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Die Pianistin Maria João Pires kann zu Tränen rühren

Di, 31. Aug. 2021
Ganz ruhig, tief in sich hineinversunken, spielt sich Maria João Pires in die Seelen ihrer Zuhörer. FOTOS: RAPHAEL FAUX, GSTAADPHOTOGRAPHY.COM

Welch eine Pianistin! Was für eine Ausstrahlung! Maria João Pires gab in Saanen ein Klavierrezital und spielte erschütternd schön.

LOTTE BRENNER
Lange trat die Klavierlegende Maria João Pires aus gesundheitlichen Gründen nicht auf. Doch vergessen wurde sie in der Musikwelt nie. Und jetzt ist die Altmeisterin zurück. Am vergangenen Freitag gab sie, im Rahmen des Gstaad Menuhin Festivals, ein anspruchsvolles, 80 Minuten dauerndes Klavierrezital – und das gleich zweimal hintereinander, da aus Gründen von Corona die Kirche nicht voll ausverkauft werden darf und der Andrang für dieses sensationelle Konzert zu gross war. Die Besucherinnen und Besucher kamen voll auf ihre Rechnung. Maria João Pires zeigte sich in alter Frische, und die Begeisterung über ihr ebenso sensibles als auch technisch bewundernswert virtuoses Spiel war riesig.

Die Sprache des Klaviers
Franz Schubert schöpfte aus der Entwicklung des Klaviers, dem Fortschritt im Klavierbau, alle bestmöglichen Klangeigenschaften. Seine Klaviermusik besteht aus Klangfarbe und Bewegung. Die Wechselwirkung von Melodie und Harmonie färbt die einzigartigen Stimmungen. Dabei spielt die Rhythmik eine eher untergeordnete Rolle – doch, wie es in Schumanns Handbuch der Klaviermusik so schön beschrieben wird, entsteht beim Spielen eine «unterirdische Strömung». Es heisst weiter: «Schubert spricht die Sprache des Klaviers». Und genau diese Sprache sprach Maria João Pires mit der ganzen Tiefe ihrer sensiblen Musikalität. Mit der Sonate Nr. 13 A-Dur D 664 zog sie das Publikum von Anfang an in den Bann ihrer schlichten, ehrlichen, tief ergreifenden Musik. In unauffälliger Demut stellt sie sich ganz in den Dienst der Komposition. Sie versteht es, ohne sichtbaren Emotionen, ein Stück mit spannenden Phrasierungen und unvergleichlich schöner Tongestaltung wiederzugeben. Und was in der heutigen Zeit eher seltener ist: Das Tempo wird bei ihrer Interpretation nie forciert. Sie brilliert nicht durch Virtuosität (obschon sie davon mehr als genug hätte), sondern durch Innigkeit und atemberaubende Schönheit.

Eine wundervolle Fortsetzung der feinen Klavierempfindungen fand das Rezital in Claude Debussys «Suite bergamasque». Ganz im impressionistischen Stil sticht da das berühmte «Clair de lune» heraus. Wiederum Musik wie gemacht für die Klangmalerin Maria João Pires, die mit hauchdünnem, zartem Spiel zu Tränen rühren kann.

Als Zugabe wählte Pires dann noch einmal Debussy. Sie verabschiedete sich mit dem Andantino con moto aus «Deux Arabesques Nr. 1».

Beethovens letzte Sonate
Bevor es allerdings zu diesem weiteren Leckerbissen aus Debussys Feder kam, spielte die begnadete Pianistin die letzte Sonate, die Ludwig van Beethoven geschrieben hat; die Nr. 32 in c-Moll, op. 111. In dieser zweisätzigen Sonate bringt Beethoven so viele Verästelungen von Tongeschlechtern, Rhythmen, Formen, Variationen – so viele Gestaltungsmöglichkeiten ein, dass er mit dieser, seiner letzten Klaviersonate, die Pianisten aller Zeiten herausfordert.

Dass sich Pires auch kämpferisch beweisen kann, zeigt sich hier in körperlicher Schwerstarbeit, welche der Pianistin jedoch keineswegs anzumerken ist. Sie spielt in stoischer Ruhe, doch inhaltlich äusserst emotional. Reizvoll auch, wie sie die leisen Triller im tiefen Bass von einem Pianissimo zum Forte anschwellen lässt, was dann zum rhythmisch interessanten Allegro überleitet. Nur so viel als Beispiel für das vielfältige, spannende, herausragende Klavierspiel der wundervollen Pianistin.

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