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«Orange Days» andächtig gestartet

Fr, 29. Nov. 2019
Der Moment der Stille, eingefangen an der Andacht am Montagabend in der Kirche in Saanen, bot viel Raum zum Nachdenken und zur Besinnung. FOTO: JENNY STERCHI

Mit einem Moment der Stille starteten die diesjährigen «Orange Days» im Saanenland. Der Einladung von Soroptimist Gstaad-Saanenland und den Landeskirchen des Saanenlandes zu einer Andacht in der Kirche in Saanen folgten rund zwei Dutzend Menschen.

JENNY STERCHI
Bereits im letzten Jahr starteten die «Orange Days» als Teil einer internationalen Kampagne gegen Gewalt an Frauen im Saanenland.

Tage mit Bedeutung
Dass auch in diesem Jahr die «Orange Days» am 25. November starteten und bis am 10. Dezember laufen, kommt nicht von ungefähr. Weltweit wird am 25. November, dem internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auf die bis heute andauernde Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht.

Am 10. Dezember 1948 wurde durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. An diesem geschichtsträchtigen Datum, dem heute mehr denn je Beachtung geschenkt werden sollte, enden jeweils die «Orange Days.

Gewalt als Auswuchs des Alltags
Christa Cairoli, Präsidentin von Soroptimist Gstaad-Saanenland, eröffnete mit ruhigen, aber festen Worten die Abendandacht am Montagabend in der orange beleuchteten Kirche in Saanen. Inhalt ihrer Worte waren Auszüge aus der Jahresstatistik über häusliche Gewalt im Kanton Bern, verfasst von der Berner Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt.

Danach muss die Polizei im Kanton Bern bis zu 1060 Mal wegen häuslicher Gewalt eingreifen. Eine erschreckende Zahl vor dem Hintergrund, dass dies drei Einsätze pro Tag bedeutet.

Die Formen der Gewalt lassen an einer hoch entwickelten Gesellschaft zweifeln. Dass die Opfer mit Schirmen, Stangen, Gürteln oder Bügeleisen traktiert werden oder sogar vor Waffengewalt nicht Halt gemacht wird, macht sprachlos. Christa Cairoli berichtete von verwüsteten Wohnungen und zertrümmertem Mobiliar, in denen die Einsatzkräfte beim Eintreffen die Opfer vorfänden.

Schon hier stellt sich dem Zuhörer die Frage, wieviel die Würde des Menschen heute eigentlich noch wert ist.

Eine weitere erdrückende Tatsache ist die Zahl der betroffenen Kinder. Im Jahr 2017 waren bei mehr als der Hälfte der Polizeieinsätze Kinder betroffen. Entweder erlebten sie selber Gewalt oder mussten menschunwürdigem Verhalten zusehen. Es passiert nicht weit weg von uns. Es ist die Statistik des Kantons Bern.

Erlebnisbericht lässt frieren
Nach einem Moment der Besinnung, die von Roland Neuhaus an der Orgel begleitet wurde, trug Past Präsidentin Ursula Breuninger aus dem Magazin «Wir Eltern» einen Erfahrungsbericht einer Frau vor, die darin erlebte Gewalt mit all ihren schrecklichen Details schildert. Die Betroffenheit unter den Menschen in den Kirchenbänken war beinahe spürbar.

Ein Mann ergreift das Wort
«Ich stehe hier als Mann und schäme mich», begann Pfarrer Bruno Bader anschliessend seine Ausführungen zum vorher Gehörten. Er sprach von einer gewissen Orientierungslosigkeit der Männer in der modernen Gesellschaft. Mit der Abschaffung des Patriarchats hätten sich in vielen Gesellschaften die Rollenbilder
gewandelt. Dies sei keineswegs als Legitimation von Gewalt zu verstehen. Eine Erklärung zu finden, ersetze nicht, gegen gewalttätiges Verhalten vorzugehen. «Vielmehr schäme ich mich aber für eine Gesellschaft, die Hilfsbedürftige und Schwache in ihrer Not alleine lässt.» Mit diesen Worten fasste Bader seine Blick etwas weiter. Er schloss mit den Worten: «Jedes Wesen auf der Welt verdient es, respektiert und geachtet zu werden.»

Alles auf Orange
Während sich im letzten Jahr 34 Schweizer Klubs von Soroptimist International an den «Orange Days» beteiligt hatten starteten in diesem November 46 in diese Aktion. Die Beleuchtung, die neben dem Gstaad Palace und der Kirche Saanen auch das Schloss Blankenburg in oranges Licht taucht, ist ein Mittel, mit dem schweizweit die Beteiligung an dieser Kampagne signalisiert wird. Auch das Berner Münster und der Rheinfall bei Schaffhausen hüllen sich in den kommenden Tagen in oranges Licht.

Franziska Brändli, Mitglied bei Soroptimist Gstaad-Saanenland, erklärte beim anschliessenden Austausch in der benachbarten Kapelle, dass das Interesse an der orangen Kampagne im Vergleich zum letzten Jahr deutlich gewachsen ist. «Die Tendenz der teilnehmenden Klubs und der geplanten Aktivitäten während dieser Tage Ende November ist eindeutig steigend», freute sich Brändli, während sie Fotos von einer kilometerlangen Lichterkette entlang des Zugerseeufers zeigte.

Entgegen allen Vermutungen sei es, so Franziska Brändli, auf dem Land einfacher, Aktionen zu organisieren und Beleuchtungen zu installieren als in der Stadt. «Die Netzwerke im ländlichen Raum sind dichter und funktionieren besser», lieferte sie die Erklärung.

 

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