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Geldgierige Dorfbewohner auf der Freilichtbühne

Fr, 18. Jun. 2021
Freude nach der gelungen Aufführung. FOTOS: JENNY STERCHI

Mit der Aussicht auf Reichtum waren sich die sonst streitsüchtigen Dorfbewohner plötzlich einig. So könnte der Inhalt des Theaterstückes «Zwee wie Hund und Chatz» – aufgeführt von den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen des OSZ Ebnit – auf ein Minimum zusammengefasst werden. Aber die Vorstellung am Montagabend lebte von zahlreichen Details.

JENNY STERCHI
Gleich dreimal führten die Mädchen und Jungen zum Ende ihrer Schullaufbahn im OSZ Ebnit das Lustspiel «Zwee wie Hund und Katz» von Bernd Gombold auf. «Es ist eine Tradition, dass die neunten Klassen am Ende des Schuljahres jeweils ein Theater aufführen oder sonst eine öffentliche Vorstellung bieten», erklärte Klassenlehrer Kurt Abegglen am Rande der Aufführung. Es solle als Gemeinschaftsprojekt gehandhabt werden, bei dem jeder eine Aufgabe entsprechend seiner Fähigkeiten übernehmen soll. Scheinbar war das Schauspiel in diesen beiden Klassen besonders begehrt, denn an den drei Vorstellungen wurde mit verschiedenen Besetzungen gespielt.

Eine Intrige kommt selten allein
Das Ensemble, dass am Montagabend die Freilichtbühne betrat, glänzte mit Textsicherheit und Spielfreude. Natürlich ist es nicht eines jeden Sache, sich derart zu exponieren wie beim Theaterspiel. Und doch wurde deutlich, dass jede und jeder das Maximum aus sich herausholte, um die jeweilige Rolle mit Leben und Überzeugung zu füllen. Die beiden ewig zankenden Dorfbewohner – der Gemeindepräsident und der Pfarrer – bekämpfen sich zu Beginn des Stückes höchst amüsant. Der Geltungsdrang des Präsidenten treibt den Dorfpfarrer so weit, eine geplante Jubiläumsfeier zu boykottieren. Doch unvorhersehbarer Reichtum, den das vermeintliche Heilwasser des Dorfbrunnens verspricht, lässt die beiden zu gierigen Geschäftspartnern werden.

Die Zuschauer wurden Zeugen dessen, wie der gewitzte Vater des Gemeindepräsidenten mit seinem Kollegen die gewinnbringende Intrige des Heilbrunnens spinnt und sowohl seine Familie als auch den Pfarrhaushalt und nicht zuletzt eine attraktive «Bekannte» des Gemeindepräsidenten und deren untertänigen Gatten einbezieht. Derweil, vom Geldsegen ganz geblendet, engagieren der Pfarrer und der Gemeindepräsident einen angeblich berühmten Opernsänger zu einer horrenden Gage.

Doch o weh … der Schwindel fliegt auf und die Schuldenlast liegt auf den beiden Herren. Und am Ende wird – wie es das Lustspiel verlangt – alles gut. Der geknechtete Gatte der zugereisten Dame entpuppt sich als reicher Erbe, der sich dankbar und spendabel zeigt, weil ihm mit Hilfe der Dorfbewohner die Trennung von seiner dominanten Frau glückt. Das Schuldenproblem ist endgültig gelöst, als der vermeintliche Opernstar sein wahres Gesicht, nämlich das eines Musikstudenten, zeigt und auf seine Gage verzichtet, wenn er im Gegenzug die Tochter des Gemeindepräsidenten heiraten darf …

Gelungenes Schauspiel
Die beiden jungen Herren, die am Montagabend den Pfarrer und den Gemeindepräsidenten verkörperten, gingen in den Rollen herrlich auf. Jaron Boller und Philipp Reber liessen keinen Zweifel am kalkulierenden Mann Gottes und am dem weiblichen Geschlecht zugetanen, aber verheirateten Präsidenten. Auch die Haushälterin des Gemeindeoberhauptes, die offenkundig nicht die Hellste ist, entwickelte einen ganz eigenen Charme. Lara Marti stellte jene einfache Hausangestellte mit Bravour dar. Bemerkenswert war auch der Darsteller des Feuerwehrkommandanten, im wahren Leben als Roman Neff unterwegs. Es gehörte zu seiner Rolle, eine Beamtin betrunken zu machen. Und diesen Auftrag erfüllte er genüsslich und mit einer urkomischen Trockenheit. Daniel Schmid, in der Rolle des angeblichen Opernsängers, brillierte mit Fantasie-Italienisch. Luana Moosmann schnarrte herrlich hysterisch ihren unterwürfigen Gatten an und Anina Kneubühler hatte als Präsidentengattin offensichtlich grösste Freude, ihrem unehrlichen Gatten den Teppichklopfer um die Ohren zu hauen. Und so könnte noch jede weitere Rolle aufgezählt werden. Und das widerspenstige Frühstücksei, das partout nicht im Eierbecher bleiben wollte, oder ein falsch einsetzender Klingelton liessen die Protagonisten nicht aus der Rolle fallen. Mit einem charmanten Lächeln spielten sie einfach drüber hinweg.

Ein erfolgreiches Projekt
Sechs Wochen lang studierten die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der beiden Lehrer Christian Schenk und Kurt Abegglen die Rollen ein, bauten Kulissen, planten die Werbung und die Verpflegung am Theaterabend. Alles hatten die Jugendlichen in der Hand, und alles hat bestens funktioniert – am Montag und Dienstag hat sogar das Wetter mitgespielt. Da sei über die Tatsache hinweggesehen, dass es sich um ein eher altbackenes Theaterstück handelt, das im Hinblick auf 50 Jahre Frauenstimmrecht hier und da Anpassungen vertragen würde. Aber eben, ein Lustspiel …

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