«Griechischer Wein» in guter Gesellschaft

Di, 03. Dez. 2019
Griechischer Blues von Eleni und Petros – ein Gefühl von vergangenen und kommenden Griechenlandurlauben. FOTO: SONJA WOLF

Das Hotel Ermitage in Schönried eingetaucht in die Klänge von Bouzouki und Gitarre. Sehnsucht nach griechischen Stränden, Tavernen und Geselligkeit.

SONJA WOLF
Zwei Tränchen kullern mir über die Wangen … Ist es möglich, dass mich dieses sympathische musikalische Duo dermassen in meine griechische Vergangenheit katapultiert, dass ich einen sentimentalen Schwächeanfall bekomme?

Da stehen sie vor mir auf der heimeligen Bühne im Foyer des Ermitage: Eleni mit ihrer Gitarre und der unglaublich samtigen, tiefen, vollen Stimme. Wie schafft sie es, diese wunderbare Sehnsucht in jeden Ton zu packen? Und Petros mit seinen virtuos schnellen Tonfolgen und dem romantischen Tremolo auf seinem Bouzouki – der absolut authentische Klang Griechenlands!

Sofort fühle ich zurückversetzt in die kleine Fischtaverne am Meer auf der grünen Insel Skopelos, wo wir als Familie viele glückliche Jahre verbracht haben. Traditionelle Musik gehört in Griechenland zu einem Tavernenessen mit Familie oder Freunden einfach dazu. «Parea» heisst hier das Zauberwort und bedeutet (gute) Gesellschaft, Freundeskreis. Da kann ein sonntägliches Mittagessen schon einmal von 14 bis 18 Uhr dauern, so gemütlich wird es mit jeder weiteren Runde Tsipouro oder Ouzo und gemeinschaftlich verspeisten Vorspeisentellerchen in der Mitte des Tisches. Mitsingen bei den Liedern der Liveband oder sogar ein Gruppentanz zwischen den Tischen der Taverne ist da keine Seltenheit.

Eleni und Petros haben das also bei mir geschafft, dieses ganze Szenario der Gemütlichkeit und Wärme mit den ersten Klängen wieder aufleben zu lassen. Ich bin beeindruckt. Und mit mir das übrige, sichtlich begeisterte gräcophile Publikum.

Musikalische Volkshelden im Programm
«Wir spielen unser Programm spontan, wir passen uns da ganz an die Stimmung bei den Zuhörern an», erklärt mir Eleni nach dem Konzert. Da schöpfen die beiden auch aus einem wahrhaft breiten Repertoire. Sie spielen vor allem «Rembetiko», den griechischen Blues der städtischen Subkulturen, der von den alltäglichen Sorgen und Erfahrungen der einfachen Leute erzählt. Manos Hadjidakis hatte ihn Ende der 1940er-Jahre erstmals «salonfähig» gemacht. Sehr bekannt ist beispielsweise Hadjidakis’ «Ta pedia tou Pirea» aus dem Jahr 1960. Im Film «Sonntags … nie!» von Melina Mercouri gesungen, gewann das Lied 1961 den Oscar als bester Filmsong. Die deutsche Version davon – «Ein Schiff wird kommen» – wurde durch die Aufnahme von Lale Andersen sehr bekannt und unzählige Male gecovert, etwa von Caterina Valente, Dalida, Nana Mouskouri oder Daliah Lavi.

Auch Lieder von Mikis Theodorakis fehlen natürlich nicht im Programm des Duos. Der Komponist, Schriftsteller und Politiker Theodorakis gilt als der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts und wird in Griechenland als Volksheld verehrt. Besonders bekannt und beliebt ist sein Sirtaki in der Filmmusik zu «Alexis Sorbas». Hier beginnen die Füsse einiger Zuhörer mitzuwippen, andere klatschen im Takt mit. Ich möchte aufstehen und tanzen, traue mich aber nicht.

Nun muss ich schmunzeln, höre ich da etwa Udo Jürgens’ «Griechischer Wein»? Es ist nicht wirklich von einem Griechen komponiert. «Aber wir mögen auch dieses Lied sehr!», versichern Eleni und Petros in der Ansage zum Lied.

Fröhlich und in griechischen Welten schwebend, verlassen wir Zuhörer nach einer Stunde das Ermitage und machen uns direkt an die nächste Urlaubsplanung, Destination Griechenland.


ALS DUO «ORPHEAS» UNTERWEGS

Eleni und Petros Diniou Kotsaridis musizieren bereits seit 1998 zusammen. Sie wohnen aktuell in Balgach bei St. Gallen. Als Duo «Orpheas» touren sie durch die Schweiz und Deutschland, buchbar für Familienfeiern oder andere Anlässe. Beide Künstler haben ihre Wurzeln in Drama, Griechenland, wo sie nach wie vor gerne ihre Ferien verbringen.

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Erwarte einen journalistischen Artikel über das Konzert. Keine Abhandlung über die persönliche Geschichte der Redaktorin.

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