Schulanlage Rütti: Die Kosten geben zu reden

Di, 27. Okt. 2020
Gemeinderätin Vreni Müllener und Gemeinderat Hans Peter Schwenter (rechts) erläuterten das Projekt. Architekt Toufiq Ismail-Meyer (links) beantwortete gezielte Fragen zum Projekt. FOTO: ANITA MOSER

Knapp 31 Millionen Franken soll die Erweiterung der Schulanlage Rütti in Gstaad kosten. An zwei Informationsveranstaltungen haben die Behörden das Projekt vorgestellt. Über den Kredit abgestimmt wird am 29. November an der Urne.

ANITA MOSER
Einstimmig bei einigen Enthaltungen haben die 93 anwesenden Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom 14. September 2018 den Projektierungskredit über 1,72 Millionen Franken für die Erweiterung der Schulanlage Rütti gesprochen. Den offenen Architekturwettbewerb gewonnen haben Comamala Ismail Architectes aus Delémont/Biel mit dem Projekt «Schere, Stein, Papier». Die Gesamtkosten für die Erweiterung – Sanierung des Altbaus und Neubau eines Schulhauses und einer Turnhalle – beläuft sich auf 30,8 Millionen Franken. Die Stimmberechtigten der Gemeinde Saanen sind am 29. November aufgerufen, über die Krediterhöhung von 28,94 Millionen Franken abzustimmen.

Da coronabedingt eine Urnenabstimmung statt der Gemeindeversammlung stattfindet, stellten die Behörden das Grossprojekt an zwei Informationsveranstaltungen vor und gaben der interessierten Bevölkerung Gelegenheit, Fragen zu stellen. Für Dienstag hatten sich 40 Personen angemeldet, am Donnerstag waren es 50 Personen, wie Kaspar Westemeier, Fachleiter Liegenschaften, auf Anfrage sagte.

Sanierung des Altbaus, Ersatz der «Neubauten»
Vorgestellt wurde das Projekt durch Gemeinderätin Vreni Müllener (Ressort Liegenschaften) und Hans Peter Schwenter (Ressort Bildung). «Eine enge und intensive Zusammenarbeit hat zum vorliegenden Projekt geführt», betonte Gemeinderätin Vreni Müllener. Der Altbau aus den 1920er-Jahren soll saniert werden. Der Neubau und die Turnhalle aus den 1970er-Jahren sollen zurückgebaut und durch zwei Neubauten ersetzt werden (Details siehe «Erläuterungen zu den Geschäften in der Ausgabe vom 13. Oktober). Der Zustand dieser Gebäude sei so schlecht, dass eine Sanierung nicht zielführend wäre. Das Projekt sei ein Bau mit einem sehr hohen Anteil nach Mass sowie einem sehr hohen Anteil an traditionellem Handwerk, erklärte Vreni Müllener. «Im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten soll ein grosser Anteil der Aufträge an lokale Anbieter vergeben werden.»

Schulbetrieb läuft während der Bauphase weiter
Wird am 29. November dem Kredit zugestimmt, soll im Januar 2021 das Baubewilligungsverfahren über die Bühne gehen. Ab Oktober 2021 erfolgt der Rückbau der Turnhalle, im November soll mit den Neubauten begonnen werden. Geht alles nach Plan, könnten die Neubauten im Sommer 2023 bezogen werden und mit dem Rückbau des «Neubaus» (Schulhaus aus den 1970er-Jahren) sowie mit der Sanierung des Altbaus begonnen werden. «So könnte man Ende 2023 die Bauarbeiten abschliessen», so Vreni Müllener.

Der Schulbetrieb kann während den Bauarbeiten weiterlaufen – nur die Turnhalle kann nicht genutzt werden. «Mit diesem Projekt braucht es keine provisorischen und teuren Containerlösungen», erklärte Vreni Müllener.

Mehr als eine Schule
«Wir bauen nicht für acht, zehn oder zwölf Jahre», so Vreni Müllener. «Wir bauen für die Zukunft, für mindestens 50 Jahre und wenn möglich noch für viel länger.» Die Rüttischule sei nicht einfach nur eine Schule, «sondern eine zentrale und integrierende Schule mit Aufgaben, die über die klassische Primarschule hinausgehen», warb Vreni Müllener für das millionenschwere Projekt. «Es ist eine bedeutende Schule mit vielen Zusatzangeboten, von denen auch Schülerinnen und Schüler der anderen Schulkreise und der umliegenden Gemeinden profitieren: die Heilpädagogische Schule, die Klasse für besondere Förderung, die Tagesschule, Logopädie, integrative Förderung, Psychomotorik oder die Schulsozialarbeit.»

Zu grosszügig ausgelegt?
Die Fragerunde im Anschluss an die ausführlichen Präsentation wurde rege benutzt. Das Raumangebot sei sehr grosszügig ausgelegt, meinte ein Anwesender. Das erstaune ihn aufgrund der momentanen Schülerzahlen von 52 Kindern von der dritten bis zur sechsten Klasse. In den drei Klassen der Basisstufe rechne man bis 2023 mit einem starken Anstieg, erklärte Hans Peter Schwenter die geplante vierte Basisstufe. Gesamthaft steige die Schülerzahl in den nächsten drei Jahren bei den Regelklassen (inkl. Basisstufe) von 111 auf 136 Kinder, deshalb sei die Schaffung von entsprechenden Klassenzimmern weitsichtig.

Im Moment habe man tatsächlich tiefe Schülerzahlen in den Stufen 3. bis 6. Klasse, gab Schulleiterin Christine Oberli dem Votanten recht. «Aber die Zahlen von aktuell 111 Kindern – inklusive Basisstufe – werden in den nächsten vier Jahren auf 136 steigen. Gemäss den Vorgaben müssten wir schon im Schuljahr 2022/23 eine vierte Basisstufe eröffnen.» Und nicht zu vergessen, so Oberli, zu den 136 Kindern ab Basisstufe bis zur sechsten Klasse kämen noch eine Klasse für besondere Förderung (KfB) sowie drei HPS-Klassen dazu. «Das gibt doch eine stattliche Anzahl Kinder, welche die Schulanlage geniessen können.»

Man müsse sich bewusst sein, dass man nicht nur Schulzimmer baue, erklärte Architekt Toufiq Ismail-Meyer. «Heute haben Klassenzimmer einen relativ kleinen Anteil, es ist eine ganze Schulanlage mit vielen Angeboten. Für Arbeits- und Aufenthaltsbereiche und die Tagesschule kommt man auf 620m2, was rund zehn Klassenzimmern à 64m2 entspricht.

Rütti versus Aussenstandorte?
Das Projekt sei sehr grosszügig, habe Lagerräume «à gogo», diverse Reserveräume, monierte ein weiterer Anwesender. Er werde die Vermutung nicht los, dass gewisse Exponenten in diesem Projekt auch die Aussenstandorte integrieren wollten. «2017, zu Beginn der Legislatur, haben wir beschlossen, die dezentrale Schulorganisation mit den sieben Schulstandorten beizubehalten, so lange das möglich ist», betonte Hans Peter Schwenter und versicherte: «Es war in der Bildungskommission nie ein Thema, dass wir in der Rütti extragross bauen, um die Kinder von den kleineren Schulstandorten zu integrieren.»

Für den Gemeinderat finanziell tragbar
Die Finanzkommission habe das Vorhaben begutachtet, und zwar die Tragbarkeit der Abschreibungen von 1,4 Millionen Franken pro Jahr in Frage gestellt, aber an der gleichen Sitzung dem Gemeinderat das Budget 2021 und den Finanzplan für die nächsten fünf Jahre zur Genehmigung empfohlen, erklärte Vreni Müllener auf eine entsprechende Frage. «Deshalb geht der Gemeinderat davon aus, dass das Projekt finanziell tragbar ist.» Die Gemeinde rechne damit, für die gesamten Kosten aufzukommen, so die Gemeinderätin. Man werde aber sämtliche Einnahmenquellen ausschöpfen, wie beispielsweise Subventionen an die Fotovoltaikanlage oder für die Verbesserung der Energieeffizienz.

Das Fussballfeld entspreche den Normen des Bundesamtes für Sport für untere Ligen, antwortete Ismail-Meyer auf eine entsprechende Frage aus dem Plenum. «Uns war die dörfliche Struktur wichtig, dass die Baukörper frei stehen, dass es ein Gleichgewicht gibt zwischen den Gebäuden und Freiräumen, dass es der Massstäblichkeit der Kinder entspricht, dass es verschiedene Zonen gibt und jede Altersgruppe ihren Spielbereich, ihren Aussenbereich hat.» Es seien 120 bis 150 Veloparkplätze an zwei verschiedenen Standorten geplant, antwortete der Architekt auf eine weitere Frage. Warum es eine zweite Bühne brauche, wollte eine Votantin wissen. Für Klassentheater seien die Aula und die Bühne in der Aula bestens geeignet, erklärte Christine Oberli. Es gebe aber keinen Raum, in dem alle Kinder der Schule, alle Eltern und Lehrpersonen Platz hätten. In der Mehrzweckhalle mit mobilen Bühnenelementen könnten hingegen Schulanlässe wie Examen oder Verabschiedungen der Heilpädagogischen Schule durchgeführt werden.

Kein Plan B
Der Stimmbürger könne keine Anträge stellen, sondern nur ein Ja oder ein Nein in die Urne legen, sagte Grossrat Hans Schär. Viele monierten, das Projekt sei zu teuer. «Kann der Gemeinderat noch etwas abändern und diesen entgegenkommen, um dem Projekt zum Durchbruch zu verhelfen?» Es gebe keinen Plan B, betonte Vreni Müllener. «Mit etwas weniger Parkplätzen liessen sich einige Tausend Franken einsparen. Ohne neu zu planen, können wir auch nicht einfach ein Stockwerk weglassen, und heutzutage auf einen Lift zu verzichten ist ein No-Go.»


SCHULANLAGE RÜTTI

– 6 Klassenzimmer Mittelstufe und Klasse für besondere Förderung
– 8 Einheiten für 4 Basisstufenklassen
– 3 Gruppenräume zu den Klassenzimmern
– moderne Tagesschule für bis zu 60 Kinder
– 1 zentrale Mediathek
– ausreichend Spezialräume (für Logopädie, integrative Förderung, Psychomotorik und Schulsozialarbeit)
– anspruchsgerechter Arbeitsbereich für Lehrkräfte
– 1-fach Sporthalle, unterteilbar
– Lager- und Technikräume
– Autoeinstellhalle für die Schule und die Öffentlichkeit
– vielfältige Aussenanlagen für Sport und Freizeit (alles behindertengerecht)

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Kommentare

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