Restaurants: seit gestern wieder offen

Di, 12. Mai. 2020
Die Wiedereröffnung der Restaurants erfordert viel Innovation, wie im «Wildhorn» in Lauenen, wo die dekorierten Plexiglaswände ins Ambiente des Restaurants passen. FOTO: ZVG

Seit gestern dürfen die Restaurants unter strengen Vorlagen wieder öffnen. Das sagen die Gastgeber zur neuen Situation.

BLANCA BURRI
Am Stammtisch sitzen nur vier Gäste, das Restaurant ist halb leer. Dieses Szenario ist nicht auf zu wenig Gäste, sondern auf die Hygienemassnahmen aufgrund des Coronavirus zurückzuführen. Immerhin können die Restaurants nach acht Wochen ihre Türen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Im Hotel Kernen in Schönried zum Beispiel tranken die ersten Gäste am Montag um 7 Uhr morgens ihren geliebten Kaffee.

Trotz Einbussen offen
Viele Restaurants öffnen ihre Türen, obwohl sie befürchten, dass sie nicht gewinnbringend arbeiten können. So auch das Landhaus in Saanen. Pächter Manfred Weilguni: «Von den zwanzig Tischen im Restaurant können wir nur gerade an zehn bedienen.» Das heisse, dass er weiterhin nur das Minimum an Mitarbeitenden einsetzen werde und die Kurzarbeit weiterlaufe. Auch das Hotel Wildhorn in Lauenen ist seit gestern wieder offen. Plexiglaswände, weniger Tische und eine neue Anordnung derselben sorgen für den Mindestabstand. Ebenfalls stehen Desinfektionsmittel an verschiedenen Stationen bereit. Um bei grossem Andrang bereit zu sein, wird auch der Bankettsaal für den A-la-carte-Service eingerichtet. Im Hotel Kernen musste der hölzerne Stammtisch weichen. Auf der beliebten Sonnenterrasse gibt es auch weniger Tische, dafür hat Kernen auf einem Rasen eine weitere Terrasse aufgestellt.

Soziale Kontakte ja, aber …
«Das Bedürfnis, die sozialen Kontakte zu pflegen, ist sehr gross. Dass die Gäste die Abstandsregeln weiterhin einhalten und sich nicht von einem Tisch zum anderen setzen, wird für uns Gastgeber bestimmt herausfordernd werden», sagt Ruth Lüthi vom «Wildhorn». Auch Bruno Kernen vom gleichnamigen Hotel in Schönried ist es wichtig, dass die Regeln eingehalten werden, damit dem Virus möglichst wenig Übertragungschancen gegeben werden. «Wir müssen alle Massnahmen umsetzen und unsere Gäste, falls sie sie nicht befolgen, darauf hinweisen.» Da die meisten Menschen sensibilisiert seien, sieht er darin aber kein Problem.

Wie kommt das Essen auf den Tisch?
Das Schutzkonzept von Gastrosuisse sieht vor, dass die Servicemitarbeitenden Schutzmaske tragen dürfen, nicht aber müssen. Im Wildhorn werden die Abstandsregeln der Mitarbeitenden zu den Gästen, wenn immer möglich, eingehalten. Wenn sie Essen oder Getränke servieren, werden sie Schutzmasken tragen. Ruth Lüthi: «Wir sammeln in den ersten Tagen Erfahrungen, werten sie aus und passen unser Konzept entsprechend an.»

Finanzielle Folgen
Das Hotel Ermitage in Schönried öffnet am 20. Mai seine Türen vorerst nur für Hotelgäste. Damit stellt es sicher, dass alle Abstandsregeln eingehalten werden können. Das Huus Hotel in Saanen öffnet voraussichtlich fünf Wochen später, wie Mitbesitzer Günter Weilguni sagt. Er hofft, dass die Massnahmen bis dahin weiter gelockert werden. Dank dem Covid-19-Kredit des Bundes und der Kurzarbeit wird das Huus Hotel voraussichtlich mit einem blauen Auge davonkommen, auch weil es zu 70 Prozent auf Schweizer Gäste zählen kann. Das Huus wird dafür, wenn auch die Bergbahnen mitmachen, zwei Wochen länger, und zwar bis am 1. November offen halten. Aber die Verluste im März waren enorm. Statt der gebuchten 1670 Logiernächte hat es 370 Logiernächte verzeichnet. «Im März haben wir extrem viele Seminare, auch internationale. Diese wurden alle storniert.»

Stornierungswelle
Das Hotel Landhaus lebt im Sommer hauptsächlich von Gästen, die das Menuhin Festival besuchen. Da es erst letzte Woche abgesagt wurde, wird Manfred Weilguni im Moment mit einer Stornierungswelle konfrontiert. Normalerweise verzeichnet das Hotel im Juli und August eine Auslastung von 80 Prozent. Im Moment liegt sie bei etwas mehr als 10 Prozent. «Wir leben von den Reserven und werden dies auch weiterhin tun», so Weilguni. Wie lange diese reichen, kommt auf den weiteren Geschäftsverlauf an. «Natürlich konnten wir die variablen Kosten auf ein Minimum reduzieren, aber die Fixkosten wie die Miete bleiben gleich hoch.» Er habe das Gespräch mit der Verpächterin, der Gemeinde Saanen, gesucht, aber negativen Bescheid für eine Mietreduktion erhalten. Nun versucht das Landhaus den Sommer mit Packages zu aktivieren. «Ich glaube aber nicht, dass wir spontan so viele Gäste generieren können, dass wir die Sommersaison retten können», sagt er. Er sei kein Pessimist, betont er, nur Realist. Fakt sei, dass alle Destinationen im Moment um den Schweizer Kunden buhlen. Sein Bruder Günter Weilguni redet gar von einer Marketingschlacht um Schweizer Gäste. Je nachdem, wie lange die Abstandsregeln und die Beschränkung der Gästezahl gelten, müssten im Landhaus erste Kündigungen ausgesprochen werden. «Leider wird das schon in naher Zukunft geschehen.» Ebenfalls wird er mit flexiblen Öffnungszeiten auf die Krise reagieren.

«Die Region lebt von den Sommeranlässen, dafür ist sie von anderen Destinationen immer benieden worden», so der Landhaus-Wirt. Mit der Annullation derselben sei nun alles anders. Das Problem sei, dass die Gegend ausser den Anlässen nicht genug zu bieten habe, um zum Beispiel plötzlich als Familiendestination zu gelten. Manfred und Günter Weilguni betreiben auch ein Hotel in Flims. Dort sei der Einbruch weniger dramatisch. «Flims hat viel weniger Sommeranlässe, die Buchungen laufen im gewohnten Rahmen.»

Ob Hotels öffnen noch unklar
Nicht alle Betriebe haben den Entscheid bereits gefällt, ob sie in der Sommersaison überhaupt öffnen. Allen voran hat das Gstaad Palace die Eröffnung um einen ganzen Monat auf den 10. Juli verschoben. Es wird die Türen aber nur öffnen, wenn zumindest die Grenzen nach Europa wieder öffnen. Besitzer Andrea Scherz begründet es mit der Gästestruktur: «Das Palace hat im Sommer 25 Prozent Schweizer Gäste. Noch wenn sich diese Zahl verdoppeln würde, wäre es für uns bei Weitem wirtschaftlich nicht tragbar, das Hotel nur für den Schweizer Markt zu öffnen.» Deshalb wird die Geschäftsleitung erst Anfang Juni entscheiden. Dankbar zeigt sich Scherz, dass bisher alle Mitarbeitenden vom Virus verschont worden sind. Trotzdem sei die Situation sehr angespannt, denn noch sei unklar, was die Zukunft für den Familienbetrieb bringe. Auch im Park Gstaad ist der Entscheid noch nicht gefallen, der Prozess der Entscheidungsfindung laufe noch, informierte das Hotel. Ähnlich tönt es im The Alpina Gstaad. Voraussichtlich öffnet es am 3. Juli, vier Wochen später als geplant.

Bellevue wird öffnen
Das Hotel Le Grand Bellevue wird definitiv am 3. Juli, vielleicht sogar schon früher, öffnen. Das sind drei Wochen später als geplant. Wie im Gstaad Palace wurden auch im Bellevue aufgrund der BAG-Bestimmungen viele Events abgesagt. Wie allen anderen Hotels macht ihnen die Absage der Grossevents Bauchschmerzen, allen voran die Beach- und Tennisturniere, mit denen es eng zusammenarbeitet. «Im Moment ist der Buchungsstand für die Sommermonate recht solide, aber wir wissen natürlich nicht, ob es noch allfällige Stornierungen gibt», sagt Daniel Koetser, Inhaber des Fünfsternehotels. Da die Gäste seit Jahren zu 60 Prozent aus der Schweiz stammen, bleibt Koetser positiv und ist heute froh über diese Strategie. Froh ist er auch um den hohen hygienischen Standard, der in den Fünfsternehäusern herrscht. «Ich bin mir sicher, dass dies für das Vertrauen der Gäste förderlich ist.» Die zusätzlichen Massnahmen werden aber auch für das Le Grand Bellevue finanzielle Folgen haben.

Abschliessend kann festgehalten werden, dass sich die Gastgeber den neuen Bestimmungen innovativ und mit Elan stellen. Trotzdem freuen sie sich darauf, wenn wieder Normalität zurückkehrt. «Schliesslich bieten wir im Restaurant ein Erlebnis und keine Klinikhaus-Atmosphäre», wie Günter Weilguni sagt.


«Ich lasse mich nicht verrückt machen»

Sebastian Moser sagt, dass das Ermitage mit der Eröffnung am 20. Mai ein Zeichen setzen will.

BLANCA BURRI

Wird das Ermitage trotz Corona-Krise im Sommer öffnen?
Ja, das Ermitage wird seine Tore trotz und vielleicht auch gerade deswegen wieder öffnen. Dies auch, um ein Zeichen zu setzen, dass wir uns nach vorne bewegen und den Gästen und auch den Einheimischen einen Lichtblick schenken können.

Wann werden Sie öffnen?
Der Start ist auf den 20. Mai geplant. Nicht ganz in der Form, wie wir alle das Ermitage kennen. Denn das Hotel wird für eine gewisse Anfangsphase als reines Resort-Hotel öffnen. Dies aufgrund der Abstandsregeln, welche unsere Kapazität doch einschränken. Dies heisst, dass wir gerade unseren Stammgästen aus der Region im Bereich Restaurant, Solbad und Vitalità noch um etwas Geduld bitten müssen.

Ist das früher oder später als normalerweise?
Das Ermitage ist ein Ganzjahresbetrieb – alle unsere Dienstleistungen stehen den Gästen und den Einheimischen somit eigentlich immer zur Verfügung. Die momentane Situation hat uns aber in die Knie gezwungen und wir mussten mit Widerwillen alles herunterfahren. Nun aber schauen wir nach vorne.

Welches sind die Aussichten für die Sommersaison?
Die momentane Buchungslage stimmt uns zuversichtlich, dass wir einen passablen Sommer haben werden. Wichtig ist unser Marketing in Zusammenarbeit mit Gstaad Saanenland Tourismus. Das Ermitage lebt seit Anbeginn von Schweizer Gästen und dies ist auch für uns heute ein grosses Plus. Nach unserem heutigen Standpunkt gehen wir nicht davon aus, ausländische Gäste diesen Sommer begrüssen zu dürfen.

Wie gehen Sie allgemein mit der Corona-Krise um?
Ich persönlich lass mich nicht verrückt machen. Der Lockdown war gut und richtig. Man kann dies vorher nicht abschätzen – wer hat hier schon Erfahrung und kennt den richtigen Weg vorab. Das Wichtigste ist und bleibt die Hygiene – aber gerade in diesem Bereich haben wir in der Hotellerie und Gastronomie schon einen sehr hohen Standard. Die Abstandsregeln und Masken sind sicher noch gewöhnungsbedürftig, aber der Mensch kann sich schnell an neue Begebenheiten anpassen und wir werden auch das überstehen.

 

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