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Spiegelhaus: Die Freude überwiegt

Di, 26. Mär. 2019
Nach dem grossen Besucheransturm ist jetzt wieder Ruhe eingekehrt rund um das Spiegelhaus «Mirage Gstaad». Das Kunstwerk steht für zwei Jahre in der Gruben, danach wird es zurückgebaut. FOTO: BLANCA BURRI

Die Geduld der Anwohner von «Mirage Gstaad» war in den letzten Wochen arg gefordert. Die enorme Resonanz für das Spiegelhaus des amerikanischen Künstlers Doug Aitken führte zu einem Besucheransturm, der erst einmal alle überrumpelt hat. Aber die Verantwortlichen der Luma-Stiftung reagierten rasch und fanden Lösungen. Nun überwiegt wieder die Freude über das Kunstwerk.

SABINE REBER
Das Spiegelhaus von Gstaad ging in den letzten Wochen um die Welt. In der Presse und in den sozialen Medien war das Echo enorm. Und das hatte natürlich Auswirkungen. Zeitweilig kamen so viele Besucher auf einmal, dass in der Umgebung ein Verkehrschaos entstand. An manchen Tagen konnten die Anwohner kaum mehr zu ihren Häusern gelangen, weil die Autos von Kunsttouristen und Neugierigen alles verstellten.

Bei der Gemeinde Saanen ebenso wie Gstaad Saanenland Tourismus (GST) sind daraufhin Reklamationen eingegangen. Auch bei der Luma Foundation, die für das Glashaus verantwortlich ist, wurde man auf das Problem aufmerksam, und es wurde alles unternommen, um möglichst unkompliziert und rasch Lösungen zu finden.

Fussweg von Station Gruben
Gegenüber dem «Anzeiger von Saanen» sagt Luma-Kommunikationschefin Sandra Roemermann: «Es ist uns bewusst, dass die hohe Anzahl von Besuchern für die Anwohner Probleme bereitet – gerade die, die unsere Hinweise ignorieren und die Absperrungen aus dem Weg räumen oder einfach drüberfahren.»

Die Organisatoren hatten immer klar kommuniziert, dass es keine Parkmöglichkeiten beim Kunstwerk gibt, sondern dass die Autos nur am Bahnhof Schönried abgestellt werden können. Stets wurde empfohlen, mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen, wobei der kürzeste Weg über die Bahnstation Gruben führt. Dieser Weg ist auch von Anfang an ausgeschildert und kommuniziert worden.

Die Verantwortlichen der Luma-Stiftung betonen, dass sie regelmässig mit der Gemeinde und der Polizei in Kontakt sind, um Verkehrsprobleme zu verhindern. Roemermann: «Deshalb hatten wir in den letzten Wochen zusätzlich Security-Personal eingestellt, um die Lage in den Griff zu bekommen. Da es sich ja jetzt um das Ende der Saison handelt, rechnen wir nun mit weniger Zulauf an der Installation, sodass die Security nicht mehr nötig sein wird. Die Kosten dafür sind ausserdem sehr hoch und für eine gemeinnützige Stiftung auf Dauer nicht zu tragen.»

Eine riesige Chance für Gstaad
Öffentliche Gelder wurden dafür keine beantragt. Toni von Grünigen, Gemeindepräsident von Saanen, bestätigt: «Die Gemeinde hat sich in keiner Weise finanziell beteiligt am Spiegelhaus. Das Projekt inklusive Verkehrsdienst und Sicherheitsleute wird komplett privat finanziert.»

Der Gemeindepräsident sagt, die Verkehrssituation habe sich nun beruhigt. Toni von Grünigen: «Der Verkehr war für die Anwohner wirklich ein Problem. Aber seit die Security-Leute vor Ort sind, ist Ruhe eingekehrt. Nun überwiegt wieder die Freude. Wir erhalten sehr viele positive Rückmeldungen über das gelungene Kunstwerk!»

Auch GST-Chef Sébastien Epiney lobt: «Dieses Kunstwerk ist eine riesige Chance für Gstaad, weil es etwas Einzigartiges ist.» Er sagt, aus touristischer Sicht sei er sehr froh, dass im Bezug auf die zeitweiligen Verkehrsprobleme nun eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte: Die Verkehrsregelung durch klare, deutliche Beschilderung, die jeweils zur Hauptsaison durch Security-Personal unterstützt wird. Epiney: «Die Installation stellt einen wirklichen Mehrwert für die Destination dar, aber sie darf natürlich nicht zum Problem für die Anwohner werden.»

Eine Ausnahme für die Kunst
Manche Kritiker haben sich ausserdem daran gestört, dass ein solches Bauwerk in der Landwirtschaftszone errichtet werden durfte. Dazu sagt der Gemeindepräsident: «Wir haben das klar geregelt und zugunsten der Kunst für eine beschränkte Zeit eine Ausnahme bewilligt.

Das Gesuch wurde auch mit den Fachstellen wie Vogelwarte Sempach und Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) abgesprochen und vom Kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) gutgeheissen.Nach zwei Jahren muss das Spiegelhaus komplett zurückgebaut und das Feld wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden.»

Insgesamt überwiegt die Freude über den riesigen Erfolg, der für die gesamte Destination positiv in die Welt ausstrahlt. Oder wie es Epiney formuliert: «Gstaad ist Kunst. Neben den zahlreichen festen Institutionen wie Museen und Galerien gibt es hier immer wieder bedeutende vorübergehende Installationen oder Happenings, oft in freier Natur.»

Eines dieser internationalen, hochkarätigen Kunstevents ist die «Elevation 1049», in deren Rahmen Anfang Februar dieses Jahres auch das Spiegelhaus «Mirage Gstaad» eingeweiht wurde. Dieses wird nun zwei Jahre lang in Gstaad bleiben. Epiney schwärmt: «Die Touristen sind grösstenteils begeistert, viele äussern sich positiv in den sozialen Medien.» Er sagt aber auch, er sei sich bewusst, dass manche Bewohner der Gemeinde zum Teil skeptisch seien: «Einige Leute finden, der Winterwanderweg habe auch ohne Skulptur genügend Frequenzen. Andere Bewohner wiederum finden die Konstruktion gelungen und empfinden sie als harmonische Interaktion zwischen Kunstwerk und Natur.» Im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen» resümiert der Tourismusdirektor, insgesamt würden die positiven Reaktionen bei weitem überwiegen, und bei den Gästen wie auch bei sehr vielen Einheimischen sei die Begeisterung über das gelungene Kunstwerk enorm. Auch Künstler Doug Aitken freue sich sehr über das grosse Echo, das sein Spiegelhaus in Gstaad auslöste, lässt die Luma-Kommunikationsfrau ausrichten. Nun hat er diese Woche ein neues virtuelles Haus unter dem Titel #Riothouse ins Netz gestellt. Es kann auf dem Instagramaccount des Künstlers @dougaitkenworkshop besucht werden.

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