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Auszeichnung für den Holzbau in der Alpenruhe

Fr, 04. Dez. 2020
Für alle sichtbar: mit der Auszeichnung überreichen der Nationalrat und Präsident von Initiative Holz BE, Erich von Siebenthal (links), und der Präsident der Waldbesitzervereinigung Obersimmental-Saanenland, Walter Perren (rechts), auch die Plakette (leider noch aus Kunststoff) an Stiftungsratspräsident Matthias Brunner, seinen Vize Emil Trachsel und Institutionsleiter Markus Kindler. FOTO: JENNY STERCHI

Das heimische Holz, das beim Neubau der Stiftung Alpenruhe verbaut wurde, sorgte für eine Auszeichnung mit dem Label «Schweizer Holz».

Im Neu- und Umbau der Stiftung Alpenruhe in Saanen wurden insgesamt 278,7 Kubikmeter Holz verbaut. Dies und die Tatsache, das jenes Bauholz zu 91,2 Prozent aus dem Schweizer Wald stammt, sind Grund genug, diese Überbauung mit dem Label «Schweizer Holz» auszuzeichnen.

«Gerne hätten wir in der Konstruktion noch mehr Holz verarbeitet», verriet Marko Göhre vom ausführenden Architekturbüro Translocal Architecture GmbH, Bern, am letzten Freitag anlässlich der Auszeichnung im ganz kleinen Rahmen. Allerdings seien die Normen und Auflagen für einen öffentlichen Bau, die diese und ähnliche Institutionen beherbergen, streng und allein mit dem Baustoff Holz nicht zu erfüllen.

Holz aus dem Lenker Wald
Die Plakette, die mit der Auszeichnung abgegeben und an der Fassade des Gebäudes gut sichtbar angebracht wird, bedeutet im Fall des Neubaus in der Alpenruhe, dass 254,2 Kubikmeter des Bauholzes im Wald um die Gemeinde Lenk herum geschlagen wurden. Mit der Nutzung der in Lenk verfügbaren Sägerei und Abbundanlage wurden Transportwege minimiert. Erstaunlich ist die Tatsache, dass die doch eindrückliche Bauholzmenge, die dem Lenker Wald entnommen wurde, in weniger als einer viertel Stunde im gesamten Schweizer Wald wieder nachwächst.

Die gut 20 Kubikmeter Bauholz, die nicht aus Schweizer Wäldern stammen, sind Holzbauteile wie Pfetten (Dachbalken), für deren Herstellung es spezielle Anlagen braucht, die nur ausserhalb der Landesgrenzen verfügbar sind. Im gesamten Holzvolumen des Neubaus sind rund 200 Tonnen Kohlendioxid gebunden und somit für Jahrzehnte der Atmosphäre entzogen. Das entspricht ungefähr der Menge, die 40 Schweizer und Schweizerinnen in einem Jahr verursachen.

Holzgrossbauten werden mehr
Vergeben wird dieses Label von Lignum Holzwirtschaft Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Sie arbeitet eng zusammen mit der Initiative Holz BE, die als kantonale Plattform der Berner Wald- und Holzwirtschaft die Interessen sämtlicher Branchenverbände vom Wald über die Sägereien bis hin zu den Zimmerleuten und Schreinern zusammenfasst. Erich von Siebenthal, Präsident der Initiative Holz BE, freut es umso mehr, dass er die Plakette in der Region vergeben konnte, in der er selbst zu Hause ist. Er erwähnte, dass auch bei Grossbauten zunehmend auf den Baustoff Holz zurückgegriffen werde. Diese Entwicklung stimme ihn optimistisch und biete sowohl Waldbesitzern als auch den holzverarbeitenden Unternehmen des Landes eine gute Perspektive.

«Schweizer Holz ist teuer» – stimmt das?
Mit dieser Annahme sehen sich die Sägereien und Zimmereibetriebe sowie Architekten häufig konfrontiert. «Wenn Bauherren verschiedene Varianten des Holzbaus und diverse Bezugsquellen prüfen, sind die vergleichsweise tiefen Preise für Bauholz aus dem Ausland zumeist ausschlaggebend für eine Entscheidung gegen Schweizer Holz», war von einigen der Anwesenden zu hören. Spielen jedoch Qualitätsanspruch und Transportkosten eine Rolle, würde sich das Preisniveau annähern. «Das Bewusstsein für Bauen mit heimischem Holz wird stärker», schildert Erich von Siebenthal seine Wahrnehmung.

Skeptiker führten vielfach die beschränkte Verfügbarkeit von Schweizer Holz ins Feld. Darauf hat der Präsident von Initiative Holz BE eine klare Antwort: «Natürlich könnte es zu Engpässen kommen, wenn wirklich jeder Neubau in der Schweiz mit Holz realisiert würde. So weit ist man aber noch nicht. Es ist zu empfehlen, bei Neu- und Umbauten möglichst früh die Baustoffe zu bestimmen, damit im Bereich Schweizer Holz die Bestellungen genügend Vorlauf bekommen.» Und das wurde beim Neubau in der Alpenruhe gemacht. Mit dem Ergebnis, dass der durchaus voluminöse Neubau auch dank der Holzfassade das Landschaftsbild nicht stört und sich mit heimischem Holz für Nachhaltigkeit auszeichnet.

PD/JENNY STERCHI

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