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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Di, 19. Jan. 2021
Dieses Jahr kamen aus Saanen und Lauenen vier Tonnen Weihnachtsbäume zusammen – das sind rund 25 Prozent weniger als im vergangenen Jahr.

In der zweiten Januarwoche wurden in Gsteig, Saanen und Lauenen ausgediente Weihnachtsbäume eingesammelt. Doch was geschieht eigentlich mit ihnen, nachdem sie ihren Bestimmungszweck in unseren Stuben erfüllt haben?

NADINE HAGER
Während des Jahres haben kleine Tannenbäume kaum Bedeutung. Zu Weihnachten jedoch schmücken wir sie reich und teilen sogar unser Zuhause mit ihnen – bis das alte Jahr dem neuen Platz macht. Dann haben sie schon bald ausgedient und landen, jetzt wieder nackt, vor unseren Türen oder auf dem Sammelplatz. Doch was geschieht eigentlich mit diesen Bäumchen, wenn sie ihren weihnachtlichen Dienst getan haben?

Lauenen und Saanen
Die Bevölkerung von Lauenen brachte ihre ausgedienten Christbäume auf einen Sammelplatz, Saanen holte sie mit der Müllabfuhr vor den Haustüren ab – alle Bäumchen landeten aber am selben Ort, nämlich in der Sortiergesellschaft AG (SORSAG) in Saanen. Dort wurden sie erst einmal zu einem Haufen geschichtet. Vier Tonnen sind so zusammengekommen, verrät Florin Shkoza, langjähriger Mitarbeiter der SORSAG. «Das klingt nach viel», relativiert er, «doch dieses Jahr haben wir circa einen Viertel weniger Weihnachtsbäume erhalten als gewöhnlich. Das liegt daran, dass aufgrund der Corona-Massnahmen nicht alle Touristen gekommen sind, die normalerweise hier Weihnachten feiern.» Alle Weihnachtsbäume sind das auf dem Vier-Tonnen-Haufen aber noch nicht; noch bis in den Juli hinein bringen Leute erfahrungsgemäss vergessene Bäumchen bei der SORSAG vorbei.

Der Grossteil jedoch kommt im Januar. Dann wird jeder Baum einzeln auf Metall – wie Drähte oder Nägel – sowie Kunststoff abgesucht. Diese Fremdkörper muss die SORSAG separat entsorgen lassen, was Zusatzaufwand und Kosten verursacht. «Eine Zeit lang befand sich sogar noch Weihnachtsschmuck in nicht wenigen Weihnachtsbäumen», erinnert sich Florin Shkoza. «In diesem und dem Vorjahr jedoch hat sich das sehr stark gebessert, und dafür sind wir den Leuten sehr dankbar.» Einmal sortiert, wird das Holz der Bäumchen von einem externen Mitarbeiter der Gebrüder von Grünigen Schönried AG in zwei unterschiedliche Grössen zerkleinert. Einen ersten, geringfügigen Teil der Bäumchen schreddert er: Die SORSAG gibt diese Holzspäne dann in Kompost, um daraus Komposterde herzustellen. Der grösste Teil der Weihnachtsbäumchen wird hingegen grob gehackt. Von nun an ist die Energieholz AG (ENHOSAG) für die Holzschnitzel verantwortlich: Sie lagert diese und transportiert sie zur Verbrennungsanlage auf dem Gelände. Rund 50’000m3 Energieholz werden vor Ort pro Jahr hergestellt und von einem weiteren Unternehmen, der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL), in den Heizzentralen Saanen und Schönried zur Wärmeproduktion verbrannt. Über das Fernwärmenetz Saanen-Gstaad und Schönried werden so mehrere Hundert Gebäude mit ökologischer Wärme versorgt.

Gsteig
Nicht genau gleich läuft die Reise der Weihnachtsbäume von Gsteig-Feutersoey ab. Noch haben die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Zeit, um ihre kleinen Tannen an der Sammelstelle in der Feutersoey zu deponieren – danach ist die Gemeinde dafür zuständig, Fremdkörper aus Metall oder Kunststoff auszusortieren und die verwertbaren Bäumchen der MvS AG zu liefern. «Von der Gemeinde erhalten wir nur das Holz, das wir wirklich brauchen können», erklärt Mitarbeiter Philipp Perreten, «das erleichtert unsere Arbeit.» Die MvS AG hackt das Holz klein und transportiert es anschliessend in die Lagerhalle des Wärmeverbundes Gsteig, wo es gemeinsam mit anderen Holzschnitzeln drei Monate lang in Form von grossen Haufen trocknet. Erst dann ist das Energieholz bereit, um zur Erzeugung von Fernwärme in der Gsteiger Anlage der EBL verbrannt zu werden – und in der Umgebung für behaglich warme Wohnstuben zu sorgen. So kehrt weit nach Weihnachten ein Hauch unserer Weihnachtsbäumchen in unsere Häuser zurück: In Form von Fernwärme.

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