Von Sigi Amstutz
Vielleicht erinnern Sie sich noch an das, was am Freitag, 11. April los war: Solidaritätskundgebung für Bundesrätin Widmer-Schlumpf auf dem Bundeshausplatz in Bern. 10 000 Menschen sollen es gewesen sein – aber vielleicht gehören ja kritische Menschen nicht zum so genannten «Volk». Und was bringt die «Sonntags-Zeitung» zwei Tage später auf ihrer Frontseite? Ein Grossbild von Hakan Yakin, sichtlich mitgenommen sieht er aus, bleich. YB hat nämlich gegen GC verloren, der Meisterschaftstitel ist in Gefahr, eine ernste sportliche Bedrohung liegt vor …. Von der Demo aber kaum ein Wort, dafür – auf Seite 3 – ein (einseitiger) Kommentar von Christoph Blocher zur Demo. Wie das tönt, beschreibe ich nicht. Als Abonnent der «Sonntags-Zeitung» denke ich: aber, aber! Setze mich hin, schreibe dem Chefredaktor einen geharnischten Brief, werfe ihm eine miserable journalistische Leistung vor. Unerwartet und zu meiner Freude kommt einige Tage später eine Antwort, deren Schluss lautet: «Tatsächlich haben wir bei dieser Thematik die Perspektive der Demo-Teilnehmer nicht berücksichtigt – dem Ärger oder der Wut vieler Bürger über die SVP keinen Ausdruck verliehen. Das ist im Nachhinein gesehen ein Manko.» Unterzeichnet von einem Herrn namens Andreas Durisch, Mitglied der Chefredaktion. Warum ich das erzähle? Etwas verschweigen, sich zu einem Ereignis nicht äussern, es nicht erwähnen, kann sehr politisch sein.