Vergangene Zeiten zum Leben erweckt

Di, 18. Aug. 2020
Mit Jahrgang 1912 war dieser Aries das älteste Auto an dem Event. Das stolze Besitzerpaar hat sich hierfür passend gekleidet. Um das Auto so flott zu kriegen, wie es an der Ausstellung zu sehen war, haben sie 5000 Stunden (das entspricht 589 Arbeitstagen) Arbeit investiert. FOTOS: NADINE HAGER

Was einmal modern und gefeiert gewesen ist, sorgt heute als kulturelles Erbe weiterhin für Begeisterung. Die diesjährige und vierte Edition des Classic Cars & Music hat dies mit der Ausstellung von Oldtimern und dem Genuss von «good old jazz» wieder einmal unter Beweis gestellt.

NADINE HAGER
Glänzende Motorhauben, Ledersitze in verblassten Farben und wundersame Armaturen zogen vergangenen Samstag in Saanen unzählige Blicke auf sich. Insgesamt 19 Oldtimer der Jahrgänge zwischen 1912 und den 1960ern waren im Dorfkern parkiert und liessen vor den romantischen Holzfassaden der lokalen Chalets an vergangene Zeiten erinnern. Noch verstärkt wurde die Nostalgie von jazzigen Klängen: Die «Jazz Selection» sowie vier Musiker des Gstaad Menuhin Festivals untermalten abwechselnd die gemütliche Atmosphäre des Events Classic Cars & Music.

Durchgezogen trotz Einschränkungen
Aufgrund von Sicherheitsauflagen bezüglich Corona-Pandemie musste dieses Jahr auf einiges verzichtet werden: So waren in dieser vierten Edition beispielsweise zehn bis fünfzehn Oldtimer weniger zu sehen als sonst. Um keinen Besucherauflauf zu riskieren, wurde zudem auf ein Rallye der Oldtimer verzichtet und die Werbetrommel nicht allzu stark gerührt.

Danielle Hakim, die Hauptorganisatorin von Classic Cars & Music, hatte alle diese Einschränkungen in Kauf genommen. Keinesfalls wollte sie den Event abgesagt sehen. Gegenüber dem «Anzeiger von Saanen» erklärte sie, dass sie mit dessen Durchführung vor allem die lokalen Geschäfte Saanens unterstützen wollte, welche vom Besucherstrom profitieren. Zudem dürfe der Event keinesfalls in Vergessenheit geraten.

Auch im Hintergrund lief die Organisation etwas anders ab als gewohnt: Da Danielle Hakim fand, dass die Zeit für alle finanziell schwierig ist, verzichteten sie und ihr Team dieses Jahr auf Sponsoren und finanzierten alles selbst.

Diversität zeichnet den Anlass aus
Die Besucherpalette des Events war bunt gemischt: Laien und Experten, spontane Besucher/innen und potenzielle Käufer teilten sich das Pflaster. Ebenso unterschieden sich die Besitzer der Oldtimer, welche natürlich ebenfalls vor Ort anzutreffen waren, in Motivation und Expertise deutlich voneinander.

Adrian S. Kiefer, am Samstag mit seinem BMW 315/1 Sport Roadster aus dem Jahr 1935 vor Ort, ist beispielsweise ein absoluter Profi auf dem Gebiet. Als Garageninhaber kommt er vom Fach und ist mit allen erdenklichen technischen Details vertraut. Für ihn sind die Autos aus vergangenen Zeiten Kunstwerke und Zeitzeugen – «Spiegel früherer Epochen», wie er sie nannte. Durch seine Faszination für die Oldtimer hat er sich der Erhaltung dieses Kulturerbes verschrieben – und ist zum Sammler geworden.

Armin Fuchs hingegen bezeichnete sich als Laie. Als überglücklicher Besitzer eines einzigen Oldtimers, seines Fords A aus dem Jahr 1930, geht sein Wissen laut eigener Behauptung nicht weit über das Anlassen und Fahren des Autos hinaus. Für ihn ist besonders das Fahrgefühl ausschlaggebend für die Liebe zum Oldtimer: «Du fährst sehr viel bewusster. Du riechst die Kuhweide, an der du vorbeifährst, du riechst dein eigenes Auto. Du siehst viel mehr von der Landschaft, durch die du fährst, als wenn du in einem modernen Fahrzeug unterwegs bist.» Ganz besonders begeistert es ihn jedoch, anderen Leuten mit seinem Auto eine Freude zu machen. Er lässt sie einsteigen, erklärt ihnen die Eigenheiten seines Fords – und hat auch schon ganz umsonst ein Hochzeitspaar umherchauffiert. «Viele haben einen Oldtimer einfach, weil sie es sich leisten können. Für mich ist dies ganz anders: Ich habe ein Auto und eine Riesenfreude. Mir macht dieser Ford Spass.»

So unterschiedlich ihr Bezug zu den Oldtimern auch ist, Adrian S. Kiefer und Armin Fuchs stimmten darin überein, dass diese eine Art Familienzugehörigkeit erzeugen: Liebhaber von alten Autos finden sich und bilden ganze Gemeinschaften, die oft weit über die Fahrzeuge selbst hinausgehen.

Gute Stimmung
Auch die Organisatorin Danielle Hakim bezog sich unabhängig von den beiden Autoinhabern auf die Familie der Oldtimerbesitzer: «Alle Inhaber, die heute gekommen sind, waren bisher jedes Jahr da und haben immer wieder andere Autos von zu Hause mitgenommen. Wir sind eine Familie geworden. Und ich glaube, das ist auch, was Saanen ist – dieses Dorf ist eine grosse Familie.»
Der Event passte also perfekt zu seinem Veranstaltungsort – und das merkte man. Trotz Einschränkungen des Programms war die Atmosphäre gemütlich und vergnügt.

Category: 

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Die Oberstufe der Schule Bissen-Turbach wird geschlossen

Die 7. bis 9. Klasse mit den Kindern aus Bissen und Turbach wird im Sommer 2021 ins Oberstufenzentrum Ebnit integriert. Die Schülerzahlen sind und bleiben zu tief, um die Klasse im Turbach weiterzuführen. Hingegen bleibt die Mittelstufe vor Ort erhalten.