Der Verzicht ist absolut nachvollziehbar

Di, 14. Jan. 2020

Zum Leserbrief «Die Begründung gibt sehr zu denken» von Jürg Morant im AvS vom 10. Januar. Der Wirkstoff Oxycodon, aus welchem die Herstellerfirma Purdue Pharma seit 1996 ihr Medikament Oxycontin produziert und vertreibt, ist mitverantwortlich für den grössten Schmerzmittelskandal in der US-Geschichte. Mitgliedern der Familie Sackler gehört Purdue Pharma. Es gab noch nie so viele Drogentote wie in den letzten Jahren. 2017 starben in den USA 70’200 Menschen an einer Überdosis, 47’700 davon an Opioiden wie Oxycodon. 1,7 Millionen Menschen sind süchtig und von den 400’000 Todesfällen, die seit 1999 durch Opioide verursacht wurden, sind 54 Prozent auf verschreibungspflichtige Medikamente zurückzuführen. In Anbetracht dieser traurigen Tatsachen ist Jürg Morants Aussage «auch wenn der Tod von 400’000 Süchtigen in der Tat tragisch ist, sie alle haben die Eigenverantwortung nicht wahrgenommen und sind auf illegalem Weg an Oxycontin gelangt», zynisch, grotesk und falsch. Jeder, der sich ein wenig mit diesem Skandal auseinandergesetzt hat, weiss um die äusserst aggressiven und zweifelhaften Vermarktungsmethoden der betroffenen Pharmafirmen. Ärzte wurden mit allen möglichen Zuwendungen dazu ermuntert, mehr Schmerzmittel zu verschreiben.

Viele Institutionen wollen verständlicherweise Gelder, welche unter anderem aus dieser Geschäftspraxis erwirtschaftet wurden, nicht mehr annehmen. Darunter befinden sich die New Yorker Museen Guggenheim und Metropolitan Museum of Art, oder die britischen Tate-Museen. Zum einen, weil sie es als unethisch erachten, zum anderen, weil sie nicht in Verbindung mit diesem Skandal gebracht werden wollen. Es ist deshalb absolut nachvollziehbar und logisch, wenn der Verwaltungsrat des Menuhin Festivals sich entschieden hat, auf die Sackler-Gelder zu verzichten. Allenfalls muss er sich die Frage gefallen lassen, warum er sich erst jetzt dazu durchgerungen hat.

ÇETIN KÖKSAL, MASSONGEX UND SAANENMÖSER

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