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Stilles Bächlein wirbelt

Fr, 28. Mai. 2021
Im oberen Teil des Bildes fliesst das Wasser ruhig (blauer Pfeil). Im unteren Teil ist das Wasser gekräuselt, weil Steinbrocken im Bachbett das Wasser aufwirbeln (rosa Pfeil). FOTO: BLANCA BURRI

Die zweite Etappe der Renaturierung im Stillen Bächlein ist in vollem Gang. Geht alles nach Plan, wird sie Mitte Juni abgeschlossen.

BLANCA BURRI
Das Stille Bächlein floss viele Jahre still und ruhig dahin, sodass sich im Bachbett grosse Ablagerungen in Form von Schlick, Schlamm und Sand bildeten. Das war für den Fischbestand nicht förderlich. «Forellen brauchen einen kiesigen Untergrund zum Laichen», sagt der kantonale Fischereiaufseher Beat Rieder. Der Kies ist aber auch für die vielen Insektenlarven wie Bachflohkrebs, Steinfliege, Eintagsfliege und weitere eine wichtige Lebensgrundlage. Der zuständige Ingenieur David Hodel ergänzt: «Deshalb achten wir bei der Renaturierung darauf, dass das Wasser nicht mehr so still fliesst, sondern durch kleine Wirbel in Bewegung bleibt.» Er ergänzt: «Dies erreicht man mit unterschiedlichen Wassertiefen, Bachbettbreiten und Hindernissen im Wasser.» Als Strukturelemente werden Wurzelstöcke, kleinere Steine, Astbündel von Laubhölzern und Baumstämme im Bachbett verbaut. Sie sind nicht nur für die Bewegung im Wasser mitverantwortlich, sondern bieten Fischen, Insekten sowie Amphibien und Reptilien Lebensraum und Unterschlupf. Beat Rieder: «Die Fische, aber auch die Amphibien ernähren sich von den Insekten und Insektenlarven. Durch die vielfältige Strukturierung des Gewässers werden auch mehr von diesen Insektenlarven im Gewässer leben, was sich auf den Fischbestand im Gewässer positiv auswirkt. Das kreiert im und um das Stille Bächlein Leben – genau unser Ziel.»

Zum Laichen kommen sie zurück
«Die Bachforellen aus der Saane wandern zum Laichen flussaufwärts. Finden sie ein Nebengewässer, wird dies zur Paarung aufgesucht», weiss Beat Rieder. Er geht davon aus, dass die Forellen künftig im Spätherbst zum Laichen von der Saane ins Stille Bächlein einsteigen und wenn die Jungfische genug gross sind, diese zurück in die Saane schwimmen.

Erste Erfolge beobachteten Mitglieder des Angelfischervereins Saanenland bereits im oberen Teil des Bachverlaufs, der letzten Spätsommer mit Instream-Elementen und Flusskies ergänzt worden ist. «Diese kleinen Wiesen- und Waldbäche sind für den Fischbestand sehr wichtig. Davon gibt es im steilen Berggebiet leider nur noch sehr wenige», hält der Fischereiaufseher fest.

Weil das Stille Bächlein im Sommer wenig Wasser führt und sich dadurch das Wasser stark erwärmt, was für die Bachforellen nachteilig ist, wird zusätzlich zum Quell- und Grundwasser noch Wasser aus der Saane zugeführt. Durch diese Massnahme und die vielfältige Strukturierung des Gewässers werde das Optimum für die Wasserlebewesen herausgeholt, so Rieder.

«Grüner Baggerführer»
Das Stille Bächlein neu zu modellieren, sei kein einfaches Unterfangen und brauche Baggerführer mit einem guten Vorstellungsvermögen, betonen Beat Rieder und David Hodel. Thomas Steiner von der Schwellenkorporation Saanen hat bereits einige Renaturierungsprojekte ausgeführt. Er wurde im Jahr 2012 mit dem Prädikat «Grüner Baggerführer» für Gewässerrenaturierungen ausgezeichnet. «Renaturierung ist keine Alltagsarbeit, fordert heraus und macht Spass», sagt der Gsteiger Thomas Steiner.

Kosten von vielen Partnern getragen
Das Gesamtprojekt kostet rund 100’000 Franken und wird vom Bund, vom Kanton, von der Gemeinde Saanen und dem Renaturierungsfonds des Kantons Bern getragen. Da es sich um eine Ersatzmassnahme für das eingedolte Grubenbächli handelt, beteiligte sich die MOB an den Projektierungs- und Planungskosten.

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