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Die grössten Brutvögel der Schweiz im Saanenland

Di, 22. Jun. 2021
Hier handelt es sich um einen ausgewachsenen Altvogel mit dunklem Gefieder. Mit dem leicht gerundeten Schwanz unterscheidet er sich im Flug vom noch grösseren Bartgeier.

Wie sind wir doch privilegiert, dass wir mit dem Steinadler und dem Bartgeier die zwei grössten Brutvögel der Schweiz bei uns im Saanenland beobachten können. Wenn einer dieser imposanten Vögel im azurblauen Himmel über den höchsten Berggipfeln am Kreisen ist, beginnt nicht nur das Ornithologenherz, sondern auch dasjenige von Bergsteigern und Wanderern höher zu schlagen …

BERT INÄBNIT
In der heutigen Ausgabe erfahren wir viel Interessantes über die Verbreitung, Nahrung, Jagdweise und Aufzucht des Steinadlers (Aquila chrysaetos). Informationen zum Bartgeier im Saanenland folgen in einer späteren Ausgabe.

Unter den rund 320 Steinadler-Brutpaaren der Schweiz befinden sich auch einige im Saanenland. Wo diese genau sind, wird aus Naturschutzgründen und um Störungen zu vermeiden, nicht bekannt gegeben, da sonst – wie schon oft – die Brut abgebrochen wird. Bevorzugte Standorte, wo Adler beobachtet werden können, sind jeweils Regionen, wo Murmeltierkolonien vorhanden sind. Ein Steinadler-Brutpaar, das übrigens über Jahre zusammen bleibt, hat in seinem bis zu 90 Quadratkilometer grossen Revier meistens mehrere Horste. Manchmal wird über zwei bis drei Jahre derselbe Horst benutzt, sehr oft wird aber von Jahr zu Jahr abgewechselt und ein anderer besetzt.

Die Horste. welche bis zu 1,5 Meter hoch und über 100 Kilogramm schwer werden können, befinden sich bei uns fast immer in überhängenden, unzugänglichen Felswänden, meist unter der Waldgrenze, damit der Anflug mit Beutetieren (meist Murmeltiere) nicht noch durch einen kräftezehrenden Aufwärtsflug erschwert wird. Baumhorste sind relativ selten und höchstens in tiefer gelegenen Regionen zu finden. Ob ein Horst besetzt ist oder nicht, lässt sich durch an- und abfliegende Altvögel bestimmen. Sieht man durchs Fernglas, dass der Horstrand mit grünen Ästen (meist Lärchen) belegt ist, deutet das auch auf eine Brut hin.

Steinadler beginnen sehr früh im Jahr mit dem Nestbau und ihre meist zwei, selten drei Eier, welche dann ca. 43 bis 44 Tage lang ab dem ersten Ei bebrütet werden, sind schon ab Mitte März im Nest zu finden. Wenn beide Eier befruchtet sind, hat das zur Folge, dass schon bald einmal ein sichtbarer Grössenunterschied der Jungvögel zu erkennen ist, was, wenns ums Futter geht, nicht selten zu Streitereien unter den Geschwistern führt. Da die Natur auch grausam sein kann, kommt es so oft zum sogenannten Kainismus. Das heisst, dass der erstgeborene Nestling den jüngeren tötet oder gar zum Horst hinauswirft.

Bis zum Ausfliegen des Jungvogels vergehen gut 80 Tage. Während dieser Zeit wird er reichlich mit Nahrung versorgt, welche die Altvögel täglich herantragen. Nach dessen Jungfernflug, der auch schon mal tödlich endet, wird dem noch dunkel gefärbten Jungvogel das Jagen und Beutegreifen durch die Altvögel beigebracht. Kurz vor der nächsten Brutsaison wird der Jungvogel, wenn nicht schon selbst weggezogen, von den Altvögeln aus dem Revier vertrieben, da er nun schon als Nahrungskonkurrent eingestuft wird.

Wie schon eingangs erwähnt, sind je nach Revier Murmeltiere die Hauptbeute der Steinadler. Aber auch Eichhörnchen, Marder, Hasen, Jungfüchse, Reh-und Gämskitze sowie Vögel von der Drossel bis zum Auerhahn werden durch blitzschnelle Überraschungsangriffe dieses mächtigen Raubvogels mit seinen messerscharfen Krallen gnadenlos geschlagen.

Während der Winterzeit begnügen sich die Adler auch mit toten Tieren wie Gämsen und Steinböcken, die sie beim Absuchen von Lawinenniedergängen finden. Wenn lang anhaltendes Schlechtwetter mit Schnee und Nebel die Nahrungssuche beeinträchtigt, können sie bis zu einer Woche überleben, indem sie von ihren im Kropf gespeicherten Fleischreserven zehren.

Grösse, Gewicht und Alter
Da Adler wie die meisten Greifvögel und Eulen nebst Fleisch auch Haare und Knochen verschlucken, bilden sich im Magen bis zu 10 cm lange sogenannte Gewölle, worin die unverdaulichen Bestandteile zusammengepresst ausgewürgt werden (siehe Foto).

Adlerweibchen sind wie bei den meisten Greifvögeln grösser und schwerer als die Männchen, das heisst ein ausgewachsener Vogel erreicht bis zu 2,25 m Flügelspannweite und ein Gewicht von bis zu 6 kg. Dies entspricht in etwa der maximalen Last, die der Vogel mit seinen Fängen zu tragen vermag.

Über das Alter von Steinadlern ist anhand einer Beringung eines wild lebenden Vogels bekannt, dass er 26 Jahre alt wurde. Ein anderes Exemplar, das in Gefangenschaft aufgewachsen war, erreichte 57 Lebensjahre. Was die Altersbestimmung frei lebender Adler betrifft, braucht es schon eine gewisse Erfahrung. Grob gesagt erkennt man Jungvögel bis zur Geschlechtsreife mit ca. vier bis fünf Jahren im Flug an ihren weisslichen Federn in der Flügelmitte und dem ebenfalls weissen Band beim Schwanzansatz. Altvögel (ab fünf bis sechs Jahren) sind mehrheitlich dunkelbraun gefärbt und haben goldgelbliche Kopffedern – daher auch der englische Name «Golden Eagle».

Feinde
Seitdem der Steinadler in der Schweiz 1953 unter Schutz gestellt wurde, besteht für ihn theoretisch keine Abschussgefahr mehr. Unfallgefahren stellen für ihn jedoch Seilbahnkabel und Heuseile dar, die ihm im Flug bei dichtem Nebel zum Verhängnis werden können.

 

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