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Musikalische Entdeckungen unterschiedlicher Art

Di, 07. Jan. 2020
Pianistin Natalia Morozova (links) und Sopranistin Lisette Oropesa. FOTOS: ILLYRIA PFYFFER

Im Rahmen des 14. Gstaad New Year Music Festivals musizierte letzten Donnerstag die Sopranistin Lisette Oropesa mit der Pianistin Natalia Morozova. In der Kirche von Rougemont gaben sie Werke vom Barock bis in die Spätromantik zum Besten. Am Freitag konzertierte die zwölfjährige Alexandra Dovgan mit einem Klavierrezital in der St.-Niklaus-Kapelle in Gstaad.

ÇETIN KÖKSAL
Wann ist Ihnen zum letzten Mal vor Überraschung der Atem stillgestanden? Auch häufige und passionierte Konzertgänger werden zustimmen, dass dies ziemlich selten zu erleben ist. Es passiert nur dann, wenn die Erwartungshaltung um ein Vielfaches übertroffen wird. Von bekannten Stars erwartet man immer Höchstleistungen – und wird somit öfters auch enttäuscht. Sitzt man hingegen im Konzert eines kleinen Musikfestivals, wo man die Namen der Künstler vielleicht noch nie gehört hat, ist der Überraschungseffekt umso intensiver.

So erging es den Zuhörern von Lisette Oropesa und Natalia Morozova in der Kirche Rougemont. Bereits beim Einstieg mit Händels «V’adoro pupille» (Ich vergöttere euch, Augen) aus Giulio Cesare berührte das warme Timbre der Sopranistin. Es folgten Lieder von Schubert und Schumann, wo der Zuhörer die unglaublich facettenreiche Stimme der Sängerin erleben durfte. Sehr harmonisch war das Zusammenspiel mit der Pianistin Morozova, welche es vorzüglich verstand, auf die Sopranistin einzugehen. Nie war das Klavier zu laut oder zu leise, zu dominant oder zu zögerlich. Mit souveräner Technik und fein abgestimmter Musikalität überzeugte die Pianistin während des ganzen Konzertabends. Neben den überragenden stimmlichen Qualitäten verstand es Oropesa zudem, mit der genau richtigen Dosis Schauspielerei den Stücken auch mimisch und gestisch Ausdruck zu verleihen. Die Opernsängerin hauchte damit nicht nur der Arie «Come dolce all’alma mia (Wie süss ist doch der Klang deiner Stimme für meine Seele) aus Rossinis «Tancredi» zusätzliches Leben ein – nein, auch Debussys «Romance», «Beau soir» und «Noël des enfants qui n’ont plus de maison» durfte das Publikum nicht nur hören, sondern auch sehen. Die Schauspielerei war aber dennoch den familiären Dimensionen der Kirche Rougemont angepasst. Mit der Zarzuela «De España vengo» von Luna Carné liess man sich gerne von den beiden Musikerinnen ins leidenschaftlich feurige Spanien entführen. Nach den drei Liedern der Ophelia von Richard Strauss beschlossen Lisette Oropesa und Natalia Morozova den Konzertabend amüsant mit der Gavotte und Air No. 17 aus Jules Massenets Oper «Manon».

Zukünftige Starpianistin?
Grigory Sokolov hält sehr viel von der erst zwölfjährigen Alexandra Dovgan und sagt ihr eine grosse Zukunft voraus. Nun konnten die Zuhörer hier selbst einen Ausschnitt ihres beeindruckenden Könnens erleben. Das konzentrierte Mädchen begann ihr Rezital mit Beethovens «Pathétique»-Sonate. Wie es der Name sagt, bringt der Komponist darin – vereinfacht ausgedrückt – die Schwere, die Tragik und die unschönen Seiten des menschlichen Lebens zum Ausdruck. Obwohl die noch sehr junge Pianistin eine bereits bemerkenswerte musikalische Reife zeigte, fragte man sich, ob es denn nicht früh genug wäre, wenn sie sich etwas später diesem gewichtigen Werk widmen würde. Wer tiefen Schmerz, Unglück und Verzweiflung (glücklicherweise) noch nicht erfahren hat, kann der «Pathétique» nur schwer gerecht werden. Chopins verspielte Walzer und Mazurkas passten da schon viel besser zur Jungkünstlerin. Weder liess sie sich zu rasanten Tempi noch zu anderen Übertreibungen hinreissen. Ihre Interpretation war – dem Alter entsprechend – durchdacht und ausgereift. Dasselbe galt für die verschiedenen Stücke von Rachmaninow, wobei die am Schluss gespielten Preludes den Höhepunkt ihres Konzerts markierten. Schloss man die Augen und lauschte nur der Musik, schien es einem schier unwirklich, dass diese von einem so jungen Menschen gemacht wurde. Im Wissen, dass einer solchen Leistung bereits unzählige Stunden härtester Arbeit am Instrument vorausgegangen sind, wünscht man dem begabten Mädchen, dass ihm dabei die Freude an der Musik nie vergehen möge …


EIN FLÜGEL KOMMT GEFLOGEN

2,27m lang und 435kg schwer ist dieser Konzertflügel von Steinway & Sons, der da am Helikopterseil hängt. Das aus 12’000 Einzelteilen bestehende und 135’000 Franken teure Instrument konnte am vergangenen Samstag wegen des Schnees nur auf diesem Weg auf die Terrasse des Gstaad Yacht Clubs transportiert werden. Die Ausrutsch- und damit Verletzungsgefahr für die Transporteure wäre viel zu hoch gewesen.
Zwei Tage vor dem Konzert mit Edwin Crossley Mercer und Yoan Héreau wurde dem Gstaad New Year Music Festival deshalb mitgeteilt, dass dies momentan leider der einzig mögliche Weg sei, einen Konzertflügel in den Yacht Club zu bekommen. Es hiess also, entweder das Konzert von Sonntag absagen oder einen Helikopter bestellen. Das Gstaad New Year Music Festival entschied sich für die spektakuläre Variante.

ÇETIN KÖKSAL

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