Maddox Gallery bringt alten Glanz nach Gstaad

Fr, 21. Aug. 2020
Terry O’Neill fing mit seinen Aufnahmen Berühmtheiten, wie hier Audrey Hepburn, so ein, wie sie waren: pur und natürlich. FOTOS: TERRY O’NEILL, ICONIC IMAGES, COURTESY OF MADDOX GALLERY

Die Maddox Gallery in Gstaad zeigt die erste offizielle Retrospektive der Arbeiten von Terry O’Neill nach seinem Tod. Der Fotograf, der für seine Porträts berühmter Persönlichkeiten bekannt ist, starb im vergangenen Jahr. Jay Rutland, künstlerischer Direktor der Maddox Gallery, freut sich sehr, diese Weltpremiere ins Saanenland gebracht zu haben, zumal auf vielen Bildern des Fotografen aktuelle oder ehemalige Bewohner des Saanenlandes zu sehen sind.

Wenn man auf der Gstaader Promenade entlang schlendert, kann man die Maddox Gallery kaum übersehen. Ein riesiger Bronze-Astronaut sitzt nachdenklich vor dem Eingang. Die 2,7 Tonnen schwere Skulptur mit dem Namen «Der Denker» des Künstlers Joseph Klibansky musste von einem Kran an seinen Platz gehoben werden.

Maddox Gallery etabliert
Seit der Eröffnung ihrer Schweizer Zweigstelle im Jahr 2017 hat die Maddox Gallery in Gstaad eine erfolgreiche Ausstellung nach der anderen erlebt. Doch die aktuelle Ausstellung mit dem Titel « Terry O’Neill: Every Picture Tells a Story, A Retrospective» ist ein echter Coup. Es ist die erste offizielle Retrospektive seit O’Neills Tod im vergangenen November. Der künstlerische Direktor der Galerie, Jay Rutland, ist sehr erfreut: «Wir waren nicht die Einzigen, die seine Werke zeigen wollten. Wir wurden aus Museen, Auktionshäusern und Galerien ausgewählt. Wir sind sehr zufrieden, wie sich alles zusammengefügt hat.»

Nur fünf Jahre nach der Eröffnung ihrer ersten Galerie in London festigt die Maddox Gallery mit der O’Neill-Ausstellung ihre Position als ernstzunehmender Akteur in der internationalen zeitgenössischen Kunstszene. Heute hat die Maddox Gallery fünf Standorte: in London, wo sie drei Mal zu finden ist, sowie in Gstaad und Los Angeles. «Ich hätte nie in meinen kühnsten Träumen erwartet, dass sie sich so ausdehnen und wachsen würde, wie sie es getan hat. Wir dachten, dass es eine einzige Galerie sein würde, in der wir mit den Künstlern etwas Spass haben und auf dem Weg dorthin hoffentlich ein paar Stücke verkaufen könnten. Sie wuchs sehr schnell. Irgendwann eröffneten wir alle sechs Monate eine neue Galerie», sagt Rutland.

Von der Börse zur Kunst
Als ehemaliger Börsenmakler gründete Rutland die Maddox Gallery. Grund dafür war ein sehr persönliches Interesse an Kunst. «Maddox wurde geboren, weil ich Kunst liebe und gerne dieser Leidenschaft folgen wollte. Mein allererster Kauf war ein Banksy, von dem mir mein Schwager erzählte. Ich fand den Künstler und seine Arbeiten ziemlich cool. Wenn ich zurückdenke, hatte ich nicht die geringste Ahnung, dass Banksy die Höhen erreichen würde, die er erreicht hat. Das liegt über zwanzig Jahre zurück. Ich erwarb also einen Banksy. Ich kaufte noch ein paar weitere Arbeiten von ihm. Bis in meine Zwanziger- und Dreissigerjahre hinein war ich ein begeisterter Sammler, ohne aktiv in der Kunstwelt tätig zu sein.»

Heute ist Rutland sehr stark in der Kunstwelt verankert. In seiner Rolle als künstlerischer Direktor der Maddox Gallery beschafft, kuratiert und stellt er Arbeiten sowohl von erstklassigen und etablierten Künstlern als auch von Neulingen der Kunstszene aus. Die Auswahl der Künstler, die in seinen Galerien ausgestellt werden sollen, ist ein gemeinschaftlicher Prozess. Für den Ausstellungsraum in Gstaad arbeitet Rutland eng mit Fi Lovett, Direktor Maddox Gallery Europa, und Roger Niklasiewicz, Galeriemanager, zusammen. «Die Auswahl der Ausstellungen ist etwas, worüber wir sehr ausführlich diskutieren, um herauszufinden, was möglich ist und was am besten funktionieren würde. Und natürlich sind die Überlegungen von Fi Lovett und Roger Niklasiewicz sehr wertvoll, weil sie vor Ort und präsent sind. Sie kennen die Kunden hier in Gstaad und wissen, was ihnen gefällt.»

Familienbande genutzt
Das Team hatte darüber diskutiert, O’Neills Arbeit zu zeigen, lange bevor der Fotograf letztes Jahr verstarb, weil so viele seiner abgebildeten Persönlichkeiten in Gstaad ansässig waren. Rutland hat auch eine persönliche Verbindung zu dem Künstler, da sein Schwiegervater Bernie Ecclestone mit dem Fotografen befreundet war und Rutlands Frau Tamara Ecclestone von O’Neill fotografiert wurde. Rutland ist der Ansicht, dass die familiäre Verbindung zum Künstler und der Standort einer Galerie in Gstaad dem Team geholfen haben, die begehrte Ausstellung zu sichern.

Pure Berühmtheit
Wenn man die Werke von O’Neill in den Räumen der Maddox Gallery im Herzen von Gstaad sieht, kann man sich kaum einen besseren Ort vorstellen, um sie zu zeigen. Die Fotografien von aktuellen und ehemaligen Liebhaberinnen und Liebhabern von Gstaad wie Roger Moore, Elizabeth Taylor und Julie Andrews, um nur einige zu nennen, erinnern an eine Zeit, in der das Saanenland im alten Hollywood-Glanz schimmerte. Die Ausstellung weckt ein Gefühl der Nostalgie. So wie sie waren, oft ohne die Zwänge der heutigen Promi-Manager und Agenten, hielt O’Neill ihre Berühmtheit auf Fotopapier fest. Audrey Hepburn, Elton John, die Rolling Stones, die Beatles, Frank Sinatra, David Bowie, Raquel Welch … die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Auf die Frage, ob er einen persönlichen Favoriten habe, zeigt Rutland auf das Gruppenfoto seines Schwiegervaters mit Formel1-Fahrern und sagt lachend: «Ich liebe es wirklich, weil es mich an die Formel-1-Rennen, die ich als Kind mit meinem Vater schaute, erinnert. Genau das ist es, was ich an Terry O’Neills Arbeit liebe: Jeder hat einen anderen Favoriten unter all seinen Fotografien. Und das macht einen guten Künstler oder Fotografen aus.»
AUS GSTAAD LIFE, ANNE CHRISTINE KEMPTON/ÜBERSETZT VON DER REDAKTION AVS

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