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Klimawandel und Nachhaltigkeit heiss diskutiert

Fr, 06. Mär. 2020
Gut aufgelegte Referenten am Impact-Investing-Anlass der Crédit Suisse.

Ein Solarauto, ein Fonds für chemie- und antibiotikafreie Fischzucht und grüne Forschungsprojekte: Qualifizierte Fachleute zeigten zukunftsorientierte Investitionsmöglichkeiten auf, die Nachhaltigkeit und Rentabilität für sich beanspruchen.

BLANCA BURRI
«Ich habe eine Woche lang freiwillig für das Projekt Sans Papier gearbeitet», eröffnete Manuel Blanco in seiner Ansprache im The Alpina Gstaad. Diese Welt habe nichts mit der Welt zu tun, in der er sonst lebe. Er hat sich dazu inspirieren lassen, in Gstaad eine Konferenz für Nachhaltigkeit durchzuführen. Für ihn sei es eine Herzensangelegenheit, so zu handeln, dass eine bessere Welt möglich sei. Bereits zum zweiten Mal organisierte die Credit Suisse (CS) am vergangenen Freitag einen Anlass, an dem nachhaltige Projekte vorgestellt und darüber diskutiert wurde. Ziel ist das sogenannte Impact Investing, also Investieren mit positiver Rendite in Verbindung mit sozialen oder umweltfreundlichen Komponenten. Manuel Blanco, der Leiter der Credit Suisse Gstaad, nimmt dabei Bezug auf den Gründer der Credit Suisse, Alfred Escher. Er hat mit seinem Projekt des Gotthardbautunnels im 19. Jahrhundert ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Schweizer Bevölkerung ausgeübt. Manuel Blanco erwähnte auch, dass im Jahr 2019 fast 20’000 Mitarbeitende der Credit Suisse knapp 200’000 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet haben. Dies sei ein Beweis für die soziale Verantwortung der Bank und jedes einzelnen Mitarbeitenden.

Klimawandel ist angekommen
Marisa Drew war einmal mehr kraftvoll und äusserst überzeugend. Bei Credit Suisse International ist sie CEO des Impact Advisory and Finances. In ihrer Rede stellte sie den Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, in den Mittelpunkt, der sich sehr früh zu nachhaltigen Investitionen äusserte, und zwar zu einem Zeitpunkt, als erst Wissenschaftler und genaue Beobachter der Natur vom Klimawandel sprachen. Sie zeigte auf, dass Klimaflüchtlinge ihre Familie und Heimat nur deshalb verliessen, weil ihnen durch die Erderwärmung die Lebensgrundlage genommen werde. «Dieser Flüchtlingsstrom wird stark anwachsen, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen.» Entgegen der älteren Generationen seien die heutigen 20-Jährigen bereit, für nachhaltige Produkte mehr zu zahlen. Weil sich die Milleniumsgeneration bewusst für Nachhaltigkeit interessiere, habe die CS ihr Anlageprogramm angepasst. Impact Investing sei bereits ab 100 Franken möglich.

Der grosse Wandel sei aber nur möglich, wenn China und Indien den CO2-Ausstoss stark reduzieren. Drew ist überzeugt, dass dies möglich ist. «Die grosse Fehler der Vergangenheit kommen in den Köpfen der grossen Firmen an.» Gegenmassnahmen würden inzwischen eingeleitet. Und hier spielten die Banken eine wichtige Rolle: «Sie müssen nachhaltige Investitionsmöglichkeiten bereitstellen!» Schliesslich leitete sie zu den Inputreferenten über, die von ausgewiesenen Fachkräften gehalten wurden.

Mehr Bäume gegen CO2
Den Start machte Justin Von Der Horn von der ETH Zürich. Er sagte: «Naturbasierte und günstige Lösungen unterstützen den Kampf gegen die Klimakrise.» Da Bäume grosse CO2-Speicher sind, will die ETH Zürich das unausgeschöpfte Potenzial für eine grünere Welt einsetzen. Durch modernste Technologie hat sie die Möglichkeiten erforscht, wo mehr Wald aufgeforstet werden kann. Sie kam zum Schluss, dass es sich um 0,9 Billionen Hektaren weltweit handelt, und zwar, ohne dass dadurch Kulturland verloren geht. Diese Massnahme würde bis zu 200 Gigatonnen Karbon speichern.

Algen für Energie
Karl Benno Nagy von der Kabena GmbH gewinnt aus dem grössten See Afrikas Energie und schafft Jobs. Seit ein paar Jahren haben sich dort nämlich Algen breitgemacht und zerstören das Leben im Wasser. Der Region würde, wenn sich die Algen weiter ausbreiten, die Lebensgrundlage entzogen. Diese Algen werden nun geerntet und durch eine Biogasanlage in Gas und Strom umgewandelt. Dadurch ist die Stromversorgung in 1,6 Millionen Haushalten gewährleistet. Das Reinigungsprogramm finanziert sich durch den Stromverkauf. Es schafft 1350 direkte und 3000 indirekte Jobs.

Unverblümt und ehrlich
Vor allem dank dem Mitbesitzer des Hotels The Alpina, Nachson Mimran, werden in Gstaad seit ein paar Jahren Nachhaltigkeitsanlässe durchgeführt. Am vergangenen Freitag beschrieb er seinen Vater als Visionär. Er habe in Nordsenegal vor 30 Jahren ein gut florierendes Unternehmen aufgebaut und vielen Leuten Arbeit gegeben. Inzwischen seien aber auch die negativen Auswirkungen spürbar und genau hier setzen Nachson Mimrans Bemühungen an. Er verfolgt mehrere zukunftsfähige Projekte, um Nachhaltigkeit und Umweltschutz einen grösseren Stellenwert zu geben. Im Moment arbeitet er an einer «grünen Wand» (The great green Wall) von Senegal bis nach Eritrea. Es geht um einen grünen afrikanischen Gürtel, der den Menschen Nahrung und Arbeit bringt. Etwa 100 Mango- und Cashew-Bäume werden pro Familie gepflanzt. Ihnen wird gezeigt, wie sie die Bäume grossziehen und pflegen sollen. Innerhalb weniger Jahren ernten sie die Früchte ihrer Arbeit und verdienen damit den Lebensunterhalt.

Der Warnfinger
Spannend war, dass die CS einen Studenten der Universität Zürich eingeladen hatte, der den Warnfinger aufhielt. Thomas Zeltner zeigte auf, dass Impact Investing in den letzten Jahren extrem stark gewachsen ist. Er meinte, dass es sich dabei vielleicht um eine Blase ähnlich der Immobilienblase handeln könnte. Zeltner stammt aus einer Bankerfamilie und studiert Wirtschaftswissenschaften. Anhand von spannenden Experimenten zeigte er auf, wie man sich mit geschickter Darstellungstaktik beeinflussen lassen kann. Er meinte: «Prüfen sie die Anlagemöglichkeiten und bleiben sie vorsichtig.»

Sechs Nachhaltigkeitsziele
Am Freitagnachmittag sprachen insgesamt elf Referenten zu sechs der 17 UNO-Nachhaltigkeitsziele. Neben den oben beschriebenen Themen ging es auch um chemie- und antibiotikafreie Fischzucht, um die grosse Herausforderung, die Schiffahrt grüner zu machen, um industrielle Proteinhersteller, um Big Data und vor allem um das Solarauto Lightyear. Es verfügt nur über eine kleine Batterie und ist deshalb halb so schwer wie der Tesla. Vor allem aber wandeln die im Dach und in der Motorhaube eingebauten Solarzellen die Sonnenenergie direkt in Elektrizität um. Vier Radmotoren treiben das Fahrzeug an. Die Autoindustrie rechnet bis 2050 mit sieben Billionen neuen Fahrzeugen. Bereits ab 2035 will Lightyear serienmässig produzieren und somit kräftig beim stark wachsenden Markt mitmischen. Referent Johan Vos wies auf die Unsinnigkeit der Erstellung von vielen Batterien hin. Sie seien für die Ausbeutung von Menschen verantwortlich, die nach seltenen Erden suchten. Auch sei das bereitstellen von Tausenden Elektrotankstationen unnötig. Mit Solarautos wären aus der Sicht von Ligthyear viele Probleme gelöst.

Für Tourismus wichtig
Andreas Wandfluh, Geschäftsführer Gstaad Marketing, und Patrick Bauer, Leiter Destinationsentwicklung von Gstaad Saanenland Tourismus, waren unter den Besuchern des Anlasses. Sie knüpften Kontakte und liessen sich von den vielen Ideen inspirieren. «Für die Destination Gstaad ist eine intakte Natur essenziell, da unser Tourismus vom bestehenden, ruhigen und sanften Landschaftsbild lebt», sagte Andreas Wandfluh am Rande der Veranstaltung. Aus diesem Grund liege der Destination das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. «Wir begrüssen es, wenn Leistungsträger Projekte zu solchen Themen lancieren.» Manuel Blanco und Andreas Wandfluh wollen diesen Nachhaltigkeitsevent gemeinsam weiterentwickeln. Andreas Wandfluh: «Geplant ist die Gründung einer Stiftung für die Durchführung eines jährlich wiederholenden Anlasses.»


KOMMENTAR

Chance nutzen

Gstaad kann im Kampf gegen den Klimawandel eine wesentliche Rolle spielen. Das zeigte sich an verschiedenen Anlässen im Gstaad Yacht Club und im Hotel The Alpina in den vergangenen Monaten. Dort referierten Klimaaktivisten, grüne Unternehmer, nachhaltige Startups, Wissenschaftler, Studenten und Banker im privaten Rahmen. Adressaten waren die Gäste des Saanenlandes, meist vermögende Investoren aus der ganzen Welt. Die hochkarätigen Vorträge stiessen auf grosses Interesse. Eine neue Generation der typischen Gstaader Gäste hörte gespannt zu, diskutierte kontrovers und war sich einig, dass die Welt grüner werden muss.

Für viele kritisch denkende Menschen ist es schwer nachzuvollziehen, wie Luxus mit Nachhaltigkeit zusammenpasst. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Vermögen wohlhabender Menschen in gewissen Fällen auf der Ausbeutung von armen Ländern beruht. Gstaad aber lebt seit über hundert Jahren im Spannungsfeld zwischen Arm und Reich. Es hat gelernt, damit umzugehen. Seine Stärke liegt darin, kein Aufheben um seine wohlhabenden Gäste zu machen. Im Gegenteil: Die Einheimischen integrieren sie in ihrem täglichen Leben. Sei das der Bergführer, der ihnen die unberührte Natur zeigt, oder der Landwirt, bei dem sie erstmals in ihrem Leben eine Kuh streicheln. Viele Gäste haben im Saanenland die Natur kennen- und lieben gelernt. Und nun gilt es, einen Schritt weiter zu gehen! Die junge Gästegeneration hat gemerkt, dass sie für eine prosperienende Zukunft die Segel neu setzen muss. An internationalen Nachhaltigkeitsveranstaltungen in Gstaad informieren sie sich, diskutieren und treffen Entscheidungen. Sie setzen diese Entscheidungen in ihren Weltkonzernen um und investieren in entsprechend grüne Anlageportfolio. Verbinden wir also die beiden Welten, seien wir Vorbild und Plattform für eine gesündere Welt.

BLANCA BURRI

blanca.burri@anzeigervonsaanen.ch

 

 

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