Warum ich ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative einlegen werde

  20.11.2020 Leserbriefe

«Fass den Zementsack nicht an. Der schwarze Staub ist giftig und gefährlich», sagte mir mein Vater einst, als ich ihn als Kind auf einer Baustelle besuchte.

Das ist lange her. Aber Zement ist immer noch giftig und gefährlich. Hautkontakt mit dieser Substanz sollte man möglichst vermeiden. Einatmen und Schlucken derselbigen ist hochgradig gesundheitsgefährdend. Aber in Ewekoro, Nigeria, einem Ort weit weg von unserem Wohlstandsland, haben Menschen ständig Hautkontakt mit der Substanz, atmen sie ein und schlucken durch Zement kontaminiertes Wasser. Warum? Weil ein Schweizer Unternehmen dort eine Zementfabrik unterhält, die Umweltschutzvorschriften unterliegt, die man hierzulande wohl kaum als solche bezeichnen würde, und selbst diese Minimalvorschriften werden grossenteils ignoriert. Warum wehren sich die Betroffenen nicht? Das tun sie, aber es nützt wenig, da ein Rechtsstaat nach unserem Verständnis dort nicht existiert. Dafür aber Korruption und Willkür. Nur ein Beispiel von vielen, wie hiesige Unternehmen bewusst in solchen Regionen produzieren, weil die staatlichen Vorgaben betreffend Umwelt- und Bevölkerungsschutz kaum vorhanden sind, die Betroffenen sich nicht wehren können und somit sehr kostengünstig produziert werden kann.

Ausserhalb der Schweiz können wir keinem Land unsere Normen aufzwingen. Aber wir können Schweizer Unternehmen dazu verpflichten, im Ausland nach Schweizer Umweltnormen zu produzieren und Menschenrechte nicht mit Füssen zu treten. Wir können den Betroffenen die Möglichkeit geben, gegen Unternehmen in der Schweiz rechtlich vorzugehen, wenn diese entsprechende Vorgaben im Ausland ignorieren und Schäden an Umwelt und Bewohnern bewusst in Kauf nehmen. Der Schweizer Wirtschaft wird das keinen grossen Abbruch tun, denn die meisten Unternehmen tragen Verantwortung und arbeiten im Ausland nach durchaus verträglichen Standards.

Aber den schwarzen Schafen auf die Füsse treten zu können, würde der Schweiz als Industrieland sicherlich ein besseres Image verschaffen, ohne die betroffenen Konzerne massiv wirtschaftlich zu schädigen.

Ich werde daher ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative in die Urne legen. Tun Sie es doch auch. Für ein besseres Leben der Betroffenen und eine bessere Schweiz.

ANNA CATTARULLA, GSTAAD


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