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Börse für Kleider, Spielzeug und ein bisschen Normalität

Di, 13. Apr. 2021
Die Tische waren voll mit Kleidung wie immer, aber der Platz dazwischen war viel komfortabler als im Gemeindesaal. FOTOS: JENNY STERCHI

Nach einem Jahr Zwangspause konnte am Wochenende die Kinderkleiderbörse in Zweisimmen endlich wieder durchgeführt werden. Der Umzug vom Gemeindesaal in die Simmental Arena ist geglückt.

JENNY STERCHI
Es war eine Sonderbewilligung, erteilt vom Kanton, die es dem Börsenteam ermöglichte, den traditionellen Gebrauchtkleidermarkt trotz allgemeiner Einschränkungen durchzuführen.

Massives Schutzkonzept
Die Auflagen waren streng und klar definiert. «Die Verantwortlichen vom Kanton erteilten uns eine Sonderbewilligung, weil sie unsere Börse als Verkaufsstelle und nicht als Veranstaltung ansahen», erklärte Carmen Schär, Mitglied des Organisationskomitees, am Freitag.

Die allgemein gültige Maskenpflicht sowie die Abstands- und Hygieneregeln erforderten mehr Planungsaufwand.

«Die Bewilligung erhielten wir Anfang März. Uns blieben knapp sechs Wochen, um Helferinnen aufzubieten, die Simmental Arena zu mieten und den Durchlauf mit dem gewaltigen Schutzkonzept abzustimmen», fassten die Verantwortlichen zusammen. Die legendären gemeinsamen Mahlzeiten am Börsenwochenende wurden pflichtbewusst abgesagt, stattdessen wurden regelkonforme Sandwiches und viel Platz zum Pausemachen geboten.

Es war das erste Mal, dass die Börse in der Simmental Arena durchgeführt wurde. Der Umzug vom Gemeindesaal in die grosse Halle der Arena war bereits vor über einem Jahr beschlossen worden und für letzten Frühling geplant gewesen. «Wir waren an die Kapazitätsgrenzen des Gemeindesaals gestossen, sowohl mit der Warenmenge als auch mit dem Besucheraufkommen», informierte das OK. Es sei ein Wagnis gewesen, sich so zu vergrössern. Aber in der augenblicklichen Situation sei es genau der richtige Schritt gewesen. «Im Gemeindesaal hätten wir mit dem Schutzkonzept keine Chance gehabt.»

Für zwei Drittel des angestammten Teams etwa war dies der Startschuss zu einer Herkulesaufgabe. Annahme- und Verkaufszeiten wurden verlängert und eine zusätzliche Kasse eingerichtet, um Kundenstaus zu vermeiden. «Das hatte viel mehr Präsenzzeit der Helferinnen zur Folge», so die OK-Mitglieder. Aber abschrecken lassen habe sich keine der Frauen, die sich an dieser Börse beteiligten. «Und glücklicherweise erhielten wir wahnsinnige Unterstützung von Aushilfen. Frauen, die kurzfristig für das Einrichten und das Aufräumen des riesigen Kleider- und Spielzeugmarktes zur Verfügung standen.

Kritische Stimmen
Nicht alle Helferinnen haben sich zur Teilnahme entschlossen. «Uns war wichtig, dass jede unserer Frauen ihre eigene Entscheidung treffen konnte», betonte das OK. «Ich denke, dass es in so besonderen Situationen, wie wir sie gerade haben, jedem freistehen muss, für sich stimmige Entschlüsse zu fassen. Warum sollte sich jemand einem Kundenstrom aussetzen, wenn er sonst seine Kontakte derzeit minimiert?»

Im Vorfeld gab es im Umfeld der Börsenfrauen neben grosser Begeisterung auch kritische Einschätzungen. Hier und da gab es Zweifel, ob das Risiko wirklich abschätzbar und die Vorsicht gross genug sein kann bei einem solchen Anlass, der erfahrungsgemäss viele Menschen anzieht. Deshalb achtete die Kerngruppe auf ein minutiöses Ausarbeiten und Einhalten des Schutzkonzeptes.

Vom Fluch zum Segen
Die Besucherzahl in der Simmental Arena war auf 50 beschränkt. Die Dosierung bedeutete zweifellos einen Mehraufwand für das Börsenteam und führte zu Wartezeiten am Eingang. «Es war unglaublich», schwärmte Carmen Schär, nachdem die Börsentür am Mittag wieder geschlossen wurde. «Ich hatte mich auf grössere Diskussionen eingestellt und damit gerechnet, für Abstände in der Warteschlange sorgen zu müssen.» Nichts davon sei eingetroffen. Die Besucherinnen und Besucher hätten geduldig und mit mehr Abstand als nötig auf ihre Zutrittsberechtigung gewartet. Das zeigt, wie sehr die Menschen ihren Platz im von Schutzkonzepten begleiteten Alltag bereits gefunden haben.

«Der Schwatz, der unter normalen Umständen gern zwischen den Kleidertischen und Spielzeugauslagen gehalten wird, wurde von den meisten nach draussen verlegt», schilderte das OK seine Beobachtungen.

Es gab weder Staus an den Kleiderständern noch Gedränge zwischen Spielzeugauslagen und schon gar kein Geschiebe im Kassenbereich. Das fiel nicht nur den Börsenfrauen auf. Die sichtlich entspannte Kundschaft teilte ihre Begeisterung spätestens an der Kasse mit. «Es ist so schön, die Kleider genau ansehen und auswählen zu können, ohne von einer Traube anderer Kunden umgeben zu sein», verkündete eine Mutter an der Kasse. Solche und ähnliche Meldungen von Kundinnen und Kunden erreichten viele der Helferinnen.

«Ein bisschen wie normal»
228 Kundinnen und Kunden aus dem Simmental, Saanenland, Pays-d’Enhaut und von noch weiter her erkundeten am Samstag zwischen 8 und 12 Uhr gute sortierte Kinderkleider und Spielzeug in rauen Mengen. «Ich habe die Börse letztes Jahr echt vermisst», äusserte eine Kundin nach ihrem Einkauf. «Ich hatte ja genug Zeit, um auszusortieren. Das konnte ich nun hoffentlich loswerden. Gefunden habe ich jedenfalls ganz tolle Dinge. Und ausserdem war es wieder mal ein bisschen wie normal.»

Mit einem Umsatz von 18’165 Franken konnte das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der Kinderkleiderbörse erzielt werden. «Wir sind dankbar, dass wir trotz der ungewissen Lage mit den zehn Prozent, die wir vom Umsatztotal zurückbehalten, die laufenden Kosten decken konnten», so das Fazit der OK-Mitglieder. Und diesen Erfolg konnte auch die zweifelhafte Verteilung von Parkbussen an die Helferinnen nicht trüben.

 

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