Aufschwung in Knollenform

Fr, 13. Sep. 2019
Hanspeter Reust, Hanspeter Dänzer, Toni von Grünigen, Thomas Frei und Flurin Riedi FOTOS: SARA TRAILOVIC

Die Gstaad Marketing GmbH will das 30 Seelendorf Abländschen mit der Vermarktung von lokal produzierten Kartoffeln unterstützen und dem Gasthaus Weisses Kreuz ein frisches Konzept verleihen.

SARA TRAILOVIC
Wie angekündigt trafen sich am 9.9. um 9 Uhr Projektleiter, Landwirte und Spitzenköche im wildromantischen Bergdorf Abländschen zur Kartoffelernte. Genauso wichtig war jedoch die anschliessende Degustation der wertvollen Knollen, welche zusammen mit einer eigens für das Projekt produzierten Wurst serviert wurden.

Erste Ernte
Am 96. Vegetationstag setzten Adrian Krähenbühl und Matthias Engimann den ersten Stich in «den höchstgelegenen Kartoffelacker des Berner Oberlands», wie es Projektleiter Hanspeter Reust formulierte. Tatsächlich waren die Knollen der beiden Sorten Annabelle und Désirée bereits zu stattlicher Grösse herangereift, was dem guten Boden und dem warmen Wetter zu verdanken war.

Hanspeter Dänzer, Pächter und Bewirtschafter der Kartoffelfelder, hatte die Wurzeln in seinem Keller vorkeimen lassen, bevor im vergangenen Juni 400 Kilogramm Kartoffeln auf einer Fläche von zwei mal vier Aren in den Boden gesetzt wurden. Wie gross die effektive Ernte schlussendlich ausfallen werde, könne er noch nicht sagen, so Dänzer. Der gute Boden und das warme Wetter lassen jedoch hoffen, dass die erwarteten 2500 Kilogramm erreicht werden.

Kartoffeln in den Bergen
«Kartoffeln sind für uns bis jetzt ein Hobby, für viele Regionen der Welt aber matchentscheidend», sagte Gemeindepräsident Toni von Grünigen (selber Landwirt) gegenüber dem «Anzeiger von Saanen». Das Wissen zur Kultivierung der wertvollen Knolle sei in den Bergregionen etwas verloren gegangen, weil man für den grossen Markt nicht konkurrenzfähig sei. «Ich sehe im Kartoffelanbau durchaus Potenzial als Nischenprodukt für die Gastronomie.»

Genau diesen Plan stellt Thomas Frei, Betreiber des Bernerhofs Gstaad, für das Berghaus Weisses Kreuz in Abländschen vor: «Das Ziel ist, so viele lokale Produkte wie möglich auf der Speisekarte zu haben.» Dadurch, dass die nächstgelegene Molkerei in Jaun zum Greyerzerland gehöre, gebe es hier ortseigene Milch, eine Spezialität. «Nebst Fleisch, Käse und Kartoffeln ist auch der Anbau von anderen Gemüsesorten geplant», so der ideenreiche Gastronom.

Unterstützung für Abländschen
Doch das ist nur eine Seite der Medaille. «Für uns als Gemeinde ist es ein grosses Anliegen, Seitentäler zu unterstützen», teilte der Gemeindepräsident der versammelten Gesellschaft mit. «Für die Einwohner ist es eine Chance und Herausforderung, einmal etwas Ungewohntes anzupacken.»

«Nach zweieinhalb Monaten im Amt habe ich bereits gewisse Eigenheiten der Region herausspüren können», so der Geschäftsleiter GST, Flurin Riedi. Darunter seien Genuss-, Gourmet- und auch Agrotourismus. Dinge wie eigene «Härdöpfel» mit eigener Wurst passten insofern sehr gut zu den hiesigen Werten. «Ein Leuchtturmprojekt wie dieses kann die Destination in die Welt hinaustragen und Abländschen beleben», äusserte sich Riedi, währendem Sternekoch André Jaeger seine Wurstkreation auf den Grill legte.

Mit Wurst – währschaft und gut
Die Kartoffeln wurden im Anschluss in Bergwasser ohne Salz gekocht. «Damit das volle Aroma zur Geltung kommt», erklärte André Jaeger den Anwesenden. Dazu servierte er eine Wurst, die er in Zusammenarbeit mit Robert Bratschi kreiert hatte. Der Mitinhaber der Buure Metzg AG tüfftelte lange an der Kalbswurst. «Ich bin absolut begeistert vom Ergebnis. Unsere Wurst kommt der St. Galler Bratwurst in Sachen Look und Geschmack sehr nahe, ohne ein Prozent Schweinefleischanteil.

Die «André-Jaeger-Wurst» wird in der Buure Metzg in zwei Formen über die Fleischtheke gehen und an der Gstaader Messe als Alternative zu Raclette als Beilage zu den Abländschner Kartoffeln dienen. Für ein drittes Erdapfelgericht sorgt der laufende Jungkochwettbewerb. «Den Jungköchen steht je ein Warenkorb mit regionalen Fleisch- und Milchprodukten zur Verfügung», so Mitinitiator Hanspeter Reust. Eine Fachjury wird sich in nächster Zeit für ein Gewinnergericht entscheiden.

Echo vorhanden
Die Wahl der Kartoffelsorten fiel einerseits auf Annabelle, welche schnell wächst und somit zur kurzen Vegetationszeit in den Bergen passt. Daneben wird auch Désirée geerntet. «Eine Sorte, die der Konsument vor allem als Rösti kennt und liebt», erklärte Landwirt Adrian Krähenbühl, der bei der Kultivierung mitanpackt. «Es ist ein agronomisches Experiment», sagte Hanspeter Dänzer. Natürlich werde das Ganze auch etwas belächelt, doch damit müsse man eben rechnen, wenn

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