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«Nur durch den Schatten spürt man das Licht»

Fr, 24. Dez. 2021
Huck Scarrys Lieblingsmotiv als Aquarellist ist das Gstellihore oberhalb von Gsteig, das er als das «Matterhorn des Saanenlandes» bezeichnet. FOTO: MARTIN GURTNER-DUPERREX

Huck Scarry stellt im Museum der Landschaft Saanen seine Aquarelle aus. Im Interview gibt er Auskunft über das Verhältnis zu seinem berühmten Vater, aus welchem Grund er am liebsten draussen arbeitet, warum der Schatten in seinen Bildern eine so grosse Rolle spielt und wie er damals als Jugendlicher in die Schweiz und das Saanenland gekommen ist.

MARTIN GURTNER-DUPERREX
«Guten Tag, ich bin der Künstler», begrüsst Huck Scarry in reinstem Deutsch die Gäste am Eröffnungstag seiner Sonderaustellung «Mit dem Malkasten im Rucksack» im Museum der Landschaft Saanen. Ausgestellt sind ausschliesslich Aquarelle der Saaner Bergwelt, die im kontrastreichen Glasbodenraum in besonderer Weise zur Geltung kommen.

Huck Scarry wurde 1953 in den USA geboren. Er ist der Sohn des grossen Kinderbuchautors und Illustrators Richard Scarry. Huck kam als Jugendlicher mit seinen Eltern in die Schweiz, wo seine Eltern ein Chalet in Gstaad erwarben. Er studierte Grafik in Lausanne und Paris. Als Autor entwickelt er das Werk seines verstorbenen Vaters weiter, als Aquarellist, Mallehrer und mit Reiseführern einiger italienischer Städte hat er sich jedoch einen eigenen Namen gemacht.

Huck Scarry, nervt es Sie, wenn Sie als Künstler gleich mit dem Werk Ihres berühmten Vaters in Verbindung gebracht werden?
Es stört mich überhaupt nicht, dass ich der Sohn von Richard Scarry bin. Im Gegenteil, ich bin meinen Eltern sehr dankbar, ich hatte eine wunderschöne Kindheit. Sie waren wunderbare Eltern, haben mich geliebt und mir viel im Leben gezeigt.

Wurde Ihr Stil durch Ihren Vater beeinflusst?
Als Kind war ich häufig im Atelier meines Vaters und habe ihm beim Illustrieren der Bücher zugeschaut. Oft lag ich bäuchlings auf dem Boden und habe gezeichnet, was ich wollte. Das ist noch heute so, denn obwohl ich die Arbeit meines Vaters weiterführe, indem ich seine Kinderbücher und Figuren weiterentwickle, schaffe ich auch meine eigenen Bilder. Ich zeichne sehr gerne und oft – besonders die Berge im Saanenland, weil sie so schön sind.

Der Titel Ihrer Ausstellung heisst «Mit dem Malkasten im Rucksack». Arbeiten Sie nicht im Atelier?
Nein, ich arbeite nur vor Ort, nicht im Atelier. Ich gehe zu Fuss, mit den Ski oder dem Auto hinaus in die Natur und wenn mir etwas gefällt, klappe ich meinen Stuhl auf, nehme den Malkasten aus dem Rucksack und beginne zu malen. Natürlich habe ich im Winter eine Decke und eine Thermosflasche dabei. Oft komme ich halb erfroren, aber zufrieden nach Hause.

In Ihren Aquarellen dominiert Blauviolett. Mögen Sie diese Farbe besonders?
Überhaupt nicht, ich trage nie Violett (lacht). Aber es kommt in der Natur überall vor, weil es die Farbe des Schattens ist. Besonders in südlichen Ländern wie in Italien oder Griechenland, wo ich seit 15 Jahren Aquarellmalerei unterrichte. Genauso ist es in den Bergen. Das Blauviolett im Schatten reflektiert die Farbe des Himmels. Wenn ich an einem Aquarell arbeite, beginne ich immer zuerst mit dem Schatten. Erst danach fülle ich die lichterfüllten Flächen und Details ein, denn nur durch den Schatten spürt man das Licht, wie es wirklich ist.

Sie kamen als Jugendlicher mit Ihren Eltern in die Schweiz. Erzählen Sie uns mehr darüber.
Mein Vater konnte überall auf der Welt arbeiten. Da er die Ideen im Kopf hatte, brauchte er nur Papier, Farbstifte und ein Postamt in der Nähe, um seinem Verlag die Arbeiten zu schicken. So kam es, dass ich als Fünfzehnjähriger mit meinen Eltern von Amerika nach Lausanne kam. Sie wollten während eines Jahres ihr Französisch verbessern und die Schweiz und Europa kennenlernen. Sie fanden eine Schule für mich und es gefiel ihnen schliesslich so gut, dass sie blieben. Wir besuchten auch das Saanenland, wo wir oft im Hotel Wildhorn in Lauenen abstiegen, um nachts am offenen Fenster dem Rauschen des Bachs zu lauschen. 1972 kauften sich meine Eltern in Gstaad ihr eigenes kleines Chalet, wo sich mein Vater sein Atelier einrichtete. Heute ist Gstaad neben Wien mein Hauptwohnwort. Ich liebe es, zu jeder Jahreszeit hier zu sein.

Die Ausstellung «Mit dem Malkasten im Rucksack» im Museum der Landschaft Saanen dauert bis zum 26. Februar 2022. Offen von Montag bis Samstag (Eingang Heimatwerk) und von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr (Eingang Museum).


BESTSELLERAUTOR RICHARD SCARRY

Richard Scarry wurde 1919 in Boston geboren und studierte Kunst. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er für verschiedene Magazine, bis ihm 1949 mit seiner Kinderbücherserie der Durchbruch gelang. Mit seinen Geschichten und Tierfiguren in «Busytown» (zu Deutsch Schaffenau) und insbesondere mit «Mein allerschönstes Wörterbuch» begeisterte er Generationen von Kindern. Seine 300 Bücher wurden millionenfach auf der ganzen Welt verkauft. Viele seiner Werke wurden auch als Zeichentrickvideos weltweit erfolgreich im Fernsehen ausgestrahlt. Seine Ehefrau Patricia Scarry war ebenfalls eine bekannte Kinderbuchautorin. Richard Scarry – er besass mit seiner Familie ein Chalet in Gstaad – starb 1994 in Saanen.

MARTIN GURTNER-DUPERREX

 

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