Kommt das Saanenland mit einem blauen Auge davon?

Fr, 07. Aug. 2020
Das Saanenland ist wie andere Bergdestinationen bei den Gästen sehr beliebt. FOTO: BLANCA BURRI

TOURISMUSDIREKTOR FLURIN RIEDI IM INTERVIEW

Weil internationale Gäste und Gruppenreisen fehlen, leiden Städte wie Genf und Luzern enorm unter der Corona-Pandemie. In dieser speziellen Situation profitieren dafür die Bergdestinationen – auch Gstaad. Tourismusdirektor Flurin Riedi warnt im Interview jedoch, dass die direkte sowie die indirekte Wertschöpfung der Grossanlässe trotzdem fehlt.

BLANCA BURRI

Trotz oder wegen Corona ist das Saanenland voller Touristen. Oder täuscht der Eindruck?
Das erleben wir auch so. Vor allem die Hotspots wie die Gstaader Promenade und die Bergseen Lauenensee, Arnensee und Seebergsee sind gut besucht. Aber auch sonst bewegen sich viele Leute in der Region. Vor allem in Wanderschuhen und auf E-Bikes.

Kommen wir also mit einem blauen Auge davon?
Momentan sieht es zum Glück danach aus. Die Mehrheit der Schweizer macht anscheinend in der Schweiz Ferien. Dies hilft stark. Konkrete Aussagen können aber erst nach der Sommersaison gemacht werden. Die Auswirkungen des Lockdowns, auch wenn er auf die Zwischensaison fiel, sind nicht zu unterschätzen. Zudem wurden alle Topevents abgesagt. Die Bettenauslastung ist zwar trotzdem sehr gut, wir dürfen aber nicht vergessen, dass die direkte und indirekte Wertschöpfung wegen der Grossanlässe fehlt. Gstaad braucht die Topevents und ich hoffe fest, dass sie im nächsten Sommer ohne Einschränkungen durchgeführt werden können.

Was hat die Gäste in die Region gezogen?
Sicherlich hilft der bekannte Brand «Gstaad», der die Schweizer in die Region zieht. Sie sind diesen Sommer besonders «gwundrig» und entdecken ihr Land für sich. Viele kennen den Mythos «Gstaad» und wollen den Ort nun erkunden. Als weiteren Grund sehe ich, dass wir als Destination relativ früh wieder in den verschiedenen Kommunikationskanälen und durch Werbung ersichtlich waren. Und dies mit der sehr passenden Kernbotschaft «Id Rueh vor Natur» und der Destinationsaussage «Come up – slow down». Aber es gibt noch einen weiteren Faktor: Das bestehende Produkt ist attraktiv, denn wir bieten ein breites, qualitativ hochstehendes Angebot an Unterkünften, Gastroangeboten und touristischen Infrastrukturen. Man darf nicht vergessen, dass auch die anderen Bergdestinationen gute bis sehr gute Zahlen vermelden. Mit anderen Worten: Wir müssen weiterhin zielgerichtet in die Angebotsgestaltung respektive in das Produkt investieren und dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen.

Welche Beherbergungskategorien sind besonders gefragt?
Die Nachfrage ist recht breit. Doch bei Unterkunftsformen, in denen man das Social Distancing besser einhalten kann, spürten wir eine starke Zunahme der Nachfrage. Vor allem Ferienwohnungen und Campings profitieren hier. Aber auch die Nachfrage in der Hotellerie stimmt uns positiv. Auch hier spielt sicherlich der Name Gstaad, welcher für eine hohe Qualität und einen hohen Dienstleistungsgrad steht, eine wichtige Rolle.

Wer sind die Verlierer?
Gruppenhäuser haben sicherlich weniger Gäste als sonst, da Gruppenanlässe praktisch nicht stattfinden. Schwieriger ist es aber auch für Hotelbetriebe, welche sich stark auf die Events und Gruppen konzentriert oder einen hohen Anteil an internationalen Gästen haben.

Wie ergeht es den Bergbahnen?
Den Bergbahnen fehlen natürlich die letzten Wochen der Wintersaison. Ob dies mit mehr Gästen im Sommer kompensiert werden kann, wird sich Ende Sommersaison zeigen.

Wird Gstaad, wird die Schweiz je wieder auf die Anlassdichte vor Corona kommen?
Das wird sich zeigen und ist aktuell schwer vorherzusagen. Kongresse und Events sind für den Schweizer Tourismus natürlich von grosser Bedeutung. Ich persönlich gehe davon aus, dass die Anlassdichte schweizweit in Zukunft tendenziell etwas kleiner sein wird.

Welche Aussichten gibt es für den Herbst?
Die Buchungszahlen sehen gut aus, aber auch da werden die kurzfristigen Buchungen entscheiden. Zudem ist der Herbst bei uns eine wunderschöne Jahreszeit. Wir sind vom Potenzial überzeugt. Darum startet demnächst auch unsere dritte Phase der Sommerkampagne, die sich voll auf den Herbst fokussiert. Wir hoffen, dass uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht. Aber da muss es uns als Bevölkerung gelingen, einen zweiten Lockdown abzuwenden und die Infektionsrate in einem vernünftigen Rahmen zu halten.


BAHNEN MIT JULI ZUFRIEDEN

Der Glacier 3000 ist mit dem Geschäftsgang im Juli sehr zufrieden. «Viele Gäste aus der ganzen Schweiz haben den Glacier 3000 besucht und wir bekamen sehr positive Feedbacks. Besonders beliebt bei den Gästen ist dieses Jahr der Glacier Walk, der gesicherte Wanderweg über den Gletscher zum Teufelskegel, sowie die Hängebrücke Peak Walk by Tissot», sagt CEO Bernhard Tschannen. Die Bahn ist ohne Unterbruch bis Ende Jahr offen.

Auch die Wasserngrat 2000 AG registriert, dass die Aufforderung in der Schweiz Ferien zu machen, Auswirkungen hat. Die Frequenzen seien gestiegen und vor allem die Anzahl Wanderungen über den Wassern grat habe markant zugenommen. Zudem sei auch der Tiger Trail sehr beliebt, wie Geschäftsführer Hans-Ruedi Steiner erklärt.

Die Bergbahnen Destination Gstaad AG erarbeitet die Zahlen an ihrer Generalversammlung am 22. August.

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Die Oberstufe der Schule Bissen-Turbach wird geschlossen

Die 7. bis 9. Klasse mit den Kindern aus Bissen und Turbach wird im Sommer 2021 ins Oberstufenzentrum Ebnit integriert. Die Schülerzahlen sind und bleiben zu tief, um die Klasse im Turbach weiterzuführen. Hingegen bleibt die Mittelstufe vor Ort erhalten.