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Ist das Nachtleben im Saanenland noch zu retten?

Fr, 26. Jun. 2020
Partys, wie hier die «Bad Taste Party» im Frühling 2019, die das Eventlabel «Plauschwochenende» organisierte, finden immer wieder Anklang und bereichern das bedrohte Nachtleben im Saanenland. FOTO:ZVG

Auf der Suche nach Unterhaltung in einem Club oder nach einer Möglichkeit, tanzen zu gehen, nahm die Auswahl für die Jugendlichen im Saanenland in den vergangenen Jahren immer mehr ab. Jeunesse Saanenland und vier junge Leute, die unter dem Eventlabel «Plauschwochenende» aktiv werden, sorgen engagiert und kreativ für die Optimierung dieser Situation.

JENNY STERCHI
Ja, sicher gab es auch in der Vergangenheit Möglichkeiten, sich als Jugendliche und Jugendlicher am Wochenende ins nächtliche Vergnügen zu stürzen. Aber die Angebote sind oft nur sporadisch. So war die Beachvolleyballwoche jeweils ein beliebter Treffpunkt für alle. Anlässe mit Festivalcharakter, wie zum Beispiel das Mad Muni Festival, Gstaad alive und das Ride on Music zogen zuletzt eine grosse Menge Interessierter an. Die Corona-Pandemie riss für dieses Jahr nun auch diese Partys aus dem Veranstaltungskalender. Und dass es daneben kein breites, regelmässiges Ausgangsangebot hatte, fällt somit noch deutlicher auf. Mit dem momentan geschlossenen Chesery Club ging eine der letzten festen Grössen im Nachtleben des Saanenlandes verloren.

Mit Engagement wachgerüttelt
Nicolas Zürcher, Aline Brawand, Nick Krebs und Yannic Schwenter – die vier Kreativen hinter den «Plauschwochenende»- Events – verbrachten im Saanenland viel Zeit miteinander und verfolgten dabei die traurige Entwicklung des Nachtlebens, wobei sie nicht länger nur zuschauen wollten. Sie organisieren seit 2017 Partys, die sie in Eigenregie und in Zusammenarbeit mit hiesigen Partnern aus dem heimischen Gewerbe und der Hotellerie organisieren. «Die Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region bietet ihnen eine zusätzliche Promotionsplattform, uns dient sie als Unterstützung und den Besucherinnen und Besuchern bringt sie einen Mehrwert», erklärt Yannic Schwenter, einer der vier Organisatoren der «Plauschwochenende»-Events. «In unser Konzept möchten wir auch die Wertschöpfung für die Region einschliessen, denn das ist offensichtlich der Ursprung für ein funktionierendes Gefüge zwischen Einheimischen und Gästen», ist Bartender Yannic Schwenter überzeugt. Wenn es gelinge, die jungen Leute von weiter her ins Saanenland zu holen und sie dort zu begeistern, stünden die Chancen gut, sie auch aus touristischer Sicht für die Region zu gewinnen.

Partys aller Art
Ursprünglich wollte die Gruppe, die verschiedenste Ressourcen wie Veranstaltungstechnik, Barbetrieb, Social Media sowie Werbung und Grafik zusammenbringt – ihre Partys ausschliesslich der elektronischen Tanzmusik widmen. Sie erkannten jedoch bald, dass auch andere Partykonzepte Publikum anziehen. So wurde die Idee einer Party mit Versteigerung ebenso erfreut angenommen wie eine Oldie-Party, die mit Musik aus vergangenen Tagen ein viel breiteres Publikum anzieht. Und warum das Nachtleben nicht schon mal am Mittag starten lassen? Sie griffen auch diese Idee auf und stehen in den Startlöchern für die «Daydance - die Plauschterrasse»-Party, eine Tanzparty, bei der die Besucherinnen und Besucher morgen, Samstag, zur Musik des DJ-Duos «Animal Trainer» tanzen, feiern und sich austoben können. «Wir spüren, dass das Interesse an modernen Veranstaltungen, bei denen Jugendliche zum Feiern und Tanzen zusammenkommen, auf jeden Fall vorhanden ist», erklärt Yannic Schwenter. Das lasse die vier positiv in die Zukunft schauen und motiviere ungemein. Mit dem Eventlabel «Plauschwochenende» sei derzeit noch kein Geld zu verdienen. Dennoch investieren die Initianten viel Freizeit und Energie und sind dankbar für Unterstützung aus ihrem Freundeskreis. «Und am Ende ist es die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, die sich die Reaktivierung des Nachtlebens im Saanenland zum Ziel gesetzt haben, die Spass macht», sagt Schwenter abschliessend und deutet damit auf die Initiative von Jeunesse Saanenland hin.

Jeunesse Saanenland arbeitet an fixem Angebot
Auch der Verein Jeunesse Saanenland schaut mit Sorgenfalten auf die Entwicklung des hiesigen Nachtlebens. Sie schlossen sich 2017 zusammen, weil ihnen die Möglichkeit, die Initiative zu ergreifen besser gefiel als zuzuschauen, wie das Nachtleben zusehens verkümmert.

«Im Fokus steht für uns der Betrieb eines Nachtclubs in Gstaad, der den Einheimischen und Gastroangestellten die Möglichkeit bietet, sich zu tragbaren Preisen in den Ausgang zu begeben», erklärt Matthias Hofer. Es sei dringend nötig, eine Anschlusslösung für das derzeit geschlossene Chesery zu finden.

Wo liegt das Problem?
«Mit dem Finden einer geeigneten Lokalität ist das Rennen noch nicht gewonnen», erläutert Hofer die vielschichtige Problematik, einen Nachtclub kontinuierlich zu betreiben. Dazu komme die Frage der Finanzierung und die Schwierigkeit, einen geeigneten Betreiber mit einem bodenständigen Konzept zu finden. «Wir vom Verein können den betrieblichen Aufwand nicht leisten, da wir alle in verschiedenen Vereinen und Berufen engagiert sind.» Und nicht zuletzt spielt die Finanzierung eine tragende Rolle. «Wir sind uns bewusst, dass der Betrieb eines Nachtlokals eine gewisse Liquidität voraussetzt. Einen Betreiber zu finden, der diese mitbringt, ist eine grosse Herausforderung.» Es gäbe sicherlich Investoren, die das vorweisen könnten.

Interesse besteht
Hofer sieht sich immer wieder mit Zweifeln konfrontiert, ob die Nachfrage durch die junge Bevölkerung tatsächlich gegeben sei. «Natürlich ist sie das», ist sich Hofer sicher: «Die jungen Leute im Saanenland würden gern hier in den Ausgang gehen. Um ein florierendes Nachtleben zu betreiben, sind heute höhere Anforderungen wie Programm, Unterhaltung, Betreiber und Getränkepreise gefragt. Das müssen nicht einmal prominente Bands sein. Auch unbekannte Künstler und Newcomer bieten starke Shows.» Als Gegenbeweis erwähnt Hofer die Events vergangener Jahre, an denen Jeunesse Saanenland jeweils zwischen 400 und 500 Besucher begrüssen konnte. Er wisse von vielen Jugendlichen, die am Wochenende ins Unterland pilgern, weil hier schlichtweg die Möglichkeiten der Unterhaltung fehlen. «Wenn wir es einfach so hinnehmen, wird das Nachtleben in der Nebensaison ganz absterben», ist Hofer überzeugt. «Wenn kurz- bis mittelfristig keine Nachfolgelösung für das Chesery aufgebaut werden kann, wird ein Nachtlokal immer unwahrscheinlicher.»

Zusammen initiativ
«Die Bewegungen, die die genannten Festivals initiieren und die Organisatoren des «Plauschwochenendes» sind kooperative Kräfte und wir verfolgen alle die gleiche Idee, nämlich das Nachtleben für die Einheimischen wieder zu reaktivieren», fasst Hofer zusammen und schaut optimistisch nach vorn. Verschiedene Projekte, die einen Nachtclub in Gstaad zum Ziel haben, stünden derzeit auf dem Prüfstand. «Wir verfolgen mit viel Engagement und Herzblut unser Ziel. Wir sind von der Wichtigkeit des Nachtlebens überzeugt und setzen uns Tag und Nacht für eine Lösung ein.»

Alternativen in den Lücken der Grossanlässe
Es gibt zwar heuer kein Beachvolleyfeld im Gstaader Dorfkern, aber der Sand hat es dennoch auf das Eisbahnareal geschafft. Ein riesiger Sandkasten lädt zum Buddeln und Spielen ein. Im Zuge des Aufbaus für das Gstaad Alive, das bereits eine feste Grösse im Veranstaltungskalender ist, haben der GST und Barproject dieses Sanderlebnis realisiert. Die Gondeln und Sessel ringsherum bieten den hoffentlich entspannten Eltern einen speziellen Platz zum Verweilen. Und die Kinder, die heute im Sand spielen, fragen vielleicht in Zukunft nach dem Nachtleben in Gstaad.

Instagram@plauschwochenende https://m.facebook.com/pg/Plauschwochenende-Events

 

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