den Wohnsitz weiter weg zu verlegen, wünschten sich bessere Verbindungen.

Zieht Johnny Hallyday bald nach Monaco?

In den letzten Monaten (über-) hitzig diskutiert, spekuliert und gar belächelt: Johnny Hallydays Tauzieh-Spiel (oder besser Versteckspiel) um seine Steuern, welches in der internationalen Presse hohe Wellen geworfen hat. Frankreichs Neo-Präsident Nicolas Sarkozy hat im Wahlkampf versprochen, die Steuern für gut betuchte Bürger der République zu senken. Ob er's tatsächlich tun wird, steht in den Sternen; aber ein paar (prominente) Wählerstimmen hat's ihm bestimmt eingebracht: Hallyday hat mit der gesamten Polemik (im Richtigen Moment, notabene) um seine Steuerflucht nach Gstaad nämlich das Seine beigetragen und seinem guten Freund Le Président einen Schub in Richtung Elisée verpasst.

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