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Die Molkerei Gstaad kann bauen

Di, 18. Sep. 2018
Visualisierung des Neubauprojekts im Büdemli VISUALISIERUNG: ZVG

Nach vielen Jahren der Planung liegt nun die rechtskräftige Baubewilligung für den Neubau vor. Der Bau umfasst die Milchannahme, die gesamte Produktion sowie das Lager. Baubeginn soll noch diesen Herbst sein, die Inbetriebnahme ist im Frühling 2020 vorgesehen.

ANITA MOSER
Die Genossenschaft Molkerei Gstaad hat nach vielen Jahren der Planung und auch ein paar Rückschlägen die letzte Hürde genommen. Die Einsprachen gegen das Neubauprojekt an der Lauenenstrasse, gleich anschliessend an den Werkhof der Firma Bauwerk AG, konnten bereinigt werden, im April 2018 hat der Gemeinderat von Saanen den Gesamtbauentscheid gefällt. Während der Einsprachefrist gingen beim Kanton keine Beschwerden ein, das Projekt kann somit realisiert werden.

Fünf Einsprachen
Fünf Einsprachen waren gegen das Neubauprojekt eingegangen. «Die Einsprecher hegten Befürchtungen wegen Lärm, wegen zusätzlichem Verkehr, Geruchsemissionen sowie Licht in der Nacht», erklärt Geschäftsführer René Ryser. «Wir nehmen morgens um vier Uhr den Betrieb auf, deshalb gab es gewisse Befürchtungen, dass das störend sein könnte.» Mit zwei Parteien habe man sich einigen können respektive man habe gewisse bauliche Anpassungen gemacht, um die Emissionen zu reduzieren. «Anders als ursprünglich geplant wird die Milchannahme zur Lauenenstrasse hin geschlossen, eine Betonmauer mit einer Holzverbauung verschönert und mit einer Begrünung sollen die Lichtemissionen reduziert werden.»

Verkürzte Annahmezeiten
Um den Lärm zu reduzieren, werden zudem die Milchannahmezeiten verkürzt, insbesondere an den Wochenenden. Annahmebeginn ist neu ab 6.30 anstatt 6.15 Uhr und an den Wochenenden ab 6.45 Uhr. «Es sind nicht grosse Anpassungen, aber wir können bei 71 Lieferanten die Milchannahme nicht später in den Morgen verlagern.» Etwa die Hälfte der Lieferanten bringt die Milch täglich, jene mit einem Tank bringen ihre Milch jeden zweiten Tag. «Wir möchten, dass möglichst viel Milch in Tanks angeliefert wird. Aus Lärmschutz-, aber auch aus Qualitätsgründen», betont René Ryser. Gemäss Vorschrift muss die Milch in den Tanks innerhalb von zwei Stunden von 37 auf 8 Grad gekühlt werden. Milchtanks hätten eine integrierte Kühlung, deshalb kann die Milch schneller gekühlt werden und muss nur jeden zweiten Tag abgeliefert werden. Weniger strenge Vorschriften gelten für jene, die ihre Milch täglich bringen – also für die Lieferanten mit Milchkannen. Die Milch wird mit fliessendem Wasser gekühlt, sie darf bei Anlieferung maximal 18 Grad haben.

Ein Zweckbau
Der Neubau ist ein – teils mit Zwischenboden – eingeschossiger Zweckbau für die An- und Auslieferung, Produktionsund Lagerräume, technische Einrichtung sowie ein Büro für den Fabrikationschef. «Es wird keine Schaukäserei geben», betont Ryser. «Der Bau hat einen hohen Anteil an Holz und wir werden den Heizölverbrauch um etwa 90% reduzieren. Der Grundbedarf wird mit einer Schnitzelheizung abgedeckt.» Eventuell gebe es noch eine Fotovoltaikanlage, allerdings nur für den Eigengebrauch.

Höhere Kosten
Die anfangs geplanten Kosten von 8 bis 9 Millionen Franken können gemäss Genossenschaftspräsident Jürg Romang nicht eingehalten werden. Das Projekt ist neu auf 10 bis 11 Millionen Franken veranschlagt. Anders als ursprünglich geplant werde man die bereits 30-jährige Käsereieinrichtung nicht zügeln, sondern praktisch alle Geräte neu anschaffen. «Wir werden einen grösseren Käsefertiger haben, damit kann man pro Charge mehr Milch verarbeiten und Reserven schaffen», erklärt Ryser. «Eventuell müssten wir dann am Sonntag nicht mehr käsen, das käme neben den Mitarbeitern auch den Nachbarn entgegen.» Lagerkapazität für die am Sonntag angelieferte Milch sei vorhanden. «In unserer Branche ist es mittlerweile fast üblich, auf die Sonntagsfabrikation zu verzichten», sagt Ryser und ergänzt: «Für Rohmilchkäse muss die Milch täglich verarbeitet werden. Die Molkerei Gstaad erhitzt die Milch jedoch vor der Verarbeitung, von dem her wäre eine Sechstagewoche in der Produktion möglich.»

Die Finanzierung gesichert
Die Finanzierung ist gesichert, die höheren Kosten haben an der Genossenschaftsversammlung vom 4. September keine Fragen aufgeworfen. «Ein grosser Teil sind Eigenmittel», erklärt Jürg Romang. Daneben gibt es einen Investitionskredit – ein zurückzahlbares zinsloses Darlehen – von der Bernischen Stiftung für Agrarkredite sowie Subventionen von Bund, Kanton und Gemeinde im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben. «Im Moment ist kein Bankkredit vorgesehen», so Romang. Die Genossenschaft Molkerei Gstaad stehe auf soliden finanziellen Beinen.

Baubeginn ist noch diesen Herbst, die Inbetriebnahme ist im Frühling 2020 geplant.

Der Laden bleibt offen
«Mit dem Neubau werden im bisherigen Gebäude viele Räumlichkeiten frei und wir müssen uns überlegen, was mit diesen respektive mit dem ganzen Gebäude geschehen soll», sagte Jürg Romang vor Jahresfrist. Das Haus – es ist im Besitz der Genossenschaft – ist über 50-jährig und renovationsbedürftig. «Wir sind auf dem gleichen Stand wie vor einem Jahr», erklärt Romang. Man habe Ideen und es gebe auch Kaufinteressenten. «Wir sind nicht unter Druck. Wenn es eine sinnvolle Lösung gibt, bieten wir sicher Hand, wir können uns aber auch vorstellen, selber etwas zu realisieren. Letztlich ist es eine Frage der Kosten.» Den Laden werde man aber auf jeden Fall bis auf Weiteres weiterbetreiben.

Fokus auf dem Inlandmarkt
Hauptstandbein der Molkerei Gstaad ist die Käseproduktion und diese soll etwas ausgeweitet werden: mit anderen Produkten – wie beispielsweise Gstaader Bergkäse aus reiner Simmentaler Milch – und mit dem Erschliessen neuer Märkte. Bezüglich Export sei es ein Abwägen der Chancen und Risiken. «Wenn wir Käse exportieren wollen, bewegen wir uns in einem anderen Preissegment, als wenn wir ihn im Inland verkaufen», so Ryser. Auf Teufel komm raus Käse zu produzieren und ihn günstig zu verschleudern, sei gefährlich. Kurzund mittelfristig könne es funktionieren, langfristig sei es aber ein Risiko. «Wenn wir Milch verarbeiten, können wir 18 Rappen Verkäsungszulage generieren, das heisst, es wird für den Bauern den besseren Milchpreis geben», so Ryser. «Die Frage ist, was wir mit dem Käse machen. Wenn wir ihn zu tieferen Preisen absetzen müssen, kommen wir längerfristig mit dem gesamten Sortiment unter Druck. Deshalb wäre es schön, wenn man den Inlandmarkt ausbauen könnte.» Diesbezüglich sieht Ryser Potenzial. In den letzten zehn Jahren habe man bei einzelnen Grossverteilern Marktanteile verloren, welche zurückerobert werden müssen. «Der Verdrängungskampf ist gross», so Ryser. «Wir machen ein Produkt, das sehr viele Käsereien machen, die Vielfalt an Halbhartkäse ist riesig.» Das heisst: dranbleiben, die Qualität hochhalten und Überzeugungsarbeit leisten.

 

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